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Biopsien sind sicher und Zucker kein Krebsbeschleuniger

Krebserkrankungen sind für viele Menschen mit Angst und Unsicherheiten verbunden. In sozialen Netzwerken kursieren in diesem Zusammenhang immer wieder Behauptungen zu möglichen Ursachen und Therapiemethoden. Aktuell heißt es in einem Video etwa, Biopsien würden angeblich Krebszellen im Körper verteilen, Zucker würde den Krebs «füttern» und Krebs sei zudem eigentlich eine Pilzinfektion («Candida»). Menschen sollten deswegen zweimal im Jahr eine Parasitenkur machen. Außerdem wird die Chemotherapie mit Giftgas in Verbindung gebracht. Stimmen diese Aussagen?

Bewertung

Nein, die Behauptungen sind durchweg falsch oder irreführend. Medizinische Forschung und wissenschaftliche Daten zeigen: Biopsien sind sicher und notwendig, Zucker verursacht kein Tumorwachstum, Krebs ist keine Pilzinfektion oder Folge von Parasiten, und die Chemotherapie ist als Krebstherapie anerkannt.

Fakten

Bei einer Biopsie entnehmen Ärztinnen und Ärzte Gewebeproben, um eine genaue Diagnose stellen zu können. Die Sorge, dass Biopsien Krebszellen im Körper verteilen, ist weitgehend unbegründet. Das sogenannte Tumorseeding, also die Verbreitung von Krebszellen durch die Biopsie-Nadel, kommt extrem selten vor.

Eine Studie beziffert die Häufigkeit auf unter 1 Prozent. Andere Studien bestätigen diese Daten (hier und hier) und betonen den Nutzen der Biopsie, da sie die Krebsdiagnose präzisiert und dadurch auch wirksamere Therapien ermöglicht.

Der Nutzen einer genauen Diagnose und individuell abgestimmten Behandlung überwiegt das minimale Risiko deutlich. Bildgebende Verfahren wie MRT oder Ultraschall können eine Biopsie nicht ersetzen, da nur die Gewebeuntersuchung Sicherheit bringt. Die Behauptung, eine Biopsie würde Krebszellen im Körper verteilen, existiert schon seit Jahren und wurde mehrfach von Forschungseinrichtungen und Expertinnen und Experten widerlegt.

Alle Zellen brauchen Zucker als Energiequelle

Im Video wird behauptet, durch Zucker würden Krebszellen «gefüttert». Zwar benötigen sie wie alle Körperzellen Glukose als Energiequelle, doch ein vollständiger Zuckerverzicht ist weder möglich noch sinnvoll. Der Körper stellt Glukose auch aus anderen Nahrungsbestandteilen her. Es gibt keine Hinweise darauf, dass Zucker Krebs verursacht oder das Wachstum von Tumoren beschleunigt.

Krebsdiäten, die auf Zuckerentzug setzen, sind nicht wirksam gegen die Erkrankung. Eine ausgewogene Ernährung ist für Krebspatientinnen und -patienten ratsam, aber es gibt keine Hinweise, dass ein kompletter Zuckerverzicht einen Vorteil für die Krebsbehandlung darstellt.

Pilzinfektionen betreffen vor allem Schleimhäute

Der Mythos, dass Krebs eine Pilzerkrankung ist, geht unter anderem auf den italienischen Arzt Tullio Simoncini zurück. Simoncini wird auch in dem verbreiteten Video erwähnt und ist für mehrere unbewiesene Theorien zum Thema Krebs verantwortlich. Im Jahr 2018 wurde er zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, weil er einen Krebspatienten mit Backpulver behandelte, der daraufhin starb.

Krebs entsteht durch genetische Veränderungen, die zu unkontrolliertem Zellwachstum führen. Pilzinfektionen wie Candida albicans betreffen Schleimhäute oder Haut, verursachen aber keine Tumore. Krebs kann durch verschiedene potenzielle Faktoren verursacht werden: Umwelteinflüsse, Exposition gegenüber Karzinogenen, wie etwa Chemikalien, Genetik, Lebensgewohnheiten oder übermäßige Sonneneinstrahlung. Manchmal lässt sich aber nicht feststellen, warum Krebszellen spontan wachsen.

Parasitenkuren sind nur bei Befall nötig

Parasiteninfektionen sind in Deutschland selten, eine generelle Entwurmung ohne eindeutigen Nachweis eines Befalls ist nicht sinnvoll. Medizinische Leitlinien empfehlen Parasitenbehandlungen nur im konkreten Fall eines diagnostizierten Befalls.

Die Chemotherapie wurde zwar durch Erkenntnisse aus der Erforschung von Zellgiften mitentwickelt, ist heute aber eine gezielte und geprüfte Therapieform. Sie wirkt, indem sie das Wachstum von Krebszellen hemmt. Nebenwirkungen entstehen, weil auch gesunde, sich schnell teilende Zellen betroffen sein können, doch Ärztinnen und Ärzte passen die Behandlung individuell an, um Risiken zu minimieren.

(Stand: 23.1.2026)

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Gesundheit

Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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