Die AfD gewann die Landtagswahl am 20. September 2026 in Mecklenburg-Vorpommern mit wenigen Prozentpunkten Vorsprung vor der SPD. Trotz des Wahlsiegs kursierten Videos von Briefwahlzetteln mehrerer Wahlkreise in sozialen Medien, auf denen die AfD nicht aufgelistet zu sein scheint. Davon wird behauptet, es würde sich um echte Unterlagen handeln. Die Stimmzettel im Video unterscheiden sich jedoch von den offiziellen Mustern für die jeweiligen Wahlkreise. Die Tonspuren der Videos wurden laut Analysetools außerdem mit Künstlicher Intelligenz erstellt.
„Mecklenburg-Vorpommern, mitten in der Landtagswahl: Die AfD fehlt auf den Briefwahlzetteln“, heißt es in einem Facebook-Beitrag vom 20. September 2026 über ein Video von einem Stimmzettel für die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, die am selben Tag stattfand. Auf dem gezeigten Briefwahlzettel für den Wahlkreis elf im Landkreis Rostock ist die Spalte für die AfD sowohl bei der Erst- als auch bei der Zweitstimme leer. Ein Mann scheint währenddessen zu erklären, er und seine Frau wären Rentner und kämen aus Rostock. Sie würden in diesem Jahr per Brief wählen und hätten „jetzt so merkwürdige Stimmzettel bekommen, auf denen die AfD komplett fehlt“. Das Video wurde über 500 Mal geteilt.
Das Video wurde auch auf X verbreitet. In englischsprachigen Beiträgen kursierte eine ähnliche Behauptung über Stimmzettel für den Wahlkreis neun. Beide Videos sind außerdem auf Englisch untertitelt.

Die Videos zeigen jedoch keine echten Stimmzettel.
AfD steht auf offiziellen Wahlzetteln
AFP verglich die Briefwahlzettel in den Videos mit den offiziellen Musterstimmzetteln für die Wahlkreise neun und elf, die auf der Website der Landeswahlleitung einsehbar sind. Auf beiden Stimmzetteln ist jeweils an zweiter Stelle sowohl für die Erst- als auch für die Zweitstimme die AfD aufgelistet. Die übrigen Parteien sowie Kandidatinnen und Kandidaten im Video stimmen mit jenen auf den offiziellen Mustern überein.
Die Landeswahlleitung antwortete bis zur Veröffentlichung dieses Artikels nicht auf eine Anfrage von AFP. Vor der Wahl erklärte Landeswahlleiter Christian Boden im Norddeutschen Rundfunk, dass die Briefwahl sicher sei. Gegenüber der Nachrichtenagentur dpabestätigte Boden am 20. September 2026, dass es sich bei den Stimmzetteln in den Videos um Fälschungen handelte.
Analysen mit den Erkennungstools Hiya und Deepfake Total, die Tonspuren auf ihre Erstellung mit Künstlicher Intelligenz (KI) untersuchen, ergaben außerdem mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent, dass die Tonspur des Videos mit dem Stimmzettel für Wahlkreis elf mit KI generiert wurde.

Für das Video mit dem Stimmzettel für Wahlkreis neun lag die Wahrscheinlichkeit bei 97 Prozent. Hiya gehört zu dem Analysetool InVID WeVerify, an dessen Entwicklung AFP beteiligt ist.
Pablo Maristany de las Casas, Analyst beim Institute for Strategic Dialogue, ordnete den Beitrag der russischen Desinformationskampagne Storm-1516 zu. Ein X-Account, der die Falschbehauptung teilte, habe „in der Vergangenheit weitere Storm-1516-Narrative gepostet, etwa die jüngsten Behauptungen über zerstörte Stimmzettel in Berlin“, sagte er. Außerdem würde der Account Inhalte des Onlinemediums VT Foreign Policy verbreiten, das dafür bekannt sei, Inhalte von Storm-1516 zu publizieren und Verbindungen zum kremlnahen, von der EU sanktionierten Medium Strategic Culture Foundation zu haben.
AfD gewann Wahl in Mecklenburg-Vorpommern, Die Linke in Berlin
Die bundesweit in Teilen rechtsextremistische A fD gewann die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern mit 38,2 Prozent der Stimmen laut vorläufigem Ergebnis. Die SPD kam mit der amtierenden Ministerpräsidentin Manuela Schwesig als Spitzenkandidatin auf 35,5 Prozent. Die Linke erreichte 6,5 Prozent, Bündnis 90/Die Grünen 5,7 Prozent. Die CDU scheiterte zum ersten Mal in einem Bundesland mit 4,9 Prozent knapp an der Fünf-Prozent-Hürde und wird laut vorläufigem Ergebnis nicht in den Landtag einziehen. Auch das BSW und die FDP verpassten mit 4,8 Prozent und 1,0 Prozent der Stimmen den Einzug in das Landesparlame nt.
Nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern will Schwesig mit Grünen und Linken Gespräche über eine mögliche Koalition führen. Mit der erstplatzierten AfD will keine andere Partei koalieren, weshalb Schwesig voraussichtlich erneut eine Regierung bilden kann. Auch AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm rechnet mit einer SPD-geführten Regierung.
In Berlin fand am selben Tag die Abgeordnetenhauswahl statt. Dort belegte dem vorläufigen Ergebnis zufolge Die Linke mit 25,7 Prozent Platz eins, gefolgt von der CDU mit 18,8 Prozent und der AfD mit 16,3 Prozent. Die Grünen kamen auf 14,3 Prozent, die SPD auf 12,1 Prozent. Das BSW und die FDP ziehen mit 4,7 und 2,5 Prozent nicht ins Abgeordnetenhaus ein.
Die Falschbehauptung, die AfD würde auf Stimmzetteln fehlen, ist nicht neu. Vor der Bundestagswahl im Februar 2025 kursierte sie mit Bezug auf einen Wahlkreis in Leipzig. Auch die angebliche Vernichtung von Stimmen für die AfD ist immer wieder Gegenstand von Falschinformationen. Schon vor der Bundestagswahl 2025 warnten deutsche Sicherheitsbehörden vor solchen Falschbehauptungen, die sie russischen Desinformationskampagnen zuschrieben. Die AfD befeuert immer wieder die Sorge vor einer Manipulation der Briefwahl.
Bereits zur Landtagswahl Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 kursierten verschiedene Falschbehauptungen, die AFP richtigstellte.
Fazit: Videos von Briefwahlzetteln aus zwei Wahlkreisen in Mecklenburg-Vorpommern, auf denen für die Landtagswahl im September 2026 die AfD fehlt, sind gefälscht. Die Stimmzettel unterscheiden sich von den offiziellen Mustern, auf denen die AfD aufgelistet ist. Außerdem wurden die Tonspuren mit KI generiert.
