Ein Video, das Männer in schwarzen Kapuzenpullovern zeigt, die nachts auf der Straße Molotowcocktails werfen, soll laut Nutzern auf Facebook und X die aktuelle Lage im Iran veranschaulichen. Doch stammen die geteilten Aufnahmen tatsächlich aus dem Iran?
Bewertung
Nein. Das Video zeigt Unruhen in der griechischen Stadt Thessaloniki nach einem Konzert des lokal populären Rappers Lex am 1. November 2025. Die Aufnahmen haben nichts mit den Protesten im Iran zu tun.
Fakten
Das in den sozialen Medien verbreitete Video kursiert bereits seit dem 1. November 2025 auf TikTok – also rund zwei Monate vor Beginn der aktuellen Protestwelle im Iran Ende Dezember.
Die Kommentare unter dem TikTok-Video beziehen sich auf ein Konzert des griechischen Rappers Lex. Dieser trat am 1. November 2025 im Kaftanzoglio-Stadion in Thessaloniki auf und zog über 45.000 Zuschauer an.
Die griechische Redaktion der Huffington Post berichtete, dass nach dem Konzert etwa hundert Randalierer vom Stadion in Richtung des türkischen Konsulats im Stadtzentrum marschierten und dort mit der Bereitschaftspolizei zusammenstießen. Dabei wurden Molotowcocktails geworfen. Die Polizei setzte Tränengas ein und nahm 18 Personen fest.
Ein dem Artikel beigefügtes Video zeigt dieselbe Szene aus einem anderen Blickwinkel wie das derzeit in sozialen Medien kursierende Video. In beiden Aufnahmen ist zu sehen, wie derselbe Baum (bei Sekunde vier) Feuer fängt, nachdem er von einem Molotowcocktail getroffen wird.
Ein Abgleich mit Google Street View bestätigt den Aufnahmeort: Wer vom Kaftanzoglio-Stadion in Richtung des türkischen Konsulats geht, passiert genau jene Stelle, die im Video zu sehen ist – dort, wo die Olympiados-Straße vom Agiou-Dimitriou-Boulevard abzweigt. Zäune, Mülleimer, Verkehrsschilder, Ampeln und die Bäume stimmen eindeutig überein.
Das Video steht daher offensichtlich in keinem Zusammenhang mit den Protesten im Iran.
Proteste im Iran
Ende Dezember 2025 brachen im Iran landesweite Proteste aus. Sie begannen in der Hauptstadt Teheran, nachdem Händler und Ladenbesitzer infolge eines plötzlichen Wertverfalls des iranischen Rial ihre Arbeit niedergelegt hatten. Anschließend weiteten sich die Demonstrationen auf weitere Großstädte wie Isfahan, Schiras und Maschhad aus.
Der Unmut der Bevölkerung richtete sich rasch gegen die islamische Regierung von Ayatollah Ali Khamenei. Die Demonstrierenden forderten mehr politische Freiheit sowie Frauenrechte. Auf den Straßen waren Sprechchöre wie «Tod dem Diktator» und «Tod Khamenei» zu hören.
Die Behörden versuchen, die Proteste mit brutaler Gewalt zu unterdrücken. Laut der in den USA ansässigen iranischen Menschenrechtsorganisation HRANA wurden zum Stand am 12. Januar mindestens 646 Menschen getötet und mehr als 10.700 verhaftet.
Die tatsächlichen Zahlen dürften höher liegen. Eine verlässliche Erhebung ist jedoch schwierig, da die iranischen Behörden das Internet weitgehend abgeschaltet haben, um die Verbreitung von Informationen über die Proteste zu unterbinden. Auch internationale Telefonverbindungen scheinen stark eingeschränkt oder nicht möglich zu sein.
Unterdessen warnte US-Präsident Donald Trump vor einer möglichen Intervention, sollte das iranische Regime weiterhin gewaltsam gegen die eigene Bevölkerung vorgehen. Im Falle eines amerikanischen Angriffs betrachtet der Iran laut dem Sprecher des iranischen Parlaments «alle US-Militärzentren, -stützpunkte und -schiffe in der Region» sowie Israel als «legitime Ziele» für einen Gegenangriff.
(Stand: 13.1.2026)
