Bewertung
Das ist irreführend. Das Video zeigt zwar den Bürgermeister von Saint-Denis, Bally Bagayoko, bei den Schülerprotesten, es wurde aber so geschnitten und mit einem Text versehen, dass sich der Sinn verändert. Eine längere Aufnahme derselben Szene zeigt, wie Bagayoko die brennende Mülltonne vom Zaun der Schule wegzieht und später versucht, beim Löschen zu helfen.
Fakten
Zu der Szene im Video war es vor einer Schule in Saint-Denis am 28. September, kurz nach Beginn der Schülerproteste gekommen. Der Bürgermeister des Pariser Vororts, Bally Bagayoko von der linken Partei La France insoumise, suchte den Protest ebenfalls auf. Es gibt mehrere Videos vom 28. September, die ihn vor Schulen zeigen. Vor einem Gymnasium sang er mit demonstrierenden Schülern die französische Nationalhymne. Zu der Szene mit der brennenden Mülltonne kam es vor einem weiteren Gymnasium in der Nähe.
Wie und von wem die Mülltonne angezündet wurde, ist nicht bekannt. Von der Deutschen Presse-Agentur geprüfte Videos zeigen diesen Moment nicht. Dass Bagayoko damit zu tun hatte oder für das Feuer verantwortlich war, ist also nicht belegt.
Kurzes Video zeigt nur einen Teil des Geschehens
Was dagegen existiert, ist das Video, auf dem der Bürgermeister sich mehrere Schritte vom Feuer entfernt. Jubelnde Schüler greifen ihn am Arm und rufen seinen Vornamen. Allerdings fehlen bei diesem Ausschnitt entscheidende Momente davor und danach. Ein längeres Video aus fast demselben Blickwinkel, das die linke französische Zeitung «L’Humanité» veröffentlichte, zeigt das:
- Das Video beginnt damit, wie Bagayoko von der Straße aus über den Bürgersteig auf den Zaun der Schule zugeht. Dort brennt eine große Mülltonne direkt vor dem Gitter, so dass die Flammen dagegen schlagen. Bagayoko zieht die brennende Mülltonne weg vom Zaun und stellt sich dann in die Gruppe der hüpfenden und rufenden Schüler. In dem kürzeren Video ist nur dieser zweite Teil zu sehen – nicht aber, wie Bagayoko die Tonne zieht.
- Im Video von «L’Humanité» sind zudem weitere Momente im Anschluss zu sehen. Bagayoko tritt aus der Gruppe der Demonstrierenden wieder nach vorne, um zwei Personen zu helfen, die mit einem Feuerlöscher brennende Müllreste aus der Tonne löschen wollen. Weder ihnen noch dem Bürgermeister gelingt das allerdings. Erst ein eintreffender Feuerwehrmann erstickt mit dem Feuerlöscher die Flammen. Bagayoko spendet ihm dafür zusammen mit Umstehenden Applaus.
Aus den Videos aus Saint-Denis geht also gerade nicht hervor, dass Bagayoko zusammen mit demonstrierenden Schülern ein Feuer an dem Gymnasium legte, sondern das Gegenteil. Der Bürgermeister des Pariser Vororts suchte lediglich die Proteste auf und scheint sich mit den Schülerinnen und Schülern zu solidarisieren. Im Fall der brennenden Mülltonne griff er mäßigend ein – das ist auf Video festgehalten.
Kritik an Bagayokos Haltung zu den Protesten
Zu einem Brand eines Gebäudes kam es in Saint-Denis im Zusammenhang mit den Protesten nicht. Es finden sich keine entsprechenden Medienberichte. In der Stadt Nantes hingegen wurde bei Ausschreitungen ein Teil eines Schulgebäudes in Brand gesetzt. Laut den Behörden geht es um einen Schaden von mindestens zwei Millionen Euro. In Bordeaux brannte der Eingangsbereich eines Gymnasiums.
Bagayoko wies zuletzt weitere Vorwürfe gegen ihn im Zusammenhang mit den Schülerprotesten zurück. Er hatte zuvor seine Unterstützung für die demonstrierenden Schüler ausgedrückt und auch Gewalt zum Teil gerechtfertigt, zugleich aber zur Deeskalation aufgerufen. Konservative und rechte Politiker aus Frankreich kritisierten ihn dafür. Einige stützten sich dabei auch auf die Falschbehauptung, dass Bagayoko sich an einer Brandstiftung beteiligt habe.
In Frankreich protestieren Schülerinnen und Schüler seit Ende September unter anderem gegen marode Schulgebäude und fehlendes Personal. In vielen Städten kam es dabei zu Ausschreitungen und Gewalt. Die Behörden verzeichneten allein in der vergangenen Woche mehr als 5000 Festnahmen sowie mehrere Hundert Verletzte, darunter Mitarbeiter aus dem Bildungswesen, Schüler sowie Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr.
(Stand: 5.10.2026)
