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Wasserstoffperoxid schadet mehr als es nützt

Immer wieder tauchen in sozialen Netzwerken Videos und Erfahrungsberichte auf, in denen Menschen angebliche Heilmittel gegen Krebs anpreisen. In einem Video auf Instagram behauptet eine Frau, Wasserstoffperoxid töte nicht nur Keime und Viren, sondern auch Tumorgewebe. Sie empfiehlt, die Haut regelmäßig damit einzureiben, damit das Mittel in den Blutkreislauf gelange und das Blut mit Sauerstoff versorge. Was steckt hinter diesen Aussagen?

Bewertung

Die Behauptung ist falsch. Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Wasserstoffperoxid Krebs heilt oder Tumorgewebe gezielt zerstört. Im Gegenteil: Die Anwendung kann schwere Gesundheitsschäden verursachen.

Fakten

Wasserstoffperoxid ist ein starkes Oxidationsmittel. Hochkonzentriert kann es Gewebe verätzen, zu Vergiftungen, Gasembolien (Luftblasen im Blut) und sogar zum Tod führen. Auch die routinemäßige oder wiederholte Anwendung von Wasserstoffperoxid auf der Haut wird nicht empfohlen. Selbst bei niedrigen Konzentrationen (unter 3 Prozent) kann es zu Hautreizungen, Rötungen, Blasenbildung und bei häufiger Anwendung zu Gewebeschäden kommen.

Bisher gibt es keine klinischen Studien, die belegen, dass Wasserstoffperoxid Krebs heilen oder Tumorgewebe gezielt abtöten kann. Die Forschung beschäftigt sich zwar mit der Rolle von Sauerstoffradikalen in der Krebstherapie, aber nur im Rahmen streng kontrollierter, experimenteller Ansätze – nicht durch das Einreiben oder Trinken von Wasserstoffperoxid.

Experten warnen vor regelmäßiger Anwendung

Wissenschaftliche Organisationen und Experten warnen ausdrücklich vor der innerlichen oder äußerlichen Anwendung von Wasserstoffperoxid zur Krebsbehandlung. Wasserstoffperoxid als Krebsmedikament ist nicht zugelassen. Anbieter, die das Mittel als Heilmittel bewerben, handeln somit illegal.

Wasserstoffperoxid ist jedoch ein bewährtes Desinfektionsmittel. Es tötet Bakterien, Viren, Pilze und Sporen. Die Wirksamkeit ist konzentrations- und zeitabhängig. Laut EU-Verordnung darf Wasserstoffperoxid nur bis zu einer Konzentration von maximal 12 Prozent in Apotheken verkauft werden. Für die einmalige Desinfektion von Haut und Oberflächen werden meist Konzentrationen von 0,5 bis 3 Prozent verwendet.

Keine Belege für Wirksamkeit von Gerson-Therapie

In dem verbreiteten Video ist Charlotte Gerson zu sehen. Sie ist die Tochter von Max Gerson, dem Erfinder der sogenannten Gerson-Therapie. Max Gerson war ein deutsch-amerikanischer Arzt, der in den 1920er Jahren eine Diät entwickelte, die angeblich chronische Krankheiten und insbesondere Krebs heilen sollte. Die Gerson-Therapie basiert auf einer strengen Diät mit viel Obst- und Gemüsesaft, Nahrungsergänzungsmitteln und Kaffee-Einläufen.

Wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit dieser Methode gibt es nicht. Sie wird von Fachgesellschaften und Behörden als wirkungslos und potenziell gefährlich eingestuft. Charlotte Gerson setzte nach dem Tod ihres Vaters dessen Werk fort. 1978 gründete sie das Gerson Institute in Mexiko, um die Therapie weiterzuverbreiten und Patienten sowie Therapeuten darin auszubilden.

Die falsche Behauptung, Wasserstoffperoxid sei ein Wundermittel und könne Krebs heilen, kursiert seit Jahren. Sie wird von Einzelpersonen, Influencern und kommerziellen Anbietern verbreitet, oft mit angeblichen Erfahrungsberichten und pseudowissenschaftlichen Erklärungen.

(Stand: 21.11.2025)

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Gesundheit

Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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