Frei erfundene Geschichte über Organspende-Skandal - Featured image

Frei erfundene Geschichte über Organspende-Skandal

Die Story klingt wie aus einem Horrorfilm: Ein Mann kommt wegen einer Prellung in ein deutsches Krankenhaus. Dort wollen ihm Ärzte gegen seinen Willen Organe entnehmen – und er flieht. Das Video wird in sozialen Medien in Verbindung mit einem Nachrichtenlink als Skandal präsentiert. Nur hat ihn angeblich niemand mitbekommen. Kann das sein?

Bewertung

Das Video ist ein Zusammenschnitt von Sequenzen, die nichts mit dem geschilderten Fall zu tun haben. Es gibt keine Hinweise, dass sich diese Geschichte ereignet hat. Auch der Verweis auf Vorkommnisse in Deutschland aus dem Jahr 2012 ist irreführend.

Fakten

Das eingebettete Tiktok-Video ist leicht als Fake zu entlarven. In den Filmsequenzen sind mehrere verschiedene Männer zu sehen. Auch die gezeigten Patientenkittel wechseln bei jedem Schnitt Farbe und Form. Und der angebliche Name des Opfers taucht in Suchmaschinenergebnissen nicht im Zusammenhang mit einem Organspende-Skandal auf.

Die Schlussfolgerung im Post, es handele sich um einen «Skandal, den keiner mitbekam» ist falsch. Der Beleg für diese These verlinkt auf einen Text der Deutschen Presse-Agentur aus dem Jahr 2013, der unter anderem auf der Seite «krankenkasse.de» erschien.

Bei diesem wirklichen Skandal ging es aber um etwas ganz anderes. Recherchen der «Süddeutschen Zeitung» brachten 2012 ans Licht, dass Ärzte in Göttingen, Regensburg und München mutmaßlich Krankenakten manipuliert hatten. Es ging ihnen laut der späteren Anklage darum, bestimmte Patienten bevorzugt mit Spenderorganen zu versorgen. Indem ihre Ärzte sie in den Akten kränker darstellten, als sie waren, rückten die Patienten in der Liste der Wartenden für ein Spenderorgan weiter nach oben.

Bei diesem Skandal spendeten also keine Menschen gegen ihren Willen Organe. Sie dürfen in Deutschland ohnehin nur entnommen werden, wenn eine verstorbene Person zu Lebzeiten einer Organspende zugestimmt hat. Möglich ist das nur bei einem unumkehrbaren Hirntod im Krankenhaus. Ist der Wille des Patienten nicht bekannt, entscheiden die Angehörigen.

(Stand: 19.1.2026)

Fact Checker Logo

Gesundheit

Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

Nach oben scrollen