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Der angebliche Schaden beziehungsweise die Delle am Kotflügel sind keine. Auf dem höher aufgelösten Originalfoto ist zu sehen, dass es sich nur um eine Spiegelung im Lack handelt. Tatsächlich wurde das Auto beschädigt – allerdings an anderen Stellen und aufgrund des Aufpralls auf andere Fahrzeuge, nicht durch eine mögliche Berührung mit dem Beamten.
Fakten
Das in den sozialen Netzwerken verwendete Bild-Kombination besteht aus zwei Teilen: Zum einen ist ein Screenshot aus einem Video zu sehen. Es zeigt das Opfer Renee Good wenige Augenblicke vor den tödlichen Schüssen am Steuer des Autos.
Auf der rechten Seite ist ein Ausschnitt aus einem Foto zu sehen, das nach den Schüssen aufgenommen wurde. Auffällig ist, dass auch dieses Bild nur eine geringe Auflösung aufweist. Durch eine rote Markierung wird zudem die Aufmerksamkeit der Betrachtenden auf den angeblichen Schaden am linken vorderen Kotflügel gelenkt.
Doch diesen Schaden gibt es in der Realität gar nicht. Mit einer Foto-Rückwärtssuche kann man herausfinden, woher der Bildausschnitt stammt. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur Reuters hat das Originalfoto aufgenommen. Es zeigt das Fahrzeug am Straßenrand, wo es nach dem tödlichen Vorfall vor einem Laternenmast zum Stehen gekommen war.
Keine Delle, sondern eine Spiegelung
Das höher aufgelöste Foto belegt, dass der angebliche Schaden am Fahrzeug in Wahrheit eine Spiegelung im Lack ist. Zu sehen ist ein Straßenbaum, um den ein Absperrband der Polizei gewickelt wurde. Ein Schaden ist an dieser Stelle des Autos nicht zu erkennen.
Auch andere Fotos von dem Ort zeigen keine Beschädigung an dieser Stelle des Fahrzeugs. Auf einem Foto der Nachrichtenagentur AP, das aus einer ähnlichen Perspektive aufgenommen wurde, ist eine ähnliche Spiegelung des Straßenbaums zu erkennen (siehe auch das Beitragsbild zu diesem Faktencheck).
Am Auto gab es aber tatsächlich Schäden, und zwar durch den Aufprall auf ein anderes Fahrzeug und gegen den Laternenmast, wie ein weiteres Video zeigt. Nachdem Renee Good beim Anfahren von den Schüssen des Beamten getroffen worden war, fuhr ihr Auto in das am Straßenrand parkende weiße Fahrzeug. Ein später aufgenommenes Foto zeigt Schäden rechts vorne an der Motorhaube, nicht jedoch auf der linken Seite, auf der sich der Beamte bei der Schussabgabe befunden hatte.
Trump-Behauptung durch Videos widerlegt
Es ist möglich, dass der Beamte vom linken Kotflügel des Autos leicht berührt wurde. Videos des Geschehens zeigen aber auch, dass Good das Auto von dem Mann weg lenkte, ehe er auf sie schoss. Für eine so starke Beschädigung des Autos durch einen Zusammenstoß mit dem Beamten gäbe es keine Erklärung – wenn der vermeintliche Schaden denn überhaupt einer wäre.
Nach den tödlichen Schüssen auf Good hatte US-Präsident Donald Trump behauptet, dass sie den ICE-Beamten überfahren und dieser aus Notwehr geschossen habe. Die Videoaufnahmen belegen das nicht, sondern zeigen, dass er stehenblieb und anschließend weiterlief. US-Medien berichteten mehrere Tage nach dem Vorfall unter Berufung auf das Heimatschutzministerium, dass der Beamte eine «innere Blutung» erlitten habe. Details dazu wurden jedoch nicht bekannt, die Angabe lässt sich nicht unabhängig prüfen.
Die tödlichen Schüsse auf Good lösten landesweit Proteste aus. Strafrechtliche Ermittlungen zu dem Vorfall gibt es bislang nicht. Politiker in Minneapolis und im Bundesstaat Minnesota forderten die US-Einwanderungsbehörde ICE zum Abzug auf. Die der Bundesregierung unterstellten Einheiten sind dort seit Jahresbeginn im Einsatz und sollen vorgeblich illegal eingereiste Menschen festnehmen und abschieben. Die teils brutalen Einsätze sorgen regelmäßig für Kritik und Proteste.
(Stand: 20.1.2026)
