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Die Dosis macht das Gift – und der Kontext auch

Eine in den sozialen Medien verbreitete Grafik mit der Überschrift «Warum gelten hier plötzlich andere Regeln?» stellt fünf Stoffe gegenüber: Quecksilber, Formaldehyd, Glyphosat, Aluminium und MSG. Auf der linken Seite werden diese Stoffe jeweils in einem Alltagskontext (Nahrung, Kosmetika) als «schlecht» dargestellt, auf der rechten Seite sollen sie angeblich in Impfstoffen als «unbedenklich» gelten. Was ist dran an der Abbildung?

Bewertung

Die Gegenüberstellung ist irreführend.

Fakten

Die Abbildung wirkt auf den ersten Blick plausibel, vermittelt aber ein falsches Verständnis von Toxikologie. Aus der bloßen Nennung eines Stoffes lässt sich weder auf eine Gesundheitsgefahr noch auf Unbedenklichkeit schließen. Entscheidend sind die chemische Form, die aufgenommene Menge und die Art der Exposition.

Quecksilber

Quecksilber kommt natürlicherweise in der Umwelt vor, wird aber auch durch industrielle Aktivitäten freigesetzt. Besonders problematisch ist Methylquecksilber, das sich in der Nahrungskette anreichern kann und beispielsweise in bestimmten Fischarten vorkommt.

In einigen Mehrdosen-Impfstoffen wurde beziehungsweise wird das Konservierungsmittel Thiomersal eingesetzt, um eine Verunreinigung mit Bakterien oder Pilzen nach dem Öffnen der Behältnisse zu verhindern. Thiomersal wird im Körper unter anderem in Ethylquecksilber abgebaut. Dieses unterscheidet sich jedoch deutlich von Methylquecksilber: Es wird wesentlich schneller aus dem Körper ausgeschieden und reichert sich nicht in vergleichbarer Weise an.

Die meisten heute verwendeten Einzeldosisimpfstoffe enthalten kein Thiomersal. In Europa, Großbritannien und den USA wurde der Stoff vorsorglich weitgehend aus Impfstoffen entfernt, um die gesamte Quecksilberbelastung zu reduzieren. Gesundheitsbehörden wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) betonen, dass es keine Hinweise auf gesundheitliche Schäden durch die in Impfstoffen verwendeten Mengen von Thiomersal gibt.

Formaldehyd

Formaldehyd wird in vielen Produkten verwendet und kann insbesondere bei einer Belastung über die Atemluft gesundheitsschädlich sein. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) stuft Formaldehyd als krebserregend ein. Entscheidend ist jedoch die Konzentration: Unterhalb bestimmter Grenzwerte sind entsprechende Wirkungen nicht zu erwarten.

Bei der Herstellung einiger Impfstoffe wird Formaldehyd eingesetzt, um Viren oder bakterielle Toxine zu inaktivieren. Im fertigen Impfstoff verbleiben davon lediglich sehr geringe Restmengen. Zudem produziert der menschliche Körper selbst kontinuierlich Formaldehyd als Teil seines normalen Stoffwechsels. Die Menge an Formaldehyd im Blut eines Säuglings ist deutlich höher als die Menge, die über eine Impfung aufgenommen wird. Auch viele Lebensmittel enthalten wesentlich größere Mengen.

Glyphosat

Glyphosat ist ein Herbizid und wird zur Unkrautbekämpfung eingesetzt. Es gehört nicht zu den regulären Bestandteilen von Impfstoffen.

Behauptungen, Glyphosat sei in Impfstoffen enthalten oder stehe in Zusammenhang mit Impfungen und Krebs, beruhen vor allem auf umstrittenen Untersuchungen, deren Aussagekraft von Fachleuten kritisiert wurde. Faktenchecks verschiedener Organisationen kamen übereinstimmend zu dem Schluss, dass diese Behauptungen irreführend sind. Selbst theoretisch diskutierte Spuren aus Umweltquellen oder Herstellungsprozessen würden nichts daran ändern, dass Glyphosat kein Impfstoffbestandteil ist.

Aluminium

Aluminium ist das häufigste Metall in der Erdkruste und kommt natürlicherweise in Lebensmitteln, Trinkwasser und vielen Alltagsprodukten vor. Der größte Teil des aufgenommenen Aluminiums wird wieder ausgeschieden. Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion sollten jedoch besonders auf ihre Aluminiumaufnahme achten, da die Ausscheidung erschwert sein kann.

Diskutiert wurde zudem, ob eine hohe Aluminiumaufnahme Krankheiten wie Brustkrebs oder Alzheimer begünstigen könnte. Nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) gibt es dafür jedoch aktuell keine belastbare wissenschaftliche Grundlage.

Auch der Beitrag aluminiumhaltiger Antitranspirantien zur gesamten Aluminiumaufnahme wird heute als deutlich geringer eingeschätzt als früher. Gesundheitliche Schäden durch regelmäßige Nutzung beispielsweise von Deo-Rollern gelten als unwahrscheinlich.

Aluminiumsalze werden in einigen Impfstoffen als sogenannte Adjuvanzien eingesetzt. Sie verstärken die Immunantwort und können dazu beitragen, dass ein Impfstoff wirksamer ist.

Wissenschaftliche Übersichtsarbeiten zeigen, dass aluminiumhaltige Impfstoffe häufiger lokale Reaktionen wie Schmerzen, Rötungen oder Schwellungen an der Injektionsstelle verursachen können. Gelegentlich bildet sich ein kleines Knötchen an der Einstichstelle. Einen Zusammenhang mit dauerhaften oder schwerwiegenden Gesundheitsschäden konnten diese Untersuchungen jedoch nicht nachweisen.

MSG

MSG (englische Abkürzung für Mononatriumglutamat) ist ein Salz, das aus der häufig vorkommenden Aminosäure Glutaminsäure hergestellt wird. Es kommt natürlicherweise in zahlreichen Lebensmitteln vor, darunter Parmesan, Pilze und Tomaten, und ist für den Umami-Geschmack verantwortlich. Zudem wird es als Geschmacksverstärker verwendet.

Lange Zeit wurde MSG mit verschiedenen gesundheitlichen Beschwerden und Krankheiten in Verbindung gebracht. Für solche Zusammenhänge gibt es jedoch keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege. Gesundheitsbehörden wie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bewerten MSG grundsätzlich als sicher. Nur von einem Einsatz als Kochsalzersatz rät das Bundesinstitut für Risikobewertung ab.

In einigen Impfstoffen wird Mononatriumglutamat in geringen Mengen als Stabilisator eingesetzt.

(Stand: 1.7.2026)

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Wissenschaft, Gesundheit

Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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