«Der Grieche, der den Zugbegleiter erschlagen hat, heißt Mustafa Aslan und ist ein syrischer Migrant, mit griechischem Pass», heißt es in einem Posting. «Er soll illegal nach Griechenland eingereist sein und später die griechische Staatsbürgerschaft erhalten haben», wird in einem weiteren Beitrag behauptet. Andere Nutzer setzen das Wort «Grieche» in Anführungszeichen und schreiben, dass der Mann eigentlich Syrer sei. Offenkundig soll eine rassistisch konnotierte Unterscheidung vorgenommen werden in «echte» Griechen und solche, die lediglich einen Pass des Landes haben – ähnlich wie in rechtsextremen Diskussionen um die deutsche Staatsbürgerschaft. Doch was ist überhaupt dran an den Gerüchten?
Die Staatsanwaltschaft dementiert auf dpa-Anfrage den behaupteten Namen und auch das Gerücht, dass der Mann aus Syrien stamme und nach Griechenland eingewandert sei.
«Bei dem Beschuldigten handelt es sich nach allen bisher vorliegenden Erkenntnissen – einschließlich ID- und Passdokumenten – um einen in Griechenland geborenen griechischen Staatsbürger», schreibt die Staatsanwaltschaft Zweibrücken auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Das Gerücht, «bei dem Beschuldigten handele es sich um einen gebürtigen Syrer, der erst nachträglich die griechische Staatsbürgerschaft erworben habe», dementiert die Behörde. Auch der im Netz kursierende Name ist laut ihren Angaben falsch.
Am 2. Februar war ein 36 Jahre alter Zugbegleiter nach einer Fahrkartenkontrolle in einem Zug von Landstuhl nach Homburg laut den Ermittlern mit Faustschlägen angegriffen worden. Er erlitt eine Hirnblutung und starb am 4. Februar. Der Tatverdächtige, der keine Fahrkarte hatte, soll dem Mann mehrfach heftig mit der Faust gegen den Kopf geschlagen haben.
Am 4. Februar nannte die Staatsanwaltschaft in Zweibrücken Details zu dem Verdächtigen: Demnach sei er 26 Jahre alt, griechischer Staatsbürger und in Luxemburg wohnhaft.
Griechische Website nennt keine Quellen
Doch noch am selben Tag verbreiteten sich weitere Behauptungen über den 26-Jährigen. So spekulierte eine Influencerin aus dem rechten Spektrum: «Es kann übrigens sehr gut sein, dass der „Grieche“ … gar kein Grieche ist. Wie es scheint, stattet man in Griechenland vor allem staatenlose Palästinenser mit blauen Pässen aus.» Belege dafür nannte sie nicht. In den folgenden Tagen tauchte in Beiträgen auf der Plattform X auch die Behauptung über einen vermeintlichen syrischen Migrationshintergrund des Mannes auf.
Am 6. Februar erhielten diese Spekulationen neue Nahrung, als auf einer griechischsprachigen Website ein Artikel erschien. Demnach war der Tatverdächtige «ein syrischer Islamist, der illegal nach Griechenland einreiste und einen griechischen Pass erhielt». Auch der vermeintliche Name «Mustafa Aslan» wird in dem Artikel genannt. Doch nirgends in dem Text finden sich Quellen für diese Angaben. Sie sind gänzlich unbelegt und offenbar frei erfunden.
Die Themen Migration und Kriminalität werden in der politischen Diskussion oft vermengt – gerade nach aufsehenerregenden Gewalttaten. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen aber, dass Migration nicht pauschal zu mehr Kriminalität führt. Eine angebliche ethnische oder kulturelle Prägung wird in der Kriminologie nicht als wesentlicher Faktor für eine stärkere Kriminalitätsneigung gesehen. Eine größere Rolle spielt die Lebenssituation von Menschen, etwa Wohnort und Alter.
(Stand: 9.2.2026)
