Doch in sozialen Medien kursiert eine andere Version des Zitats. Demnach soll Siegmund gesagt haben: «Ob der Holocaust das schlimmste Menschheitsverbrechen war, das mag ich mir nicht anmaßen zu bewerten. Es gab so viele grauenhafte Verbrechen in der Geschichte – denken Sie an den Stalinismus, den Maoismus oder den Völkermord an den Armeniern. Ich verurteile den Holocaust uneingeschränkt, aber eine Rangliste unter Gräueln zu erstellen, steht mir nicht zu.»
Ist das tatsächlich die echte Version?
Bewertung
Die längere Version mit der Erwähnung von Stalinismus und Maoismus ist ein Falschzitat. Der AfD-Politiker Ulrich Siegmund hat sich im «Politico»-Podcast anders geäußert.
Fakten
Am Freitag, 21. November, veröffentlichte das Medienportal «Politico» einen Podcast mit einem Interview mit Ulrich Siegmund, Fraktionschef der AfD in Sachsen-Anhalt und bei der kommenden Landtagswahl 2026 ihr Spitzenkandidat.
Darin ging es auch um den Umgang Siegmunds mit der deutschen Geschichte und Erinnerungskultur. Nachzuhören ist der Podcast auf verschiedenen Podcast-Plattformen wie Spotify oder Apple Podcast sowie auf Youtube.
Auf Youtube ist die komplette Passage ab Minute 28:42 zu hören; einen Ausschnitt veröffentlichte der «Politico»-Journalist Gordon Repinski auf X. Das Transkript:
«Politico»: Können Sie mir mal eine Einordnung geben dessen, wenn Sie zurückblicken auf die Jahre 33 bis 45, was das für Sie bedeutet, wenn Sie das zusammenfassen wollen? Können Sie das mal für mich machen?
Ulrich Siegmund: Das ist – denke ich mal – bekannt, dass das über die ganze AfD hinweg gleichsam als Tiefpunkt unserer Geschichte natürlich betrachtet werden muss, der auch in dem historischen Kontext so gelehrt werden muss.
«Politico»: Würden Sie auch sagen, das ist das schlimmste Menschheitsverbrechen?
Siegmund: Das maße ich mir nicht an, zu bewerten, weil ich die gesamte Menschheit nicht aufarbeiten kann und aus allen Verbrechen dieser Menschheit natürlich lernen muss.
«Politico» sowie AfD verweisen auf gesprochenes Wort im Podcast
Die Frage «Würden Sie auch sagen, das ist das schlimmste Menschheitsverbrechen?» ist teils schlecht zu verstehen durch das Zwiegespräch. In einem an Medien versendeten Transkript ist die Frage etwas anders gefasst, dort ist von «das Schlimmste der Menschheit» die Rede.
Was aber klar zu hören ist: Weder an dieser, noch an einer anderen Stelle im Podcast fallen die Worte Stalinismus oder Maoismus, so wie es in dem Falschzitat Verbreitung findet.
Gordon Repinski, Chef von «Politico» in Deutschland und der interviewende Journalist im Podcast mit Siegmund, sowie die «Politio»-Journalistin Pauline von Pezold bezeichneten diese Version auf der Plattform X als falsch.
Könnte die Aussage nachträglich entfernt worden sein? Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) schrieb Repinski «redaktionell nichts gekürzt» zu haben. Zu hören sei, was auch gesagt wurde. Ähnlich äußerte sich auf dpa-Anfrage ein Sprecher des AfD-Landesverbands Sachsen-Anhalt: «Was Herr Siegmund in Gänze gesagt hat, können Sie auf den Seiten von politico.eu nachhören.»
Einen Beleg für eine andere Version des Zitats gibt es somit nicht.
(Stand: 26.11.2025)
