Knapp vor der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 kursieren vermehrt Falschbehauptungen zu angeblichem Wahlbetrug. Ein vielfach geteiltes Video zeigt, wie angeblich Briefwahlunterlagen aus Hamburg geöffnet und Stimmzettel mit Stimmen für die Alternative für Deutschland (AfD) vernichtet werden. Allerdings handelt es sich laut den zuständigen Behörden um gefälschte Unterlagen. Das zeigen auch mehrere Unstimmigkeiten. Auch die Kandidatin der AfD bezeichnete das Video inzwischen als „Fake“.
„Wahlbetrug in Deutschland, war ja letztes Mal schon so Jetzt filmen sie sich dabei, wie sie Wahlzettel zerstören Die Leute sind so von Anti-AfD-Propaganda gehirngewaschen“, schrieb ein User am 20. Februar 2025 auf X und teilte ein rund zweiminütiges Video. Darin ist eine Person von hinten zu sehen, die Briefwahlunterlagen öffnet und anschließend Stimmzettel mit Stimmen für die AfD in einen Aktenvernichter steckt und schreddert. „Für was wählen, wenn betrogen wird ?“, schrieb der User weiter.
Dasselbe Video mit der Falschbehauptung wurde auch in anderen Postings auf X, Telegram, Facebook und Youtube verbreitet. Es kursierte auch auf Englisch.

Laut den zuständigen Behörden sind die Unterlagen in dem Video jedoch nicht authentisch. Das zeigt zudem ein Vergleich mit den offiziellen Mustern.
In dem geteilten Video lässt sich auf dem Stimmzettel unter anderem eindeutig der Schriftzug „6. Jordan, Nicole“ und daneben „AfD“ erkennen. Eine Stichwortsuche ergab, dass Nicole Jordan für die AfD im Wahlkreis 18 Hamburg-Mitte bei der Bundestagswahl antritt. Ein Vergleich mit dem Musterstimmzettel auf der Website der Stadt Hamburg für diesen Wahlkreis belegt, dass es sich bei den Unterlagen im Video um Stimmzettel des Wahlkreises 18 Hamburg-Mitte handeln soll.
Laut Behörden handelt es sich um Fälschung
Auf AFP-Anfrage schrieb ein Sprecher des Hamburger Senats in einer Nachricht vom 20. Februar 2025: „Es handelt sich bei dem Video eindeutig um eine Fälschung.“ Er verwies zudem auf eine Pressemitteilung der Stadt Hamburg desselben Tages. Die Behörde für Inneres der Stadt verwies AFP in einer Nachricht vom 20. Februar 2025 ebenfalls auf dieselbe Pressemeldung. Eine Pressesprecherin der Bundeswahlleiterin schrieb auf AFP-Anfrage – unter Verweis auf dieselbe Mitteilung – am selben Tag: „Das Video soll Wahlbriefe in Hamburg betreffen, ist aber gefälscht.“
Auf X schrieb die Polizei Hamburg am 20. Februar 2025, dass sie den Clip gesichert und dem Landeskriminalamt geschickt habe. In einem weiteren Post am selben Tag verwies die Polizei ebenfalls auf die Aussendung.
Die von den Behörden zitierte Pressemitteilung wurde am 20. Februar 2025 auf der Website der Stadt Hamburg veröffentlicht. Darin erklärt der Landeswahlleiter Oliver Rudolf, dass es sich bei den im Video gezeigten Unterlagen „nicht um amtliche Briefwahlunterlagen handelt, sondern um einen Fake“. Er weist auf mehrere Fälschungen im Video hin, woran dies „eindeutig“ zu erkennen sei. Er führte etwa die unterschiedlichen Farben sowie die andere Beschriftung der Lasche des Wahlbriefumschlags an. Die Falzung des Stimmzettels sei im Video anders, auch Unterschiede bei der Kante der Lasche des Stimmzettelumschlages seien zu erkennen. Auch Unterschiede beim Klebesystem führte der Landeswahlleiter ins Treffen.
Äußere Merkmale weisen auf gefälschte Unterlagen hin.
AFP verglich die Unterlagen im Video mit der offiziellen Anleitung für die Briefwahl des Landeswahlamtes zur Wahl des Bundestages am 23. Februar 2025, die auf der Stadt-Homepage verlinkt ist – sowie mit dem offiziellen Musterstimmzettel für den Wahlkreis 18 Hamburg-Mitte.
Eine Gegenüberstellung zeigt etwa, dass sich die Farbe des Wahlbriefumschlages im Video deutlich von jener des Originals in der Briefwahl-Anleitung unterscheidet. Beim Original-Kuvert handelt es sich um ein kräftigeres Rot. Auf der Lasche des Wahlbriefumschlages des Originals ist zudem eindeutig eine Beschriftung erkennbar. Die Lasche der Kuverts im Video ist nicht beschriftet:

Während die Kante der Lasche auf der Vorderseite des weißen Stimmzettelumschlages im Video rund ist, ist die Kante auf der Vorderseite des Originals zudem kantig. Dort ist die erste Schriftzeile auf der Lasche außerdem etwas länger als die zweite Zeile. Auf dem Umschlag im Video ist das umgekehrt:

Diese Elemente weisen auf gefälschte Unterlagen im geteilten Video hin. In der Aussendung wird Landeswahlleiter Rudolf am Ende noch folgendermaßen zitiert: „Videos wie dieses sind der perfide Versuch, unsere demokratischen und freien Wahlen zu delegitimieren. Wir konnten in diesem Fall schnell und eindeutig feststellen, dass es sich um einen Fake handelt.“ Darauf folgt ein Aufruf, derartige Videos „kritisch zu hinterfragen und nicht weiter zu verbreiten“.
AfD-Kandidatin spricht von „Fake-Video“
Während AfD-Kandidatin Jordan in Facebook-Postings am 20. Februar 2025 noch zu dem Clip meinte, der gezeigte „Wahlbetrug“ müsse „drastische Konsequenzen“ haben, veröffentlichte sie am nächsten Tag einen weiteren Clip, in dem sie zurückruderte: „So wie sich das herauskristallisiert, ist das ein Fake-Video gewesen.“
Das älteste Video mit der Falschbehauptung, das AFP fand, stammt vom X-Account „Daniel Gugger“. Er hat bereits in der Vergangenheit Behauptungen verbreitet, die der russischen Desinformationskampagne „Storm-1516“ zugeschrieben wurden. Diese hatte zuletzt zahlreiche Falschinformationen im Vorfeld der Bundestagswahl in Deutschland verbreitet. Im Oktober 2024 hat AFP ein ähnliches Video überprüft, das zeigen soll, wie im Vorfeld der Präsidentenwahl in den USA im November 2024 Briefwahlunterlagen mit Stimmen für Donald Trump angeblich vernichtet wurden.
Alle Faktenchecks zur Bundestagswahl 2025 sammelt AFP auf ihrer Website.
Fazit: Ein Video soll angeblich zeigen, wie in Hamburg AfD-Stimmen aussortiert und vernichtet werden. Laut den Behörden handelt es sich jedoch um eine Fälschung. Die Wahlunterlagen im Clip weisen zudem mehrere Unstimmigkeiten auf.