Bewertung
Das ist falsch. Es gibt zwar eine ähnliche Zahl von arbeitslos gemeldeten deutschen Staatsangehörigen mit Migrationserfahrung. Diese wurden aber nicht alle 2025 eingebürgert.
Fakten
Einen Anspruch auf Einbürgerung in Deutschland hat nur, wer den eigenen Lebensunterhalt sowie den von unterhaltsberechtigten Angehörigen sicherstellen kann, wie etwa beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) nachzulesen ist.
Das spricht grundsätzlich gegen die Einbürgerung von Personen, die als arbeitslos gemeldet sind. Das ZDF vermutet, dass sich Alice Weidel mit ihrer Behauptung auf eine Zahl bezieht, die am 15. Juli auf der Webseite nius.de veröffentlicht wurde.
Dort heißt es in der Überschrift zu einem Text: «Exklusive Daten der Agentur für Arbeit: 307.000 Arbeitslose wurden eingebürgert». Als Quelle wird «eine Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit im Auftrag des AfD-Abgeordneten René Springer auf Basis der Daten von Dezember 2025» genannt.
2025 keine 300.000 Arbeitslosen eingebürgert
Dem Nius-Text zufolge waren insgesamt 307.601 Menschen als arbeitslos gemeldet, die – irgendwann zuvor einmal – nach Deutschland gekommen und später eingebürgert worden seien. Dies entspräche nicht der von Weidel behaupteten Zahl der Arbeitslosen, die im vergangenen Jahr eingebürgert wurden.
Die als Quelle genannte Auswertung liegt der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vor. Eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit ordnet zudem schriftlich auf Anfrage ein, dass es sich nicht um eine Sonderauswertung handele, da keine neuen Daten erzeugt wurden.
Die von Nius verbreitete Zahl wird in der Auswertung für im Dezember 2025 als arbeitslos gemeldete deutsche Staatsangehörige mit eigener Migrationserfahrung angegeben. Die Zahlen beziehen sich ausschließlich auf eine Bestandsaufnahme zu diesem Stichtag.
Zahl beinhaltet nicht nur Einbürgerungen
Das Dokument enthält eine Methodenerklärung der Arbeitsagentur zur rechtlichen Definition zum «Migrationshintergrund» (§ 6 MighEV). Demnach zählen zu den 307.601 Personen solche, die im Ausland geboren sind und zum Stichtag die deutsche Staatsbürgerschaft haben. Das umfasst auch Menschen, die mit deutscher Staatsangehörigkeit zugewandert sind, etwa Aussiedler oder im Ausland geborene Kinder deutscher Eltern.
Die Sprecherin der Arbeitsagentur ordnet hierzu weiter ein, dass die Auswertung keine Informationen darüber gibt, «wann diese Personen eingebürgert wurden, aus welchem Zuwanderungskontext sie stammen oder wie sich ihre Erwerbsbiografie entwickelt hat. (…) Darüber hinaus lassen sich auch keine Aussagen über die Wirkungen von Einbürgerungen daraus ableiten.»
Die Angaben werden mit einer freiwilligen Befragung ermittelt, die nicht direkt von der Arbeitsagentur durchgeführt wird. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr laut Statistischem Bundesamt 332.500 Menschen eingebürgert. Ob darunter als arbeitslos gemeldete Menschen sind, geben die Angaben nicht her.
(Stand: 26.08.2026)
