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Der Schneematsch im Video entstand nicht durch den Einsatz von Sand, sondern durch Salz. Anders als Privatleute darf die Berliner Stadtreinigung dieses auf Straßen einsetzen.
Fakten
Tagelang waren viele öffentliche Flächen in Berlin im Januar und Februar spiegelglatt, vor allem Geh- und Radwege. Berlins Senat setzte deshalb am 30. Januar über eine Allgemeinverfügung durch, dass auch private Grundstückseigentümer Streusalz verwenden dürfen. Eigentlich ist ihnen das aufgrund der umweltschädlichen Wirkung des Salzes untersagt. Alternativen sind Splitt oder Sand. Eigentümer sind verpflichtet, auf Gehwegen zum Beispiel vor Wohnhäusern für Verkehrssicherheit zu sorgen.
Die Wirkung von Streusalz gegen festgetretene, geschlossene Eisflächen ist allerdings begrenzt. Und auch aus rechtlichen Gründen hielt die Allgemeinverfügung des Berliner Senats nur wenige Tage: Am 4. Februar gab das Berliner Verwaltungsgericht einem Eilantrag des Naturschutzbunds gegen die Verfügung statt. Streusalz war für Privatleute wieder tabu.
BSR darf Streusalz einsetzen
Zu keinem Zeitpunkt allerdings war der Winterdienst der Berliner Stadtreinigung (BSR) auf großen Straßen von diesem Verbot betroffen. Für sie gelten Ausnahmen vom Streusalzverbot. Das schreibt die BSR auf ihrer Website und bestätigte es auch auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Auf Hauptverkehrswegen verteilt die BSR sogenanntes Feuchtsalz.
Was die Stadtreinigung im Straßenraum hingegen nicht als Streugut einsetzt, ist Sand. Auch das teilte die BSR-Pressestelle der dpa mit.
Der Schneematsch im Video wurde also nicht von Sand verursacht. Es gibt dafür eine andere Erklärung.
Das Video wurde mutmaßlich am 5. Februar aufgenommen. An diesem Tag herrschten in Berlin solche Wetter- und Straßenverhältnisse. Das zeigen andere Aufnahmen, die in sozialen Netzwerken veröffentlicht wurden.
Straßen wurden vorab gestreut
Im Video zu sehen ist eine Kreuzung zweier mehrspuriger Straßen im Bezirk Reinickendorf. Dort und auch an anderen Hauptverkehrswegen hatte die BSR schon vor dem Eisregen vom 5. Februar Salz gestreut. Auf dpa-Anfrage schreibt sie: «Auf beiden Straßen wurden am Abend des 4. Februar eine vorbeugende Streckenstreuung mit Feuchtsalz durchgeführt sowie ab den frühen Morgenstunden des 5. Februar Räummaßnahmen und weitere Streckenstreuungen mit Feuchtsalz.»
Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) erklärte das Prinzip an diesem Morgen in einem Beitrag auf Instagram: Das Salz sei «unter den Schnee und Eisregen platziert» worden, wodurch Schneematsch entstanden sei. «Unter diesem Schneematsch herrschen keine Gefriertemperaturen, so dass gute Befahrbarkeit herrscht», schrieb Giffey.
Das deckt sich mit dem Video. Die Autos scheinen weitgehend problemlos unterwegs zu sein, trotz des Schneematsches auf der Straße. Mit dem Einsatz von Sand hat dieser nichts zu tun. «Die BSR setzt keinen Sand als Streumittel ein – die Verfärbung des Schnees ist wohl auf normale Fahrbahnverschmutzungen zurückzuführen», schreibt die Stadtreinigung.
CDU und SPD in Berlin haben nach den Problemen mit Eisglätte angekündigt, den Winterdienst neu zu regeln. Im Fokus stehen dabei aber die Probleme auf Gehwegen, nicht der Straßenverkehr.
(Stand: 11.2.2026)
