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Satz zu angeblich syrischem Tatverdächtigen stammt aus Leserkommentar

Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter kursiert in den sozialen Netzwerken die Falschbehauptung, wonach der Tatverdächtige aus Syrien stamme. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor mitgeteilt, dass ein 26 Jahre alter Mann aus Griechenland beschuldigt werde, den Zugbegleiter mit Faustschlägen tödlich verletzt zu haben.

Doch die offizielle Darstellung wird von vielen Nutzerinnen und Nutzern in Frage gestellt und der Zweifel mit einem angeblichen Medienbericht begründet. Ein Screenshot soll zeigen, dass die «Abendzeitung» aus München über die tatsächliche Nationalität des Mannes berichtet habe: «Der „mutmaßliche“ Täter war kein Grieche sondern ein Syrer der in GR einen griechischen Vorläufigen EU…» – so heißt es in einem Textausschnitt, der wie eine Artikelvorschau der Suchmaschine Google aussieht (Rechtschreibung wie im Original). Was hat es mit dieser Quelle auf sich?

Bewertung

Der Satz stammt nicht von der «Abendzeitung». Verfasst wurde er von einem Nutzer einer Kommentarspalte der Zeitung und ist inhaltlich falsch. Vermutlich durch eine fehlerhafte Darstellung in den Google-Suchergebnissen wirkt es so, als hätte die Zeitung selbst diese Behauptung aufgestellt.

Fakten

Die «Abendzeitung» aus München hat am 4. Februar wie viele andere Medien über die tödliche Attacke auf einen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz berichtet. Der Artikel findet sich weiterhin auf der Website der Zeitung. Doch der Satz über den angeblich syrischen Hintergrund des Tatverdächtigen steht nicht im Text.

Auch in einer frühen Kopie des Artikels in der sogenannten Wayback Machine des Internet Archive findet sich davon keine Spur. Stattdessen hat die Abendzeitung das wiedergegeben, was die Behörden an diesem Tag mitgeteilt hatten: Verdächtigt werde ein 26 Jahre alter Grieche ohne Wohnsitz in Deutschland.

Woher stammt dann aber der Satz über den angeblichen syrischen Hintergrund des Mannes? Auch hier hilft ein Blick ins Internet-Archiv: In einer Speicherung des «Abendzeitung»-Artikels vom 5. Februar findet sich unter dem Text ein Leserkommentar, der vollständig so lautet wie im Screenshot (Rechtschreibung wie im Original): «Der „mutmaßliche“ Täter war kein Grieche sondern ein Syrer der in GR einen griechischen Vorläufigen EU – Pass erhielt. Leute, ihr habt doch Internet, vergesst die ÖRR Sender, die belügen euch wie die CDU/CSU Politiker.»

Screenshot täuscht über Urheber des Satzes

Aber die Falschinformation ist in diesem Fall der Kommentar selbst. Die Staatsanwaltschaft Zweibrücken stellte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur klar, dass es sich beim Verdächtigen «nach allen bisher vorliegenden Erkenntnissen – einschließlich ID- und Passdokumenten – um einen in Griechenland geborenen griechischen Staatsbürger» handele.

Die Abendzeitung hat den Kommentarbereich unter dem Artikel mittlerweile geschlossen. In den sozialen Netzwerken kursiert aber weiterhin der Screenshot, der den Leserkommentar so neben die Überschrift des Artikels stellt, als handele es sich um eine Vorschau auf dessen Text. In einer Klarstellung spricht die «Abendzeitung» von einer Fälschung: «Diese Mutmaßung stammt aus einem Leserkommentar und wurde offenbar bewusst als vermeintlicher Teaser der AZ manipuliert und weiterverbreitet.»

Denkbar ist aber auch, dass die automatische Vorschau der Suchmaschine Google die irreführende Darstellung ausgelöst hat. Unter den Überschriften von Suchergebnissen wird nicht zwangsläufig der Teaser eines Artikels angezeigt. Dort kann auch Text hervorgehoben werden, der besonders gut zur Suchanfrage passt. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn jemand in Kombination mit dem Begriff «Syrer» nach Informationen zu dem Angriff im Regionalzug gesucht hätte. Rekonstruieren lässt sich der Fehler auf Google aber nicht mehr – auch weil der Leserkommentar auf der Website nicht mehr aufrufbar ist.

(Stand: 9.2.2026)

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Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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