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Falsche Umfragewerte kursierten vor Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Am 6. September 2026 wählte Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag und die AfD lag in den Umfragen vorn. Doch eine angebliche Umfrage des Forschungsinstituts Insa, wonach die AfD auf 46 Prozent der Stimmen käme, wurde mithilfe von KI gefälscht. Insa bestätigte gegenüber AFP, dass die Umfrage nicht vom Institut stamme. Weitere visuelle Unstimmigkeiten und methodische Ungereimtheiten belegen die Fälschung.

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt fand am 6. September 2026 statt. Expertinnen und Experten warnten vor  Falschinformationen in sozialen Medien, während die Chancen hoch stehen, dass die AfD zum ersten Mal einen Ministerpräsidenten stellen könnte.

„Der Wählerwille ist klar“, heißt es in einem  Facebook-Beitrag zu einer angeblich echten Umfrage am 1. September 2026. Ein dazu geteiltes Bild zeigt ein Säulendiagramm, auf dem zur Wahl antretende Parteien abgebildet sind. Demnach liege die AfD mit 46 Prozent vorne, danach würde die CDU mit 20 Prozent folgen. Die Linke wäre drittplatziert und käme auf zehn Prozent der Stimmen im Vorfeld des Wahlsonntags. In der Fußnote ist zu lesen, dass die Umfrage am 29. August 2026 von  Insa für die  „Mitteldeutsche Zeitung“ erstellt worden sein soll. Insa ist ein Meinungsforschungsinstitut, das politische Umfragen durchführt.

In einem anderen Facebook-Beitrag stand: „Wahlergebnis VOR dem Wahl.betrug“. Auch andere Nutzerinnen und Nutzer stellten in den Kommentarspalten einen angeblichen Wahlbetrug in den Raum: „Der Merz hat ja die Wahl Manipulation schon offiziell angekündigt“, hieß es etwa. Gefragt nach der Echtheit der Umfrage, antwortete ein Nutzer: „INSA… voll seriös!“

Ähnlich kursierte die Umfrage auch auf  X und auf Telegram. Auch auf Bulgarisch erzielt sie hohe Reichweiten.

Facebook-Screenshot der Behauptung, Ai-Kennzeichnung und rotes Kreuz von AFP hinzugefügt: 4. September 2026

Rund 1,7 Millionen Menschen sind am 6. September 2026 in Sachsen-Anhalt wahlberechtigt. Die AfD, die vom Landesamt für Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistische Partei eingestuft wird, strebt nach der Wahl eine Alleinregierung an und will erstmals eine Ministerpräsidentin oder einen Ministerpräsidenten in einem Bundesland stellen. AfD -Spitzenkandidat Ulrich Siegmund kündigte an, dass er nur mit absoluter Mehrheit regieren wolle. Ob dies gelingt, hängt auch davon ab, wie viele Parteien insgesamt in den Landtag einziehen. Bis die nächste Regierung steht,regiert in Sachsen-Anhalt eine Koalition aus CDU, SPD und FDP.

Doch die kursierende Umfrage wurde künstlich erstellt und stammt nicht vom genannten Forschungsinstitut. Darüber hinaus werden Umfrageergebnisse der jeweiligen Parteien verzerrt dargestellt.

Die U mfrage wurde mit KI gefälscht

AFP überprüfte das Bild in den geteilten Beiträgen mit dem KI-Erkennungstool von OpenAI, das unsichtbare Wasserzeichen in Bildern erkennt, die mit der Software von OpenAI erstellt wurden. Die Analyse ergab, dass das Bild mit KI-Werkzeugen von OpenAI erstellt worden ist.

Screenshots der KI-Analysen mit dem SynthID-Erkennungstool von OpenAI, Ai-Kennzeichnungen von AFP hinzugefügt: 4. September 2026

Eine Insa-Sprecherin teilte AFP am 4. September 2026 schriftlich mit: „Diese Umfrage stammt nicht von Insa. Wir haben weder für die Mitteldeutsche Zeitung noch für einen anderen Kunden Ergebnisse mit solchen Werten gemessen.“

Die „Mitteldeutsche Zeitung“ gab am 1. September 2026 ebenfalls bekannt, dass es sich bei der Umfrage um eine „Fälschung“ handle. Sowohl die Zeitung, als auch das Umfrageinstitut prüfen demnach rechtliche Schritte.

Eine authentische Insa-Umfrage vom 29. August 2026 sah die AfD mit 29 Prozent an der Spitze. Doch die SPD erreichte vielmehr 12 Prozent und die Grünen wurden in der echten Umfrage mit 13 Prozent statt 4,5 Prozent ausgewiesen. Bei der CDU bleibt der Wert gleich.

In einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF vom 3. September 2026 ist die Unterstützung für die AfD um einige Prozentpunkte geringer als online behauptet, doch die Partei liegt mit 41 Prozent immer noch deutlich vor der regierenden CDU von Ministerpräsident Sven Schulze. Die Unterstützung für die meisten anderen Parteien ist zudem höher als in dem online geteilten Beitrag mit der gefälschten Umfrage.

Wie Nutzerinnen und Nutzer gefälschte Umfragen erkennen können

Die ausgewiesenen Parteiergebnisse in der gefälschten Umfrage summieren sich auf 96 Prozent. Aus der Grafik geht nicht hervor, wie die fehlenden vier Prozent verteilt werden. Zudem wirkt das  Landeswappen von Sachsen-Anhalt unscharf, da einige Details wie die Musterung auf dem schrägrechten grünen Rautenkranz fehlen.

Vertrauenswürdige Umfragen sind unter anderem daran zu erkennen, dass wesentliche Informationen zu ihrer Durchführung angegeben sind. Neben dem Auftraggeber und dem durchführenden Institut gehöre n etwa d azu: Anzahl der Befragten, Schwankungsbreite, Untersuchungszeitraum und Befragungsmethode. Die Insa-Sprecherin sagte zudem, dass sich „ein Blick auf die methodischen Angaben“ lohne, um die Seriosität einer Umfrage zu prüfen. „Wir nennen immer die Fallzahl, die Erhebungsmethode und den Befragungszeitraum.“ Die Sprecherin rät auch dazu, Vergleichsportale zu nutzen, die Ergebnisse unterschiedlicher Institute aufführen und Ungereimtheiten überprüfen würden.

AFP überprüfte andere Falschbehauptungen, die im Vorfeld der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kursierten.

Fazit: Eine angebliche Umfrage des Forschungsinstituts Insa mit 46 Prozent für die AfD vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist gefälscht. Das bestätigte das Institut gegenüber AFP. Zudem weist die Umfrage methodische und visuelle Ungereimtheiten auf und wurde künstlich erstellt.

Bulgarische Beiträge im 4. Absatz ergänzt

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Wahlen, Politik

Autor(en): Elena CRISAN / AFP Österreich

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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