Mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) lassen sich innerhalb kürzester Zeit täuschend echte Bilder und Videos generieren. Dies trifft auch auf eine vermeintliche Straßenumfrage zu, in der angeblich in den 1990er Jahren Menschen zu ihren Vorstellungen zum Jahr 2026 befragt worden seien. Online hielten zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer die Umfrage für echt. Allerdings zeigen mehrere Analysen mit KI-Verifikationstools, dass es sich hierbei um eine keine authentische Umfrage handelt.
„Straßenumfrage aus den 90ern zu 2026“, schrieb ein Nutzer auf Facebook am 16. August 2026. „Hater würden sagen KI“, heißt es weiter. Der Nutzer teilte ein etwa ein einminütiges Video einer einer angeblichen Straßenumfrage, in der zwei Frauen und zwei Männer zu Wort kommen. Die Personen werden in dem Video zu ihren Zukunftsvorstellungen befragt, genauer, wie sie sich das Jahr 2026 vorstellen. Es werden Ideen wie „mehr Vertrauen in die Regierung“, ein beliebter Bundeskanzler, billigere Kraftstoffpreise, Digitalisierung sowie schnelles Internet geäußert.
Das Video, das von der Ästhetik her so wirkt, als wäre es tatsächlich in den 1990er Jahren gedreht worden, teilte auch eine weitere Facebook-Nutzerin am 30. August 2026. Sie machte sich über die im Video vorkommenden Thesen auf ironische Weise lustig. „Es ist ja alles besser geworden“, schrieb sie. Ein Nutzer kommentierte: „Wie falsch kann man liegen, genau das Gegenteil ist gekommen.“

Das Video, das auch auf weiteren Plattformen wie Instagram, Tiktok, X und Youtube die Runde machte, ist jedoch nicht echt. Es wurde mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) generiert, wie Analysen ergaben.
Inhaltliche Fehler weisen auf KI-Generierung hin
AFP überprüfte die Tonspur des etwa einminütigen Videos mit dem Erkennungstool Hiya. Das Tool ist Teil des Analyseprogramms InVID WeVerify, an dessen Entwicklung AFP beteiligt ist. Das Ergebnis zeigt, dass die Audiospur mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent mithilfe von KI generiert wurde.

Zudem analysierte AFP einzelne Standbilder des Videos mit dem KI-Erkennungstool Hive Moderation. Auch diese Analyse ergab, dass das Bildmaterial mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent mithilfe von KI erstellt wurde.

Be i genauerer Betrachtung des Videos fällt auf, dass es über vereinzelte visuelle Unstimmigkeiten verfügt, die auf eine KI-Generierung hindeuten. Beispielsweise sind zu Beginn des Videos die Bewegungen der Passantinnen und Passanten unnatürlich, die im Hintergrund den Bürgersteig entlang gehen (ab Sekunde 00:05). Zudem ist die Schrift vor den Geschäften, wie beispielsweise bei Sekunde 00:24, unleserlich:

Auch auf inhaltlicher Ebene sind einige Fehler bemerkbar, die darauf hinweisen, dass es sich eben nicht um historisches Filmmaterial handeln kann. Eine der interviewten Frauen, die ab Sekunde 00:40 spricht, wünscht sich günstigere Mieten und dass „der Benzinpreis mal etwas runtergeht“. Ihr sei der damalige Preis mit 30 Pfennig pro Liter zu teuer. Dies ist jedoch unrealistisch, da der durchschnittliche Literpreis für Benzin in Deutschland zwischen 1990 und 1999 mehr als einhundert Pfennig betrug. Das dokumentiert der ADAC auf der Website, auf der die Kraftstoffpreisentwicklung in Deutschland seit 1950 festgehalten wird. In keinem der angeführten Jahre betrug der Benzinpreis pro Liter jemals 30 Pfennig.
Auch die weiteren Vorstellungen der vermeintlichen Interviewpartnerinnen und -partner, wie etwa schnelles Internet und Digitalisierung, erscheinen für das Jahrzehnt äußerst unwahrscheinlich.
Originalvideo ist auf einen Satire-Account zurückzuführen
Mithilfe einer umgekehrten Videosuche konnte AFP zudem herausfinden, dass das Video erstmals von einem Tiktok-Account mit dem Nutzernamen „AI SATIRE“ – also KI Satire – hochgeladen wurde. Die angebliche Straßenumfrage wurde von diesen Account-Betreibern erstmals am Morgen des 16. August 2026 auf Facebook, Instagram und Tiktok gepostet. Auf sämtlichen Plattformen wurde das Video als KI-Inhalt gekennzeichnet.

Der Tiktok-Account postete bereits in der Vergangenheit unter seinem früheren Namen „mindhugcomedy“ ein Video, das viele Nutzerinnen und Nutzer für echt hielten. Der Clip, in dem angeblich ein syrischer Mann preisgibt, das Jobcenter in Deutschland auf mehr Bürgergeld zu verklagen, wurde vielfach geteilt und sorgte für empörte und rassistische Kommentare. Allerdings bildete dieses Video auch keine reale Situation ab: Es wurde ebenfalls mit KI generiert. Die Analysen dazu legte AFP in einem Faktencheck dar.
Trotz mehrfacher Nachfrage erhielt AFP bis zum Tag der Veröffentlichung keine Rückmeldung von den Account-Betreibern.
Faktenchecks zu kursierenden KI-generierten Bildern und Videos finden Sie auf der Website von AFP.
Fazit: Online kursierte eine Straßenumfrage, die den Anschein erweckt, als wäre sie in den 1990ern gefilmt worden. Allerdings wurde das etwa einminütige Video mithilfe von Künstlicher Intelligenz generiert, wie mehrere Analysen und Hinweise auf den Plattformen zeigen.
