Fake-Artikel auf Facebook wirbt mit dem Namen von Robert Habeck für dubiose Bitcoin-Software

Bei einem Interview zwischen Anne Will und Vizekanzler Robert Habeck soll es in einer Live-Sendung zu einem Skandal gekommen sein – so steht es in einem angeblichen Artikel der Tagesschau, der in mehreren Facebook-Gruppen kursiert. Demnach habe Habeck versucht zu verhindern, dass die Moderatorin in ihrer Sendung eine Bitcoin-Software bewirbt. Die Sendung sei nach einem „Anruf von Regierungsvertretern“ gelöscht worden, heißt es in dem Artikel.

Der angebliche Tagesschau-Artikel ist gefälscht: Die im Text enthaltenen Links führen zu einem unseriösen Finanzangebot. Laut der Werbebibliothek von Facebook wurde der gefälschte Artikel vom 13. bis 14. Dezember 2023 als Anzeige verbreitet und erreichte mehr als 160.000 Accounts.

Screenshot eines Beitrages auf Facebook
Dieser Link, der auf Facebook geteilt wird, führt zu dem gefälschten Tagesschau-Artikel, in dem eine Bitcoin-Plattform beworben wird. Dahinter steckt häufig Phishing, warnt die Verbraucherzentrale. (Quelle: Facebook; Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV.Faktencheck)

Angebliches Bitcoin-Interview zwischen Robert Habeck und Anne Will ist nie bei der Tagesschau erschienen

Die Webseite mit dem gefälschten Tagesschau-Artikel fällt durch einige Ungereimtheiten auf: Die Links auf der Seite funktionieren nicht und das Design unterscheidet sich von der echten Tagesschau-Webseite – so fehlt etwa unter dem Titelbild das Datum des Artikels sowie darüber der Link zur Mediathek.

Hier haben wir diese Unterschiede farbig markiert – die echte Tagesschau-Seite ist oben und die gefälschte Tagesschau-Seite unten zu sehen:

Vergleich eines echten Tagesschau-Artikels mit dem Fake-Artikel
Dem gefälschten Artikel (unten) fehlen einige Funktionen und Angaben der echten Tagesschau-Webseite (oben), wie etwa der Link zur letzten Sendung (rot) und das Datum des Artikels (grün) (Quelle: Tagesschau / remertips.com; Screenshots und Markierungen: CORRECTIV.Faktencheck)

Zudem hat die gefälschte Webseite kein Impressum und die URL lautet „https://remertips.com/service2/“ statt „https://www.tagesschau.de/“. Eine Suche bei Google nach Zitaten aus dem angeblichen Interview über Bitcoins liefert keine Ergebnisse.

In dem manipulierten Artikel sind mehrere Fotos aus einer Anne-Will-Sendung zu sehen. Eine Bilderrückwärtssuche führt zu einem Interview zwischen Will und Habeck vom 18. Juni 2023. Der Vizekanzler und andere Gäste diskutierten darin über das Heizungsgesetz – um die Bitcoin-Software geht es an keiner Stelle. Ein Video des Interviews ist in der ARD-Mediathek abrufbar.

Der Fake-Tagesschau-Artikel führt zu einem dubiosen Finanzangebot 

In dem gefälschten Artikel heißt es, mit einem Startkapital von 250 Euro könne man auf einer verlinkten Finanz-Plattform namens Bitcoineer.app hohe Gewinne erzielen. Auf der Webseite sollen Nutzerinnen und Nutzer Daten wie ihren Namen und ihre E-Mail-Adresse angeben. Auch diese Seite hat kein Impressum, was darauf hindeutet, dass es sich um kein seriöses Angebot handelt.

Das bestätigte uns der Verein „Deutschland sicher im Netz“ im November 2023 für einen Faktencheck, in dem es um eine ähnliche Fake-Webseite ging: Für die Software Bitcoineer seien „keine klaren Informationen über die Eigentümer oder Entwickler“ bekannt, schrieb uns Pressesprecherin Thalissa-Jennifer Klaps. Die Informationsplattform Watchlist Internet bezeichnet die Webseite Bitcoineer.app als Finanzbetrug.

Auch die Verbraucherzentrale warnt auf ihrer Webseite vor solchen Finanz-Plattformen, die für digitale Währungen werben: Es sei eine Masche unseriöser Anbieter, in Sozialen Netzwerken zu werben und „auf vermeintlich seriöse Nachrichtenseiten“ zu verlinken. Anfangs werde – wie auch in diesem Fall – nur ein kleines Startkapital von meist 250 Euro gefordert. Anschließend würden telefonisch weitere persönliche Daten für ein angebliches Handelskonto abgefragt. Dabei handele es sich um Betrug. „Nicht wenige Verbraucherinnen und Verbraucher berichten, dass später ihre online geführten Konten abgeräumt wurden“, heißt es weiter.

Redigatur: Sarah Thust, Matthias Bau

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Autor(en): CORRECTIV

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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