Die Überschrift lautet: «Erster Todesfall in Erfurt! Lage eskaliert komplett!» Im Verlauf des Videos ist von einer «unfassbaren Eskalation» die Rede, der Parteitag sei zu einem «Horrormärchen» geworden. Ein AfD-Politiker habe alles selbst live gefilmt. Dazu werden Bilder von Polizisten und Demonstranten eingeblendet, von einer Gewalteskalation oder einem Todesfall ist hingegen nichts zu sehen.
Bewertung
Das Video selbst liefert keinerlei Beleg für einen Todesfall im Kontext der Proteste in Erfurt. Der Polizei ist ein solcher Fall nicht bekannt, es gibt auch keine Medienberichte darüber.
Fakten
Um welches Video eines AfD-Politikers es sich handelt, bleibt in der TikTok-Version offen, da der Clip abrupt endet. Aufschluss gibt eine längere Fassung, die auf YouTube verbreitet wurde.
Ab Minute 1:28 wird darin die Aufnahme einer Autofahrt gezeigt, die der AfD-Bundestagsabgeordnete Martin Sichert am Samstagmorgen bei X veröffentlicht hatte. Im YouTube-Video ist das gut siebenminütige Video von Sichert fast komplett zu sehen, Gewaltszenen kommen darin jedoch nicht vor – nicht einmal Demonstrierende sind zu sehen.
Anschließend sieht man im YouTube-Video Bilder von Demonstrierenden, die zum Teil von Polizeikräften verfolgt werden. Auch diese wurden zuvor bei X verbreitet. In den Videos sieht man zwar Demonstranten, die zu Boden gehen und Polizisten, die Schlagstöcke einsetzen – doch nichts deutet auf schwer verletzte Personen hin.
Es gibt keine Berichte über einen Todesfall
Weder das TikTok- noch das YouTube-Video belegen also einen Todesfall in Erfurt – und auch sonst finden sich keine Quellen, die das bestätigen würden. Die Thüringer Polizei schrieb in einer Pressemitteilung am Sonntag lediglich von Körperverletzungsdelikten und von der Anwendung unmittelbaren Zwangs durch die Polizei.
Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am 6. Juli erklärte eine Sprecherin der Polizei: «Uns ist im Zusammenhang mit den Ereignissen in Erfurt zwischen dem 3. Und 5. Juli 2026 kein Todesfall bekannt. Wir können diese Aussage nicht bestätigen.»
Auch Medienberichte über einen Todesfall finden sich nicht. Die «taz» berichtete lediglich über Gewaltszenen. Demnach sei etwa ein Demonstrant so schwer verletzt worden, dass er im Krankenhaus behandelt werden musste. Zudem seien Medienmacher angegriffen worden und laut Polizei leicht verletzt worden. Gegenüber der dpa räumte die Polizei ein, mehrfach Pfefferspray und Schlagstöcke eingesetzt zu haben.
(Stand: 6.7.2026)
