Nun kursiert ein Video, in dem anscheinend Wahlunterlagen aus Berlin zerschnitten werden. Doch auch hier sind keine echten Stimmzettel zu sehen.
Bewertung
Mehrere Details zeigen, dass es sich um gefälschte Briefwahlunterlagen und ein inszeniertes Video handelt.
Fakten
Stephan Bröchler, Landeswahlleiter für Berlin, teilte der Deutschen Presse-Agentur (dpa) auf Anfrage mit: «Es kann ausgeschlossen werden, dass tatsächlich echte Berliner Wahlunterlagen betroffen sind. Das Video dient eindeutig der Delegitimation der Briefwahl.»
Im Video öffnet eine Person, die nicht erkennbar ist, vermeintlich drei Briefwahlumschläge und entnimmt die darin enthaltenen Stimmzettelumschläge. Diese werden ebenfalls geöffnet und ihnen wird jeweils ein Stimmzettel entnommen.
Anschließend zerschneidet die Person zwei der drei Zettel, auf denen Kreuze bei der AfD zu sehen sind. Es scheint sich um Stimmzettel aus dem Wahlkreis 2 in Berlin-Spandau zu handeln, wie man am oberen Rand und anhand der Direktkandidaten erkennt (Muster zum Download hier).
Mehrere Details zeigen, dass es sich um keine echten Briefwahlunterlagen handelt: In den präsentierten Umschlägen scheinen die Wahlscheine zu fehlen, ohne die die Briefwahlunterlagen ungültig sind, wie aus dem Merkblatt zur Briefwahl hervorgeht (Download). Außerdem steckt in keinem der Stimmzettelumschläge der Stimmzettel zur Bezirksverordnetenversammlung, die ebenfalls am 20. September gewählt wird.
Verdächtige Umschläge
Landeswahlleiter Bröchler schrieb der dpa: «Die in Berlin verwendeten amtlichen roten Briefwahlumschläge und die weißen Stimmzettelumschläge sehen anders aus als in dem Video dargestellt.»
Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg hat die vollständigen amtlichen Unterlagen in einem Video vorgestellt. Darin sieht man, dass bei beiden Umschlagstypen die Klappen gebogen sind – im Video sind sie hingegen gerade. Auch ließen sich, so Bröchler, verklebte Stimmzettelumschläge nicht zerstörungsfrei öffnen, wie es im Video zu sehen ist.
Landeswahlleiter: Wappen unüblich
Landeswahlleiter Bröchler hält auch ein Detail im Hintergrundbild des Videos für unauthentisch: «Die Kennzeichnung der Urnen mit einem Berliner Bären ist hier nicht bekannt und unüblich.» Würden Urnen mit einem Bild gekennzeichnet, würde das offizielle Hoheitszeichen des Landes oder das Bezirkswappen verwendet werden.
Das Video verbreitete sich am Freitag zuerst auf englischsprachigen Accounts auf der Plattform X, die ansonsten keinen erkennbaren Bezug zu Berlin haben. Das Rechercheprojekt Gnida, das russische Desinformationskampagnen im Netz beobachtet, ordnet es der Gruppe Storm-1516 zu.
(Stand: 18.9.2026)
