Der ehemalige kanadische Premierminister Justin Trudeau trat beim Gipfel des Weltwirtschaftsforums 2026 in Davos auf die Bühne. Ein Bild, das sich online verbreitet und ihn vor einem fast leeren Konferenzraum zeigt, ist jedoch gefälscht. Mehrere Elemente deuten darauf hin, dass das Bild KI-generiert ist. Zudem stimmt es nicht mit authentischen Aufnahmen von Trudeaus Rede überein.
„DAVOS: Sage und schreibe zehn Leute, die nichts Besseres zu tun hatten, kamen, um Justin Trudeau sprechen zu hören…“, schrieb ein User am 21. Januar 2026 auf X und teilte ein Bild, das den ehemaligen kanadischen Premierminister Justin Trudeau von hinten zeigen soll. Auf dem Bild steht ein Mann im Anzug mit dem Rücken zur Kamera und blickt in einen großen, aber nur spärlich besetzten Saal. Es sind Schilder zu sehen, die darauf hindeuten, dass die Veranstaltung Teil des Jahrestreffens des Weltwirtschaftsforums (WEF) sein soll.
Die Behauptung kursiert auch auf Facebook sowie in anderen Sprachen wie Spanisch und Englisch. „Ich glaube, nicht einmal Katy Perry ist aufgetaucht“, heißt es etwa in einem englischsprachigen X-Post vom 20. Januar 2026, in dem das Bild geteilt und auf Trudeaus Beziehung mit dem US-amerikanischen Popstar angespielt wird.

Trudeau war fast ein Jahrzehnt lang kanadischer Premierminister, bevor er im Januar 2025 angesichts massiv sinkender Umfragewerte zurücktrat. Trotz seines Rückzugs aus der Politik wurde er für eine Rede über „Soft Power“ beim WEF-Gipfel in Davos eingeladen.
Als international bedeutender Treffpunkt von Führungskräften aus Politik und Wirtschaft dient das WEF in der Schweiz immer wieder als Nährboden für Verschwörungserzählungen. Im Jahr 2026 fand das Event vom 19. bis zum 23. Januar statt. Auch Trudeau war bereits während seiner Amtszeit häufig Gegenstand von Desinformation, die AFP widerlegte.
Die kursierende Aufnahme, die Trudeau vor nur einer Handvoll Zuhörerinnen und Zuhörer zeigt, ist ebenfalls gefälscht. Eine visuelle Analyse offenbart Fehler, die typisch für eine Erstellung mittels Künstlicher Intelligenz (KI) sind: Die wenigen Personen im Publikum haben verschwommene, nicht erkennbare Gesichter. Der angebliche Schriftzug „World Economic Forum“ auf dem Banner im Hintergrund ist unleserlich verzerrt. Zudem scheinen die Flaggen mitten in den Sitzreihen platziert zu sein und wirken ebenfalls fehlerhaft dargestellt.

AFP überprüfte das Bild zudem mit KI-Erkennungstools. Bei der Analyse der gefälschten Aufnahme lieferten die genutzten Werkzeuge meist deutliche, jedoch unterschiedliche Ergebnisse: Während ein Tool den Wert auf 69 Prozent bezifferte, stuften weitere Werkzeuge dasselbe Bild mit Werten von 94 und 99 Prozent als höchstwahrscheinlich KI-generiert ein.
Solche Abweichungen entstehen oft, weil herkömmliche Detektoren lediglich rein mathematische Pixelmuster analysieren, anstatt wie Menschen auf visuelle Logikfehler zu achten – wie etwa deformierte Gesichter oder unpassende Hintergründe. Das kann zu unzuverlässigen Ergebnissen führen.
Darüber hinaus stimmt die gefälschte Darstellung nicht mit den tatsächlichen Szenen von Trudeaus Aufenthalt in Davos überein. Videoaufnahmen der Nachrichtenagentur Canadian Press belegen, dass seine Rede über „Soft Power“ am 20. Januar 2026 in einem mit natürlichem Licht durchfluteten Raum mit großen Fenstern stattfand. Der Saal war voll besetzt, unter den Anwesenden befand sich auch Katy Perry (hier archiviert).
Trudeau sprach in Davos zudem bei einer Veranstaltung von The Female Quotient, wie auf Accounts der Organisation in sozialen Medien zu sehen ist. Bei diesem Vortrag – der ebenfalls von Perry und vielen weiteren Gästen besucht war – trug er ein Hemd mit Kragen, jedoch kein Sakko, wie es bei der Figur auf dem KI-generierten Bild zu sehen ist.
Weitere Faktenchecks zu KI-generierten Inhalten sammelt AFP auf der Website.
Fazit: Online kursiert ein Bild, das Justin Trudeau vor einem leeren Sitzungssaal beim Gipfel des Weltwirtschaftsforum in Davos zeigen soll. Doch diese Darstellung ist KI-generiert, wie diverse Elemente in der Aufnahme zeigen. Ein Abgleich mit tatsächlichem Bildmaterial vom Auftritt des ehemaligen kanadischen Premierministers bestätigte ebenfalls, dass es sich um eine Fälschung handelt.
