Bewertung
Falsch. Weder Experten noch zuständigen Kontrollstellen sind solche Fälle bekannt. Ein Tankstellenverband bezeichnet solche Behauptungen als «unbegründet und irreführend».
Fakten
Der ADAC teilt auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am 8. April 2026 mit: «Wir haben keine Fälle vorliegen, bei denen es den Verdacht gibt, dass Kraftstoff gestreckt wurde.»
Auch dem Bundesverband Freier Tankstellen und Unabhängiger Deutscher Mineralölhändler (bft), dem eigenen Angaben zufolge mehr als 2.800 Tankstellen in Deutschland angehören, «liegen aktuell keinerlei Erkenntnisse über gestreckte Kraftstoffe an deutschen Tankstellen vor», wie Hauptgeschäftsführer Daniel Kaddik der dpa mitteilt. «Ebenso gibt es keine Hinweise auf eine Häufung von Fahrzeugschäden, die auf minderwertige Kraftstoffe zurückzuführen wären.»
Der bft bewertet anderslautende Behauptungen in sozialen Netzwerken als «unbegründet und irreführend». Sie entbehrten «jeder belastbaren Grundlage» und «tragen zur Verunsicherung von Verbraucherinnen und Verbrauchern bei, ohne auf überprüfbaren Fakten zu basieren».
Kaddik weist darauf hin, dass Kraftstoffe wie Diesel, E5 und E10 in Deutschland strengen gesetzlichen Normen unterliegen. Entlang der gesamten Lieferkette von der Raffinerie über die Tanklager bis zur Tankstelle werden sie ihm zufolge umfassend kontrolliert. «Verbraucher können sich darauf verlassen, dass die Qualität unabhängig vom Anbieter einheitlich ist.»
Kraftstoffe werden regelmäßig kontrolliert
In Deutschland ist die Qualitätskontrolle der Kraftstoffe Ländersache. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen etwa liegt die fachliche Aufsicht beim dortigen Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr. Dort hat das dpa-Faktencheck-Team nachgefragt.
Im gesamten Bundesland werden zur Kontrolle jedes Jahr rund 200 Kraftstoffproben an öffentlich zugänglichen Tankstellen genommen, wie das Umweltministerium am 10. April 2026 mitteilt. «Bei den bisher ausgewerteten Proben in diesem Jahr liegen uns keine Hinweise auf Manipulationen vor», so ein Ministeriumssprecher.
Das Prozedere: Die Proben werden zuständigkeitshalber von der unteren Immissionsschutzbehörden der Kreise und kreisfreien Städte entnommen. Analysiert werden diese dann zentral in einem spezialisierten Labor im Auftrag des Landesamts für Natur, Umwelt und Klima NRW. Untersucht werden nach Angaben des NRW-Umweltministeriums beim Ottokraftstoff 29 verschiedene Parameter, beim Dieselkraftstoff 19.
Der bft stellt zudem klar: In der Praxis sei es aufgrund geschlossener Logistiksysteme, regelmäßiger Kontrollen sowie erheblicher wirtschaftlicher und strafrechtlicher Risiken weitgehend ausgeschlossen, dass den Kraftstoffen andere Flüssigkeiten beigemischt würden.
(Stand: 10.4.2026)
