Bewertung
Irreführende örtliche Zuordnung. Der Fall ist echt. Doch anders als es die Fotos von deutschen Polizisten in dem Video nahelegen, ereignete er sich in Australien, nicht in Deutschland.
Fakten
Sucht man nach dem beschriebenen Fall, stößt man rasch auf Berichte von Anfang Juli, etwa in der «Bild»-Zeitung oder auf der Webseite von «t-online», die zu der Tat passen. Demnach wird tatsächlich eine 32-Jährige in Wyong, nördlich der australischen Metropole Sydney, verdächtigt, ihren vierjährigen Sohn getötet und teilweise gegessen zu haben. Teils finden sich in dem Video sogar wortgleiche Formulierungen wie in dem «Bild»-Artikel.
Der Fall aus Australien wird ebenso in australischen Medien behandelt, etwa beim «Sydney Morning Herald», auf der Webseite «News» oder auf der Webseite des Senders ABC News.
Im Sprechertext des gesamten Tiktok-Videos wird diese Verortung in Australien nicht erwähnt. Es wird auch kein anderer Ort erwähnt. Wo der Fall spielt, bleibt offen.
Einzig die gezeigten Videos und Bilder zu der Erzählung erzeugen eine vermeintliche Verbindung zu Deutschland, etwa weil sie zu Kriminalfällen in Deutschland gehören oder deutsche Polizisten zeigen. Doch die meisten der identifizierbaren gezeigten Bilder und Videos haben mit dem Fall in Australien zu tun – ihre Einblendung ist irreführend.
Das erste Video mit Personen in weißen Schutzanzügen vor einem rot verklinkerten Haus zeigt Ermittlungen in Stade nach den tödlichen Schüssen in einer Einrichtung der Jugendhilfe. Zwei darauffolgende kurze Videos von Personen mit weißen Schutzanzügen in der Dunkelheit ließen sich nicht genau zuordnen. Im ersten scheint jedoch auch ein deutsches Polizeiauto zu sehen.
Auch das nächste Video zeigt deutsche Polizeiautos mit Blaulicht nachts am Straßenrand vor einem Haus mit weißer Fassade. Im Verlauf des Clips ist zudem ein deutscher Rettungswagen, ein weiteres deutsches Polizeiauto mit dem Logo einer Kampagne gegen Einbrecher in Nordrhein-Westfalen, ein Fahrzeug des Polizeipräsidiums Hagen(NRW) sowie weitere Bilder und Videos, die deutsche Polizeibeamte und -fahrzeuge zeigen. All diese Szenen aus Deutschland haben nichts mit dem Fall in Australien zu tun.
(Stand: 15.7.2026)
