Bewertung
Die Thermografie ist keine zuverlässige Methode zur Brustkrebsfrüherkennung. Und die Strahlung beim Mammografie-Screening ist so gering, dass der Nutzen die Risiken klar überwiegt.
Fakten
In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 70.000 Frauen und 700 Männer an Brustkrebs. Damit ist Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Etwa 13 von 100 Frauen bekommen im Laufe ihres Lebens die Diagnose. Um die Krankheit frühzeitig zu erkennen, können Frauen zwischen 50 und 75 Jahren alle zwei Jahre am Mammografie–Screening teilnehmen. Dabei werden Röntgenaufnahmen der Brust angefertigt und von Radiologinnen und Radiologen ausgewertet. Die Brust wird dafür kurzzeitig zwischen zwei Platten zusammengedrückt.
Viele Frauen empfinden diese Untersuchung als unangenehm oder schmerzhaft. Daher suchen einige nach einer schmerzfreien Alternative – und stoßen dabei mitunter auf die Thermografie. Diese macht mithilfe von Infrarotbildern Temperaturunterschiede der Haut sichtbar.
Thermografie nicht geeignet
Die Thermografie gilt als «nicht zuverlässig» und den etablierten diagnostischen Verfahren «deutlich unterlegen», wie das Onko-Portal der Deutschen Krebsgesellschaft schreibt.
Auch die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA weist darauf hin, dass es keine wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit der Thermografie in der Brustkrebsfrüherkennung gibt. Bislang hat die Forschung keine wirksamere Methode zur Früherkennung von Brustkrebs gefunden als die Mammografie.
Sicherheit der Mammografie
Eine Mammografie kann Tumore erkennen, bevor sie tastbar sind. Laut Deutscher Krebshilfe kann das Screening die Brustkrebssterblichkeit senken: Von 1.000 Frauen zwischen 50 und 69 Jahren, die 20 Jahre lang am Mammographie-Screening teilnehmen, werden demnach etwa 2 bis 6 Frauen vor dem Tod durch Brustkrebs bewahrt.
Der Beitrag in den sozialen Medien listet zahlreiche vermeintliche Risiken der Mammografie auf. Viele dieser Einwände halten einer Überprüfung jedoch nicht stand. Wäre der dabei angewendete äußerliche Druck auf die Brust gefährlich, wäre das Screening nicht weltweit als Früherkennungsuntersuchung zugelassen.
Auch die Behauptung, Mammografien könnten Krebs auslösen, ist unbegründet. Zwar entsteht bei der Untersuchung eine geringe Strahlenbelastung – doch diese ist unbedenklich und vergleichbar mit der Strahlung, der Menschen im Alltag ohnehin ausgesetzt sind. Laut Bundesamt für Strahlenschutz erhöht regelmäßige Teilnahme am Screening das Brustkrebsrisiko nur um etwa 0,03 Prozent.
Norwegische Studie belegt keinen kausalen Zusammenhang
Die im Beitrag erwähnte norwegische Studie von 2011 behauptet, Mammografie-Untersuchungen führten zu einem deutlichen Anstieg der Mastektomien, also der Brustamputationen. Diese Schlussfolgerung ist jedoch falsch.
Zwar zeigen die Daten einen statistischen Zusammenhang zwischen der Zahl der Mammographien und der Zahl der Brustoperationen bei Frauen zwischen 50 und 69 Jahren – dies bedeutet jedoch keinen ursächlichen Zusammenhang. Eine Schweizer Studie aus dem Jahr 2021 widerspricht dieser Interpretation ebenfalls.
Das Gesundheitsportal «Zentrum der Gesundheit», welches dieselben Behauptungen geteilt hat, ist bereits in der Vergangenheit durch die Verbreitung von unbelegten Behauptungen aufgefallen.
(Stand: 28.11.2025)
