Sharepic nennt zehn Jahre alte Zahlen zu angeblicher Entwicklungshilfe an China - Featured image

Sharepic nennt zehn Jahre alte Zahlen zu angeblicher Entwicklungshilfe an China

China ist Deutschlands wichtigster Handelspartner. Aus keinem Land importiert Deutschland mehr. China gehört auch zur Spitzengruppe der Länder, die Deutschland am meisten Exporte abkaufen. Doch in sozialen Medien wird die Beziehung zwischen Deutschland und China aus einem anderen Blick betrachtet: «Deutschland zahlt jährlich 630 Millionen Entwicklungshilfe an China», heißt es in den Online-Beiträgen. Gleichzeitig baue China 368 Kohlekraftwerke und plane weitere 803 – während in Deutschland für den Klimaschutz CO2-Steuern anfielen. Stimmen diese Angaben zur Entwicklungshilfe und zur Kohlekraft?

Bewertung

Veraltete Zahlen und teils falsch. Deutschland zahlt China keine Entwicklungshilfe mehr. Die genannte Zahl stammt aus 2017. Die Zahlen zu den Kohlekraftwerken kursieren ebenfalls schon seit 2015 und sind somit veraltet – aktuelle Zahlen zeigen aber einen ähnlichen Trend beim Ausbau der Kohlekraft.

Fakten

Die falsche Behauptung über angebliche Summen von Entwicklungsgeldern für China stützt sich auf veraltete Zahlen. Die erwähnten 630 Millionen Euro Entwicklungshilfe werden unter anderem in einem «Welt»-Artikel von 2019 genannt.

Als Quelle zitiert dieser Artikel den von der Welthungerhilfe und Terre des Hommes herausgegebenen «Kompass 2019» zur Entwicklungspolitik. Es geht darin um Zahlen für das Jahr 2017 – sie sind also fast zehn Jahre alt.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bezeichnete die Angaben am 5. April 2019 als irreführend: «Das BMZ hat die klassische bilaterale Entwicklungszusammenarbeit seit Jahren beendet.»

Förderung von Einzelprojekten betrifft deutlich kleinere Summen

Es handele sich bei dem Geld «um rückzuzahlende Kredite verschiedener Ressorts, die unter anderem über die KfW vermittelt werden.» Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) vergibt Förderkredite zu vorteilhaften Bedingungen. Ab 2026 soll es keine solchen Kredite mehr an China geben. China erhält also aktuell keine «630 Millionen Euro Entwicklungshilfe».

Einzelne Projekte zur Förderung von Umweltschutz und zur Unterstützung bestimmter gesellschaftlicher Gruppen in China finanziert das BMZ allerdings nach wie vor, gibt das Ministerium an. Die zugesagte Summe für diese Projekte beträgt aktuell rund 19 Millionen Euro, wovon rund 10 Millionen bereits geleistet wurden. Das Geld finanziert der Datenbank zufolge Projekte in China von Nichtregierungsorganisationen, von der Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und der KfW – es wird also nicht direkt dem chinesischen Staat gezahlt.

Kraftwerkszahlen kursieren seit zehn Jahren

Auch die Zahlenangaben zu Kohlekraftwerken stützen sich auf Angaben, die mehr als zehn Jahre alt sind. Die Zahlen vom Bau an 368 Kohlekraftraftwerken in China und der Planung von 803 weiteren, findet sich in einem Artikel der britischen «Sunday Times» von Dezember 2015, wie schon die Faktencheck-Organisation «Correctiv» aufzeigte.

Der Artikel der «Sunday Times» nennt einen Bericht der Klima-Organisation «Climate Action Tracker» als Quelle, in dem die Auswirkungen von Energieprojekten einiger Länder auf den Klimaschutz analysiert werden. In diesem Bericht werden die Zahlen zu Bau und Planung der Kohlekraftwerke nicht genannt. Dort heißt es nur, dass in den Jahren nach 2014 insgesamt 1.171 weitere Kraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 712 Gigawatt in China geplant seien.

Ein Blick auf aktuelle, belegbare Zahlen zeigt aber einen ähnlichen Trend: Der Ausbau von Kohlekraftwerken nimmt in China weiter zu.

Wie das Zentrum für Forschung zu Energie und sauberer Luft (Crea) und der Global Energy Monitor in einem Bericht schreiben, begann China 2024 mit dem Bau von Kohle-Projekten mit einer Gesamtleistung von etwa 94,5 Gigawatt. Laut den Fachleuten ein Höchstwert seit 2015.

China setzt auf Kohle und Solar

Laut einem globalen Verzeichnis von Kohlekraftwerken der Organisation Global Energy Monitor sind in China aktuell 340 Kohlekraftwerke im Bau sowie 129 in der Genehmigungsphase. Weitere 359 Kraftwerken seien in der Vorgenehmigungsphase oder angekündigt worden.

Gleichzeitig baut China erneuerbare Energien, vor allem Solaranlagen, aus. Wie die Energiebehörde Chinas Anfang September 2026 mitteilte, waren Photovoltaikanlagen Stand Ende Juli mit 1.286 Gigawatt installierter Leistung die größte Stromerzeugungsart. Die installierte Leistung von Kohlekraftwerken lag demnach bei 1.285 Gigawatt.

Gemessen an der installierten Leistung überholte Photovoltaik damit Kohle zwar knapp. Allerdings setzt China für die Stromgewinnung weiter stark auf Kohle: Nach Angaben der Energiebehörde produzierte das Land in den ersten 6 Monaten dieses Jahres mit 49,7 Prozent knapp die Hälfte seines Stroms aus Kohle. Erneuerbare Energien erreichten einen Anteil von 41,2 Prozent, wobei Wind- und Solarenergie den offiziellen Angaben zufolge auf 24,6 Prozent kamen, also knapp ein Viertel.

(Stand: 24.9.2026)

Fact Checker Logo

Klimawandel, Politik

Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

Nach oben scrollen