Bewertung
Dieses Gerücht stimmt nicht. Elliot Page spielt nicht den Helden Achilles, sondern den griechischen Soldaten Sinon – eine Nebenfigur im «Odyssee»-Kosmos.
Fakten
Seit die ersten spärlichen Informationen über Nolans Epos-Verfilmung das Licht der Welt erblickten, entspinnen sich Gerüchte und Zwist über die Deutungshoheit der homerischen Vorlage – und das bereits lange, bevor die «Odyssee» überhaupt ab 16. Juli 2026 in die deutschsprachigen Kinos kommt. Besonders heftig gestritten wird darüber, mit wem bestimmte Figuren des antiken Epos besetzt werden sollten – oder besonders: mit wem nicht.
Im Fokus steht bereits seit Wochen unter anderem Elliot Page. Der kanadische Schauspieler gab im Dezember 2020 sein Coming-out als Transgender bekannt.
Nolan hat Rolle des Achilles überhaupt nicht vergeben
Der Vorwurf an Regisseur Christopher Nolan («Oppenheimer»): Der Oscar-Preisträger gebe in seiner «Odyssee»-Verfilmung die Rolle des griechischen Helden Achilles an Page, während derselbe Charakter in Wolfgang Petersens «Troja»-Film von 2004 noch von Hollywood-Beau Brad Pitt verkörpert worden sei. Begleitet wird solche Kritik häufig mit dem Vorwurf einer «Wokeness», die Nolan mit dem Transgender-Schauspieler vermeintlich bedienen wolle. Die Besetzung wird in sozialen Medien teilweise zum Kulturkampf stilisiert.
Doch die Wahrheit ist: Page spielt gar nicht Achilles. Die Figur kommt im Nolan-Film nicht einmal vor. Page verkörpert stattdessen den jungen griechischen Soldaten Sinon, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) nach Sichtung des Films bestätigen kann.
Sinon hat einen entscheidenden Anteil an der List mit dem Trojanischen Pferd. Er ist es, der die Trojaner davon überzeugt, das hölzerne Pferd sei ein Geschenk der Griechen und ein Opfer an die Göttin Athene. Der Rest der Sage ist weithin bekannt.
Kritische Homer-Auseinandersetzung seit Jahrhunderten
Kritik an Homer-Adaptionen ist nicht neu, seit der Antike gibt es sie. Doch besonders herablassend wird in jüngerer Zeit kommentiert, wenn Figuren von Menschen dargestellt werden, deren Hautfarbe oder Geschlechtsidentität nicht der vermeintlichen Tradition der jeweiligen Charaktere entsprechen. Neben Page geschah das unter anderem auch im Zusammenhang mit Nolans Besetzung der Rolle der schönen Helena mit der schwarzen Oscar-Preisträgerin Lupita Nyong’o.
Die «Odyssee»-Übersetzerin Emily Wilson, Professorin für Klassische Philologie an der Universität von Pennsylvania, ordnet das in einem «New York Times»-Podcast vom 12. Juli 2026 ein: Bei den lautesten Kritiken handle es sich meist nur um eine Online-Performance, «bei der es um moderne Vorstellungen von Männlichkeit und Größe geht – und eigentlich auch um Weißsein und den westlichen Lebensstil.» Mit der «Odyssee» habe das nichts zu tun.
(Stand: 16.7.2026)
