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ICE-Agent schoss Autofahrerin von der Seite hinterher

Achtung: Dieser Faktencheck verlinkt zu Videos, die Gewalt zeigen und verstörend wirken können.

Drei Schüsse fallen, eine Frau stirbt. So weit sind die Ereignisse von Minneapolis wohl unumstritten. Doch was geschah zuvor? Hat die Frau, eine 37 Jahre alte Mutter dreier Kinder, den Schützen zu überfahren versucht? Hat ihr Fahrzeug den Mann «mitgeschleift», wie Nutzer sozialer Netzwerke auf der Grundlage eines sechs Sekunden kurzen Clips behaupten? Videoaufnahmen zeigen die Szene aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Bewertung

Der Agent der US-Einwanderungsbehörde ICE geht in keiner Aufnahme zu Boden. Er bleibt neben dem Fahrzeug stehen und feuert noch durch das Seitenfenster des Wagens, als die Frau davonzufahren versucht.

Fakten

Augenzeugen haben die Szene in einer Straße der Stadt Minneapolis aus verschiedenen Perspektiven gefilmt. Die «New York Times» hat diese Videoaufnahmen einer genauen Analyse unterzogen.

«Es stimmt», schreibt die Zeitung über eine bestimmte Aufnahme, «dass es in diesem Moment, in diesem körnigen, niedrigauflösenden Filmmaterial, so aussieht, als würde der Agent vom SUV angefahren werden.» Das ist der sekundenkurze Clip, der von Nutzern geteilt werden, um ein «Mitschleifen» des bewaffneten und maskierten ICE-Mannes zu belegen.

Der selbe Moment wird jedoch auch von der anderen Seite gefilmt. Die «New York Times» und weitere Analysen stützen sich vor allem auf diese Aufnahme, und aus deren Blickwinkel sieht die Sache deutlich anders aus:

– Der ICE-Agent steht schräg links vor dem Fahrzeug, als er seine Waffe zieht.

– Die Räder des SUV sind nach rechts eingeschlagen, als die 37-Jährige losfährt.

– Das Auto rollt an dem Mann vorbei, ohne ihn umzuwerfen oder gar mitzuschleifen.

– Während die Frau dicht an dem Mann vorbeifährt, gibt er drei Schüsse auf die Fahrerin ab.

– Ein Schuss durchschlägt die Frontscheibe, wie spätere Bilder zeigen; die anderen feuert der Schütze durch die geöffnete Seitenscheibe, als der Wagen an ihm vorbeifährt.

Wäre der Mann tatsächlich von dem Auto überfahren und mitgeschleift worden, hätte er unmöglich noch von der Seite auf die wegfahrende Fahrerin schießen können. Weitere Bilder zeigen ihn, wie er ohne äußere Anzeichen von Verletzungen über die Straße geht, bevor die vermummten ICE-Männer den Ort verlassen. Auch der Sender ABC stellt in seiner Analyse zweifelsfrei fest, dass der Schütze von dem Auto nicht umgeworfen wurde, sondern aufrecht stehen blieb.

US-Präsident Donald Trump und Heimatschutzministerin Kristi Noem bezeichneten die Schüsse des Agenten als einen Akt der Notwehr. Diese Sichtweise erklärte jedoch nicht, weshalb der ICE-Agent von der Seite auf die an ihm vorbei davonfahrende Frau schoss.

(Stand: 12.1.2026)

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Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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