Bewertung
Nein. Die zentrale Zahl von 25 Prozent beschreibt einen zeitweiligen Rückgang der weltweit verbrannten Gesamtfläche. Sie bezieht sich weder speziell auf Wälder noch auf die Zahl der Brände. Der Rückgang entstand vor allem in Savannen und Graslandschaften infolge veränderter Landnutzung. Für Deutschland und ganz Europa belegen die angeführten Quellen keinen vergleichbaren einheitlichen Rückgang. Zudem verwechselt der Post die globale Baumbedeckung mit der Waldfläche.
Fakten
Die Zahl von 25 Prozent stammt aus einem Beitrag des Nasa-Erdbeobachtungsprogramms vom August 2019. Darin wird beschrieben, dass die Zahl der weltweit jährlich verbrannten Quadratkilometer zwischen 2003 und 2019 ungefähr um ein Viertel zurückging. Gemeint ist also die verbrannte Fläche.
Der im englischen Text verwendete Begriff «number» bezieht sich auf die zuvor genannten Quadratkilometer – nicht auf die Anzahl einzelner Feuer. Einen Rückgang der Zahl der Brände um 25 Prozent stellte die Nasa nicht fest.
Die Satellitendaten erfassen zudem nicht nur Wälder, sondern auch Savannen, Grasland und landwirtschaftliche Flächen. Der globale Rückgang entstand vor allem durch weniger Feuer in afrikanischen Savannen und Graslandschaften. Als wesentliche Ursache gelten Veränderungen der Landnutzung: Felder, Straßen und Siedlungen zerschneiden die Landschaft, zudem wird Feuer seltener zur Bewirtschaftung eingesetzt.
Rückgang widerlegt Klimawandel nicht
Weniger verbrannte Fläche weltweit bedeutet nicht, dass klimatische Veränderungen Feuer grundsätzlich unwahrscheinlicher machen. Der globale Nettowert verdeckt gegenläufige regionale Entwicklungen. Während die Brandfläche in Savannen zurückging, nahmen große und besonders intensive Feuer in mehreren Waldregionen zu.
Studien kommen außerdem zu dem Ergebnis, dass der Klimawandel die Brandfläche für sich genommen vergrößert hat. Veränderungen der Landnutzung wirkten global jedoch stärker in die entgegengesetzte Richtung. Sinkende Gesamtfläche und wachsendes klimabedingtes Waldbrandrisiko schließen sich daher nicht aus.
Deutschland zeigt keinen gleichen Trend
Für Deutschland verweist der Post auf eine Statistik zur Zahl der Waldbrände. Daraus lässt sich weder die Entwicklung der verbrannten Fläche noch ein Rückgang um 25 Prozent ableiten. Die amtlichen Daten zeigen vor allem starke Schwankungen zwischen trockenen und feuchten Jahren.
So wurden 2024 vergleichsweise wenige Brände und eine geringe Brandfläche registriert. Bereits 2025 lag die verbrannte Waldfläche deutlich über dem langjährigen Mittel. Einzelne Jahre belegen keinen langfristigen Trend.
Das Umweltbundesamt geht davon aus, dass höhere Temperaturen und trockenere Vegetationsperioden das Waldbrandrisiko erhöhen. Mit verbesserter Überwachung und Brandbekämpfung könnten die daraus resultierenden Schäden jedoch begrenzt werden.
Keine Entwarnung für Europa
In Frankreich, Griechenland, Italien und Spanien ist die jährlich verbrannte Fläche von 1980 bis 2016 langfristig leicht gesunken – bei großen Schwankungen. Wie bereits in einem früheren dpa-Faktencheck erläutert, wird dies wesentlich mit besserer Prävention und Brandbekämpfung erklärt. Daraus folgt keine Entwarnung für ganz Europa. Die Europäische Umweltagentur stellt fest, dass das wetterbedingte Feuerrisiko zunimmt und größere Brände inzwischen auch häufiger außerhalb des Mittelmeerraums auftreten.
2025 verzeichnete das EU-Waldbrandinformationssystem EFFIS zudem die größte Brandfläche seit Beginn seiner EU-weiten Datenreihe im Jahr 2006. Die als Quelle genannte GWIS-Seite zeigt den Verlauf der Brandfläche und der Brandzahl innerhalb eines ausgewählten Jahres. Die Werte lassen sich mit früheren Jahren oder einem Mehrjahresmittel vergleichen. Aus einer unterdurchschnittlichen Feuersaison wie 2024 folgt jedoch noch kein langfristiger Abwärtstrend.
Hinzu kommt: Die GWIS-Daten betreffen verbrannte Flächen verschiedener Landbedeckungsarten, nicht nur Wälder. Erfasst sein können auch gezielt gelegte Feuer zur Vegetationsbewirtschaftung. Die Auswertung belegt daher nicht, dass Ausmaß oder Zahl der Waldbrände in Europa dauerhaft zurückgehen.
Baumbedeckung ist nicht Waldfläche
Auch die Angabe, die weltweite Waldfläche sei seit 1982 um 7,1 Prozent gewachsen, gibt die zitierte Nature-Studie ungenau wieder. Untersucht wurde die Baumbedeckung. Dazu können auch Plantagen, landwirtschaftliche Kulturen und Bäume in Siedlungen gehören. Gleichzeitig stellte die Studie erhebliche Verluste in tropischen Regionen fest.
Nach der Walddefinition der Welternährungsorganisation FAO verliert die Erde weiterhin netto Waldfläche. Die Zunahme der satellitengestützten Baumbedeckung belegt daher keinen entsprechenden Zuwachs natürlicher Wälder.
Deutsche Waldfläche langfristig gewachsen
Richtig ist, dass die Waldfläche in Deutschland langfristig zugenommen hat. Historische Statistiken weisen für Bundesrepublik und DDR zusammen um 1970 rund 10,1 Millionen Hektar Wald aus. Die Bundeswaldinventur ermittelte 2022 etwa 11,5 Millionen Hektar. Das entspricht rechnerisch einem Zuwachs von knapp 14 Prozent.
Die Entwicklung der Waldfläche sagt jedoch nichts darüber aus, wie gesund die Wälder sind oder wie sich die klimatischen Bedingungen für Waldbrände verändert haben.
(Stand: 21.7.2026)
