Immer wieder tauchen Behauptungen auf, die Corona-Impfstoffe mit Gesundheitsrisiken in Verbindung bringen. Aktuell wird eine südkoreanische Studie zitiert, die angeblich belegen soll, dass Impfstoffe Krebs auslösen. Einige Zahlen und Aussagen aus dieser Studie werden in sozialen Netzwerken – unter anderem von der AfD – verbreitet, um ein erhöhtes Risiko für Prostata-, Lungen- und Schilddrüsenkrebs durch die Impfung zu suggerieren. Doch stimmt das?
Bewertung
Nein. Die Studie zeigt lediglich statistische Zusammenhänge, aber keine Beweise dafür, dass die Impfstoffe Krebs verursachen. Zudem wird sie selbst von Experten kritisch geprüft und weist methodische Schwächen auf.
Fakten
Die beschriebene Studie wurde in der Fachzeitschrift «Biomarker Research» veröffentlicht und untersucht Krebsdiagnosen bei geimpften und ungeimpften Personen in Südkorea. Bereits am 22. Oktober 2025 wurde jedoch eine Warnung vom Verlag hinzugefügt, dass die Ergebnisse auf methodische Mängel hin überprüft werden. Sogar eine mögliche Zurückziehung (Retraction) der Studie ist dabei nicht ausgeschlossen.
Zudem wurde die Ausgangsstichprobe von über 8,4 Millionen Personen durch ein statistisches Verfahren, das sogenannte Propensity Score Matching, stark reduziert. Nach diesem Schritt blieben nur noch knapp 3 Millionen Personen übrig – darunter etwa 595.000 Geimpfte. Zwar erhöht das Verfahren die Vergleichbarkeit der Gruppen, doch es birgt das Risiko, dass wichtige Einflussfaktoren übersehen werden.
Die Autoren räumen selbst ein, sogenannte «Residual Confounding»-Effekte könnten nicht ausgeschlossen werden. Das bedeutet, dass unkontrollierte Faktoren die Ergebnisse beeinflusst haben könnten.
Behauptung basiert auf fehlerhaften Interpretation von Daten
Die Studie zeigt zudem lediglich eine statistische Verbindung zwischen Impfung und Krebsdiagnosen. Das bedeutet nicht, dass die Impfung die Ursache ist. Ein gutes Beispiel dafür ist der sogenannte «Surveillance Bias». Menschen, die sich impfen lassen, besuchen häufiger Ärztinnen und Ärzte und nehmen öfter Vorsorgeuntersuchungen wahr. Dadurch werden mögliche Erkrankungen wie Krebs früher entdeckt.
Das erklärt, warum in den Daten der Studie mehr Diagnosen bei geimpften Personen auftauchen. Diese wurden jedoch nicht durch die Impfung ausgelöst, sondern lediglich früher erkannt. Die Autoren der Studie erwähnen diesen Effekt selbst und betonen, ihre Ergebnisse lieferten keine Beweise für Kausalität. Sie rufen ausdrücklich dazu auf, weitere Untersuchungen durchzuführen, um mögliche Zusammenhänge besser zu verstehen.
Krebsregister zeigt keine auffällige Zunahme von Fällen
Wären die behaupteten Zusammenhänge real, müsste sich ein plötzlicher Anstieg der Krebsfälle in der breiten Bevölkerung zeigen. Daten aus dem koreanischen Krebsregister bis 2022 zeigen jedoch keine auffällige Zunahme der genannten Krebsarten seit Beginn der Impfkampagne. Auch internationale Krebsregister und Frühwarnsysteme bestätigen keinen derartigen Trend.
Die südkoreanische Studie wurde von Fachleuten weltweit kritisch bewertet. Experten betonen, dass sie lediglich auf Beobachtungsdaten basiert und keine kausalen Zusammenhänge beweisen kann. Zahlreiche Untersuchungen und Langzeitbeobachtungen zeigen keinen Zusammenhang zwischen Corona-Impfstoffen und einem erhöhten Krebsrisiko.
Korrelation ist nicht gleich Kausalität
Seit Beginn der Impfkampagnen kursieren immer wieder irreführende Behauptungen über vermeintliche Gesundheitsrisiken. Diese beruhen häufig auf einer Verwechslung zwischen Korrelation und Kausalität. Nur weil zwei Ereignisse gleichzeitig auftreten, bedeutet das nicht, dass eines das andere verursacht.
Ein klassisches Beispiel: Im Sommer steigen sowohl die Verkäufe von Eiscreme als auch die Zahl der Badeunfälle. Das liegt jedoch an der warmen Jahreszeit. Eiscreme verursacht keine Badeunfälle. Die Falschdarstellungen zur südkoreanischen Studie folgen genau diesem Muster: Eine statistische Verbindung wird fälschlicherweise als Beweis für eine Kausalität dargestellt.
(Stand: 27.11.2025)
