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Videos und TV-Übertragungen belegen Buhrufe gegen JD Vance

Die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele gilt als erster Höhepunkt des sportlichen Großereignisses. Auf den Tribünen sitzen Gäste aus Politik und Gesellschaft und geraten in den Fokus der Kameras. So auch bei den Winterspielen 2026 in Italien: Beim Einlauf des Teams der USA ins San-Siro-Stadion in Mailand schwenkt die Kamera auf die Ehrentribüne. Zu sehen sind US-Vizepräsident JD Vance und seine Ehefrau Usha. In der Folge verbreiten sich in sozialen Netzwerken Behauptungen, Medien hätten fälschlich von Buhrufen gegen Vance berichtet. Videoaufnahmen würden vielmehr beweisen, «dass die Menge tobte und der Jubel sogar noch lauter war als bei Italien». Doch was überwiegt tatsächlich – Applaus oder Buhrufe?

Bewertung

In mehreren internationalen Fernsehübertragungen sowie auf Zuschaueraufnahmen sind Buhrufe zu hören, als JD Vance auf den Videoleinwänden des Stadions gezeigt wird.

Fakten

Ein auf X verbreiteter Beitrag präsentiert als Beleg einen Videoausschnitt aus der Übertragung des kanadischen Senders CBC. Der dpa-Faktencheck hat dieses Material gesichtet, die Ohren gespitzt und es mit weiteren internationalen Übertragungen und Fan-Videos verglichen.

Buhrufe in CBC- und ARD-Übertragung zu hören

In der Übertragung von CBC sagt die Moderatorin, als JD und Usha Vance im Bild erscheinen: «Das sind viele Buhs für ihn, Pfeifen, Jubel, ein bisschen Applaus». In der Tonspur ist ein deutlicher Stimmungswechsel im Stadion wahrnehmbar, als die Kamera auf das Ehepaar schwenkt. Die Buhrufe sind klar zu hören.

In der ARD-Übertragung (ab 3:37:45) wurde dasselbe Videomaterial genutzt. Auch hier sind Pfiffe und Buhrufe zu vernehmen. Kommentator Tom Bartels spricht gemeinsam mit dem Journalisten Giovanni di Lorenzo von Pfiffen, als Vance auf den Leinwänden erscheint.

Beide Übertragungen zeigen ein ähnliches Bild: Während die Athletinnen und Athleten aus den USA zuvor überwiegend positiv empfangen werden, kippte die Stimmung beim Erscheinen des US-Vizepräsidenten hörbar.

Aufnahmen aus dem Zuschauerbereich zeigen Stimmungswechsel

Zusätzlich kursieren im Netz Zuschaueraufnahmen aus dem San-Siro-Stadion, in denen die Buhrufe beim Erscheinen von JD Vance teils noch deutlicher zu hören sind (zum Beispiel hier und hier). Diese Videos legen nahe, dass es reale negative Reaktionen im Publikum gab, auch wenn nicht das gesamte Stadion buhte.

Andere Kameraeinstellung, andere Wirkung

Einen anderen Eindruck vermitteln Ausschnitte aus der Übertragung des Senders NBC, der in den USA die exklusiven Rechte an den Olympischen Spielen hält, sowie ein vom Weißen Haus verbreiteter Ausschnitt daraus. Dort wurden andere Kameraeinstellungen gewählt, die Tonspur wirkt insgesamt gedämpfter.

Die Buhrufe setzen in dieser Version bereits ein, während die Kamera noch auf das US-Team gerichtet ist. JD und Usha Vance werden erst etwas später eingeblendet. Dadurch ist der akustische Unterschied beim Erscheinen des Vizepräsidenten weniger deutlich. Die Szene bleibt zudem von den NBC-Kommentatoren unkommentiert.

Hintergrund ist, dass bei Olympischen Spielen für das Fernsehen zwar ein internationales Basissignal produziert wird, die sogenannten «Host Broadcast»-Bilder. Dieses Signal wird allen Rechteinhabern weltweit zur Verfügung gestellt. Große Sender wie NBC erhalten jedoch Zugriff auf mehrere parallele Feeds und zusätzliche Kameraperspektiven. Sie können daraus eine eigene Bildregie zusammenstellen oder einzelne Sequenzen für ihre Ausstrahlung anders schneiden.

Unterschiede in der Kameraführung und im Schnitt können somit die Wahrnehmung einer Situation beeinflussen, ohne dass zwangsläufig unterschiedliches Bild- oder Tonmaterial zugrunde liegt.

Weitere seriöse Medien sprechen von Buhrufen

Mehrere seriöse Medien griffen die Vorgänge auf und berichteten über die Buhrufe gegen den US-Vizepräsidenten. Die Reaktionen werden darin den politischen Spannungen rund um den Besuch von Vance zugeschrieben. Vor der Eröffnungsfeier demonstrierten mehrere Hundert Studierende gegen die Anwesenheit von Beamten der US-Einwanderungsbehörde ICE in Italien, die Teil der Sicherheitsdelegation der US-Olympiamannschaft gewesen sein sollen. Die Behörde steht in den USA wegen ihres Vorgehens gegen Migranten in der Kritik.

(Stand: 11.2.2026)

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USA, Politik

Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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