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Altes Video aus Paris in falschem Kontext verbreitet

Ein Video, das schwere Ausschreitungen in Paris zeigt, macht aktuell in Sozialen Medien die Runde (1,2,3). Die Behauptung: Es sei aktuell, mache weltweit Schlagzeilen – „Mainstream-Medien“ würden aber nicht darüber berichten. Tatsächlich handelt es sich in Wirklichkeit um alte Aufnahmen, die Szenen aus 2022 zeigen. Über die damaligen Ausschreitungen gibt es zahlreiche Medienberichte.

Einschätzung: Es handelt sich um ein altes Video. Die Ausschreitungen sind nicht aktuell und fanden im Dezember 2022 in Paris statt. Medien weltweit berichteten darüber.

Überprüfung: Es sind spektakuläre Bilder, die aktuell millionenfach in Sozialen Medien geklickt werden: Umgestoßene Autos, die teilweise in Flammen stehen, und Menschen, die ein Buswartehaus zerstören. Mit dem Zusatz „Das ist nicht Beirut oder Teheran. Das ist Macrons Frankreich“ wird in den Raum gestellt, dass es sich dabei um eine aktuelle Situation handelt. Kritisiert wird, dass „Mainstream-Medien“ über diese „Realität“ nicht berichten würden.

Das Video verbreitet sich nicht nur im deutschsprachigen Raum (1), sondern auch in Ländern wie Großbritannien (2), Spanien (3) oder Japan (4). Führt man jedoch eine Foto-Rückwärtssuche (5) von zentralen Frames des Videos durch, kommt man sehr schnell zu dem Ergebnis, dass die Aufnahmen bereits über drei Jahre alt sind.

Tödlicher Angriff auf kurdische Einrichtung als Auslöser der Ausschreitungen

Auslöser der Ausschreitungen im Dezember 2022 war der Angriff auf ein kurdisches Kulturzentrum und ein nahegelegenes Café im 10. Bezirk von Paris. Drei Kurden wurden dabei erschossen, mehrere Menschen verletzt (6). Einen Tag nach dem Angriff, am 24. Dezember 2022, kam es nach zunächst friedlichen Protesten zu heftigen Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstranten. Polizisten wurden mit Wurfgeschossen angegriffen, die Beamten setzten Tränengas ein. Es wurden Autos umgeworfen, Fensterscheiben eingeschlagen, Mülltonnen in Brand gesetzt und Barrikaden errichtet. Über die Ausschreitungen gibt es zahlreiche Medienberichte in mehreren Sprachen (7,8,9).

Nur wenige Tage später zeigte sich der Täter hinter dem Angriff geständig und erklärte, er habe einen „pathologischen Hass auf Ausländer“. Er befindet sich seither in Haft (10).

Vorwürfe gegen etablierte Medien

Der Vorwurf, „klassische Medien“ würden einseitig, nicht die ganze Wahrheit oder über bestimmte Dinge gar nicht berichten, wird vor allem in sozialen Medien immer wieder laut. Dahinter steckt die Taktik vereinzelter Akteure oder Alternativmedien, etablierte Medien zu diskreditieren, Pluralismus unter Medienschaffenden zu leugnen und ihre Glaubwürdigkeit in Zweifel zu ziehen (11, 12 ).

 

Quellen:

(1) Facebook-Post: https://go.apa.at/3LVuET8Y (Reel archiviert: https://go.apa.at/cbIQQubG)

(2) X-Post aus Großbritannien: https://go.apa.at/5IRD2gSs (archiviert: https://go.apa.at/sBeuGVjr, Video archiviert: https://go.apa.at/LfwO08wW)

(3) LinkedIn-Post aus Spanien: https://go.apa.at/pTjOMBZK (archiviert: https://go.apa.at/2AJvUgPG)

(4) X-Post aus Japan: https://go.apa.at/QbMMCugG (archiviert: https://go.apa.at/rae5E1fj)

(5) Info zu Foto-Rückwärtssuche auf CheckBar.at: https://go.apa.at/jmdc41ms (archiviert: https://go.apa.at/YySoVgvo)

(6) „orf.at“ zu Angriff auf kurdische Einrichtung in Paris: https://go.apa.at/J0x6p6BS (archiviert: https://go.apa.at/T1piLUjg)

(7) „Die Presse“ zu Ausschreitungen in Paris 2022: https://go.apa.at/FtqWugPQ (archiviert: https://go.apa.at/jL8EP57v)

(8) „Le Monde“ zu Ausschreitungen in Paris 2022: https://go.apa.at/FzYBtGey (archiviert: https://go.apa.at/FI14wKEo)

(9) „BBC“ zu Ausschreitungen in Paris 2022: https://go.apa.at/QpqSHHBW (archiviert: https://go.apa.at/IKoD5UYx)

(10) „Spiegel“ zu Täter: https://go.apa.at/bgXAGouv (archiviert: https://go.apa.at/Jzui96oX)

(11) Demokratiezentrum Wien zur Rolle der Medien: https://go.apa.at/HmAHEKSC (archiviert: https://go.apa.at/7H5vJ6oM)

(12) Bundeszentrale Politische Bildung zum Begriff „Mainstream-Medien“: https://go.apa.at/fboIj80K (archiviert: https://go.apa.at/fR7oyTyF)

 

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Religion, Politik, Gesellschaft

Autor(en): APA

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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