Bewertung
Das vermeintliche gemeinsame Foto ist eine KI-generierte Fälschung. Grundlage ist ein echtes Foto aus einem antifaschistischen Heft aus dem Jahr 1995, das den Mann von Sziborra-Seidlitz zeigen soll.
Fakten
Das Bild ist nicht echt, sondern wurde mit KI-Tools erstellt. Einen Hinweis darauf liefert das Unternehmen OpenAI: Lädt man das Bild in dessen Schnittstelle zur Erkennung von KI-generierten Bildern hoch, wird darin ein unsichtbares Wasserzeichen erkannt. Open AI markiert damit Inhalte, die von KI-Anwendungen des Unternehmens stammen.
Aber auch unabhängig von dieser Markierung fallen einige Unstimmigkeiten an dem Bild auf:
- Das Logo der Biermarke Jever im Hintergrund hat eine andere Verzierung. Das Original zeigt und zeigte über dem Schriftzug das Schloss Jever. Auf dem KI-Bild ist dieses Gebäude unkenntlich und sieht auf den zwei Schildern sogar unterschiedlich aus.
- Zu einer vermeintlichen Gaststätte mit dem Namen «Rommels Eck», mutmaßlich eine Anspielung auf den Wehrmachtsgeneral Erwin Rommel, finden sich keine Spuren im Netz.
- Susan Sziborra-Seidlitz ist 1977 geboren. Mitte der 1990er Jahre wurde sie also volljährig. Das passt kaum zu dem Alter der auf dem Bild dargestellten Frau. Und auch sonst passen die Gesichtszüge nicht zu Sziborra-Seidlitz – wie auch ein Vergleich mit älteren Fotos zeigt.
Es gibt jedoch ein echtes Foto, das mutmaßlich als Grundlage für die KI-Fälschung diente. Es zeigt denselben oberkörperfreien jungen Mann. Veröffentlicht wurde es im Jahr 1995 im «Antifaschistischen INFO-Blatt». Ein Artikel beschäftigte sich mit der Neonazi-Szene im Ostharz. Ein Foto zeigt laut Bildunterschrift unter anderen den heutigen Ehemann von Sziborra-Seidlitz.
Neonazi-Vergangenheit schon 2022 Thema im Landtag
Die Grünen-Politikerin hat bestätigt, dass ihr Mann in den 1990er Jahren Neonazi gewesen sei: «Ich will das nicht kleinreden, er war Teil der rechtsextremen Szene in Quedlinburg. Aber das ist 30 Jahre her.» Heute sei er Demokrat und Antifaschist. Menschen könnten sich verändern, sagte Sziborra-Seidlitz bei einer Wahlkampfveranstaltung in Wernigerode. Ihr Ehemann wollte sich auf Anfrage nicht äußern.
Seine Vergangenheit war im laufenden Landtagswahlkampf unter anderem vom selbst rechtsextremen «Compact»-Magazin zum Thema gemacht worden. Allerdings ist die Information nicht neu: Sie spielte bereits im Mai 2022 in einer Debatte im Landtag von Sachsen-Anhalt eine Rolle.
Im aktuellen Wahlkampf hatte es zuletzt Vorwürfe gegen den AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund gegeben, weil mehrere Vertraute des Politikers Recherchen zufolge zur sogenannten Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) gehörten. Die rechtsextreme Organisation wurde 2009 wegen ihrer «Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus, insbesondere mit der früheren Hitlerjugend» verboten.
(Stand: 31.8.2026)
