Bewertung
Es handelt sich um eine Falschmeldung. Der geschilderte Vorfall ist der Polizei nicht bekannt. Die im Video verwendeten Bilder und die Stimme sind KI-generiert.
Fakten
«Asylbewerber sticht Fahrkarten-Kontrolleure nieder und Passanten» und «20.10.2025» – so ist das Video überschrieben, das zuerst auf Tiktok und später auf X und Instagram verbreitet wurde. Angeblich soll ein 28 Jahre alter syrischer Asylbewerber mehrere Menschen im U-Bahnhof Hermannplatz in Berlin mit einem Messer verletzt haben.
Doch sowohl eine Online-Suche nach entsprechenden Medienberichten als auch eine Anfrage bei der Berliner Polizei zeigen: Der Vorfall in dem Video ist frei erfunden. «Nach derzeitigen Erkenntnissen gab es keinen Einsatz der Polizei Berlin, der zu den von Ihnen übermittelten Daten passt», teilt ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur mit.
Bilder zeigen typische KI-Fehler
Insgesamt zeigt das Video drei Standbilder. Doch sie haben weder etwas mit dem Ort, dem Berliner Hermannplatz und dem dortigen U-Bahnhof zu tun, noch sind sie überhaupt echt. Schon auf den ersten Blick wird klar, dass keine Berliner U-Bahn zu sehen ist: Es fehlt die typische gelbe Farbe der Waggons. Unleserliche Schriftzüge auf den Einsatzfahrzeugen und Uniformen und weitere Details – etwa ein Mitte Oktober angeblich bereits kahler Laubbaum – zeigen, dass die Bilder mit Künstlicher Intelligenz erstellt wurden.
Einige Betonungsfehler und unvollständige Formulierungen legen nahe, dass auch die Stimme und der Text des Videos mit KI erstellt wurden.
Motiv der Video-Ersteller ist unklar
Wozu aber diese komplett erfundene Nachricht? Insbesondere auf Tiktok finden sich immer wieder Videos sowie ganze Accounts, in denen solche Falschmeldungen in die Welt gesetzt werden. Gegenüber dem «Faktenfuchs» des Bayerischen Rundfunks sprechen Experten zum einen davon, dass mit solchen Accounts möglicherweise gezielt Desinformation verbreitet werden soll – zum Beispiel mit der Absicht, die Bevölkerung zu verunsichern.
Eine andere Erklärung sieht ein kommerzielles Interesse hinter den Videos. Auf vielen Social-Media-Plattformen können Accounts über Belohnungsprogramme Geld erhalten, sobald sie bestimmte Zuschauer- und Abonnentenzahlen erreicht haben. Auf dem Tiktok-Account, der das Video mit der Falschmeldung über die Berliner U-Bahn mutmaßlich zuerst verbreitet hat, finden sich viele weitere irreführende und reißerische Videos.
(Stand: 24.10.2025)
