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Jubelnde Menschen in Venezuela: Video ist KI-generiert

Videos von feiernden Venezolanern gingen nach der Gefangennahme von Machthaber Nicolás Maduro durch US-Truppen am 3. Januar um die Welt. Doch in den sozialen Netzwerken können Nutzer leicht ein falsches Bild von den Reaktionen erhalten. Einige der Videos sind deutlich älter als die aktuellen Geschehnisse. Andere stammen nicht aus Venezuela selbst, sondern zeigen Jubel von Exilanten in anderen Ländern.Darüber hinaus kursiert ein Video, das einen vor Freude schreienden Mann mit einer Landesfahne vor einer großen Menschenmenge sowie Feuerwerk am Himmel zeigt. In der Tonspur ist von Venezuelas Hauptstadt Caracas die Rede. Der kurze Clip kursiert auch als Teil einer Videomontage mit Aufnahmen aus verschiedenen Ländern und ist mit der Ortsangabe «Venezuela» versehen worden. Wurde dort also so überschwänglich gefeiert, wie es das Video nahelegt?

Bewertung

Nein. Es gibt keine anderen authentischen Aufnahmen, die diese große Versammlung in Venezuela bestätigen würden. Auch die zeitlichen Abläufe am Tag von Maduros Gefangennahme widerlegen die Echtheit des Videos. Es wurde mutmaßlich mit Künstlicher Intelligenz erstellt.

Fakten

Eine Online-Suche nach weiteren Aufnahmen von der Versammlung der jubelnden Menschen führt zu keinen übereinstimmenden Ergebnissen. Das ist ungewöhnlich: Ein Ereignis wie dieses wird in der Regel von vielen weiteren Menschen gefilmt und fotografiert. Doch zum Beispiel von dem Feuerwerk im Hintergrund des Videos sind keine Aufnahmen aus anderen Perspektiven bekannt.

Eine Bilderrückwärtssuche zeigt, dass das Video vor allem auf Social Media verbreitet wurde. Eine Erwähnung in klassischen Medien, zum Beispiel aus Südamerika, findet sich hingegen nicht.

Doch unter den Suchergebnissen ist ein Tiktok-Kanal. Auf diesem wurde das Video mutmaßlich zum ersten Mal veröffentlicht, und zwar um kurz nach 16 Uhr deutscher Zeit beziehungsweise kurz nach 11 Uhr Ortszeit in Venezuela am 3. Januar.

Zeitliche Abläufe sprechen gegen die Echtheit

In dem Video ist es offensichtlich Nacht. Es müsste also aus der vorangegangenen Nacht stammen, in der die USA Venezuela angegriffen und Maduro gefangen genommen hatten.

Doch das ist nicht plausibel. Erst ab 5.21 Uhr venezolanischer Zeit verbreitete sich in Medien rund um die Welt die Nachricht von Maduros Verhaftung. Um diese Uhrzeit teilte US-Präsident Donald Trump auf seiner Plattform Truth Social mit, dass Maduro und seine Frau gefangen genommen und außer Landes gebracht worden seien.

In Venezuela war die Nacht zu diesem Zeitpunkt bereits fast zu Ende. Die Dämmerung in der Hauptstadt Caracas setzte rund eine Stunde nach Trumps Posting ein, der Sonnenaufgang war gegen 6.45 Uhr. Für eine Feier bei Lichtverhältnissen wie in dem Video wäre also nur wenig Zeit gewesen. Dass die Nachricht über Maduro so schnell derart viele Menschen erreicht und mit Feuerwerk auf die Straße getrieben hat, ist wenig wahrscheinlich.

So war die Lage in Caracas am 3. Januar

Echte Aufnahmen aus der Nacht und aus den frühen Morgenstunden des 3. Januar in Venezuela zeichnen ein anderes Bild. Ein Mitarbeiter der Nachrichtenagentur AP fotografierte in Caracas Sicherheitskräfte sowie Menschen, die Schäden durch die US-Angriffe begutachten. Später am Tag sind auf Fotos auch vereinzelte Demonstranten zu sehen. Allerdings protestierten sie gegen den US-Angriff und zeigten unter anderem Porträts von Maduro.

Aus Venezuela wurde kurz nach dem US-Angriff nur von verhaltener und kaum öffentlich geäußerter Freude über den Sturz Maduros berichtet – bedingt offenbar auch durch die Angst vor Verfolgung durch die venezolanische Regierung, die nun von Maduros bisheriger Stellvertreterin angeführt wird. Mehrere Millionen Venezolaner, viele davon Anhänger der Opposition, haben das Land in den vergangenen Jahren aufgrund der Wirtschaftskrise und der autoritären Führung verlassen.

Klare Hinweise auf KI-Einsatz

Der Tiktok-Kanal, der das Video des vermeintlich feiernden Venezolaners veröffentlicht hatte, gibt in seiner Beschreibung an, mit KI zu arbeiten. Er hat weitere Videos im Zusammenhang mit Maduros Festnahme veröffentlicht, die eindeutig KI-generiert sind, etwa eine falsche Darstellung von Maduros Ankunft in New York.

Das Video des feiernden Mannes weist ebenfalls einige Fehler auf, die auf eine KI hinweisen: Einzelne Menschen im Hintergrund verschwimmen bei Bewegungen. Außerdem trägt die venezolanische Flagge auf der Schulter des Mannes ein unbekanntes, sternenförmiges Symbol – die echte Flagge, auch in historischen Ausführungen, jedoch nicht. Für die Farbverläufe des Knotens der Fahne am Hals des Mannes gibt es keine Erklärung.

Die weiteren Aufnahmen in der Videomontage von Feiern in Madrid, Miami, Buenos Aires sowie zweimal in New York sind hingegen authentisch.

(Stand: 9.1.2026)

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Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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