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Video aus Casablanca zeigt Fußballfans während der WM

Im Zusammenhang mit dem Grenzübertritt von Zehntausenden Migranten aus Marokko in der spanischen Exklave Ceuta verbreiten deutschsprachige Nutzer einen Zusammenschnitt von zwei Videos in den sozialen Netzwerken. Im ersten Clip ist ein Junge zu sehen, der euphorisch in zwei Reportermikrofone spricht. Laut den deutschen Untertiteln ruft er: «Allah hat uns hierher gebracht, nach Europa. Die nächsten Tage werden wir nach Deutschland weiter reisen.» Im Beitragstext steht in kürzerer Form das angebliche Zitat «Allah hat uns hierher geführt und unser Ziel ist Germoney». Aber sagt er das wirklich?

Bewertung

Die Untertitel sind gefälscht. Tatsächlich geht es um Fußball: Der Junge sprach Anfang Juli über das anstehende WM-Spiel zwischen Marokko und Frankreich. Aufgenommen wurde das Video auch nicht in Ceuta, sondern in der marokkanischen Stadt Casablanca.

Fakten

Bei dem Video handelt es sich um eine gezielte Manipulation, denn die deutschen Untertitel entsprechen nicht dem, was im Video tatsächlich in einem arabischen Dialekt gesagt wird. Europa und Deutschland erwähnt der Junge nicht, dafür aber Frankreich.

Das Video hat nichts mit den Themen Migration und dem Andrang von Migranten aus Marokko in der spanischen Stadt Ceuta zu tun. Das vollständige, längere Interview mit dem Jungen wurde bereits am Abend des 4. Juli von einem marokkanischen Medium auf Facebook veröffentlicht, wie eine Bilderrückwärtssuche mit einem Screenshot ergibt.

Kurz zuvor war bei der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA das Spiel von Marokko gegen Kanada zu Ende gegangen. Marokko gewann mit 3:0 und zog ins Viertelfinale ein, in dem eine Begegnung mit Frankreich zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich war. Frankreich spielte zum Zeitpunkt des Video-Uploads allerdings gerade noch im Achtelfinale gegen Paraguay und setzte sich wenig später mit 1:0 durch. Der Junge spricht über die mögliche Viertelfinal-Begegnung und die Chancen Marokkos.

Video stammt aus Casablanca, nicht aus Ceuta

Zu Beginn des Videos erwähnt der Junge den Ort, an dem sich die jubelnde Gruppe befindet: Sidi Bernoussi, ein Stadtteil von Casablanca. Anhand der Gebäude im Hintergrund des längeren Videos lässt sich herausfinden, wo genau das Interview geführt wurde. Die Zahnarztpraxis und die Bäckerei befinden sich in einer größeren Straße in diesem Stadtteil.

Sowohl der Aufnahmeort als auch der -zeitpunkt machen deutlich, dass das Video keinen Bezug zu den Geschehnissen in Ceuta Ende Juli hat. Auch inhaltlich geht es weder um die spanische Stadt noch um das Thema Migration. Lediglich der zweite Clip stammt von der Grenze und zeigt Menschen auf der marokkanischen Seite des Zauns.

Wer das Video manipuliert und die falschen deutschen Untertitel eingefügt hat, ist nicht bekannt. Es findet sich in vielen deutschsprachigen Social-Media-Beiträgen. Ein AfD-Kreisverband teilte das Video auf TikTok. Außerdem findet es sich auf einer Website, die in hoher Frequenz russische Desinformation veröffentlicht.

Großteil der Ankömmlinge zurück in Marokko

Die in den falschen Untertiteln behauptete Weiterreise von Ceuta nach Deutschland wäre kaum möglich. Ceuta liegt zwar auf dem afrikanischen Kontinent, gehört aber zu Spanien. Eine Weiterreise auf das spanische Festland und in andere Schengen-Länder ist nach der Ankunft dort aber nicht ohne Weiteres möglich, weil Ceuta nicht zum Schengen-Raum gehört.

Der weitaus größte Teil der zuletzt dort angekommenen bis zu 60.000 Migranten ist nach Angaben der spanischen Regierung inzwischen nach Marokko zurückgekehrt. Wie viele der Ankömmlinge sich noch in Ceuta aufhalten, ist unklar. Laut den Behörden starben mindestens 72 Menschen beim Versuch, Ceuta zu erreichen. Die meisten von ihnen seien ertrunken.

(Stand: 4.8.2026)

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Migration, Politik, Sport

Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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