Bewertung
Die durchschnittliche Menge des Blutverlustes pro Zyklus liegt deutlich niedriger, etwa bei 30 bis 60 Millilitern. Bei der Berechnung der Gesamtmenge ist zudem ein Fehler unterlaufen. Die errechnete Literzahl ist dadurch etwa zwanzigmal so hoch wie der tatsächliche Durchschnittswert.
Fakten
Im Post auf Instagram scheinen mehrere Dinge durcheinander geraten zu sein. Es werden insgesamt zehn Fakten genannt – die ersten sechs Zahlen sind als Näherungswerte korrekt: So heißt es, dass Frauen durchschnittlich 40 Jahre lang fruchtbar sind. Ähnliche Angaben finden sich an verschiedener Stelle. Das WDR-Wissenschaftsformat Quarks spricht hier zum Beispiel von etwa 38 Jahren.
Eingeschränkt ist auch der darauffolgenden Aussage zuzustimmen, dass Frauen alle 28 Tage ihre Periode haben. Durchschnittlich dauert der Zyklus vier Wochen, die Blutung dauert jedoch mehrere Tage. Innerhalb von 40 Jahren sind das rund 521 Zyklen, wie im Post berechnet.
Auch die genannte durchschnittliche Menstruationsdauer von fünf Tagen deckt sich mit offiziellen Angaben. So schreibt die Amerikanische Gesellschaft für Geburtshilfe und Gynäkologie (ACOG) von sieben oder weniger Tagen. Daraus ergeben sich bei 521 Zyklen in der fruchtbaren Phase einer Frau tatsächlich etwas mehr als sieben Jahre.
Blutmenge zu hoch angegeben
Der erste wirklich grobe Fehler taucht in der daran anschließenden Behauptung auf, in der es heißt, dass eine Frau im Durchschnitt bei jeder Periode etwa 150 Milliliter Blut verliert. Das stimmt unter normalen Bedingungen nicht.
Wie viel Blut verloren wird, ist individuell unterschiedlich und hängt zudem von verschiedenen Faktoren ab, wie Krankheit, Verhütungsmethoden und unterschiedlichen Lebensphasen. Es gibt also menstruierende Frauen, die mehr Blut verlieren, im Durchschnitt sind es jedoch pro Periode etwa 30 bis 60 Milliliter reines Blut – also deutlich weniger, als im Instagram-Post behauptet wird.
Die Zahl beruht möglicherweise auf einer Verwechslung zwischen dem reinen Blutverlust und der gesamten Menstruationsflüssigkeit. Hier sind zum Beispiel auch abgestoßene Gebärmutterschleimhaut, Gewebeflüssigkeit wie auch Zervix- und Vaginalsekrete inbegriffen. Dadurch kann das Volumen deutlich höher ausfallen. Laut einer Studie macht das reine Blut etwa die Hälfte der Menstruationsflüssigkeit aus.
Rechenfehler verzerrt Ergebnis stark
Falsch geht es dann auch in der Folgerechnung weiter. Es wird behauptet, dass eine Frau im Laufe ihres Lebens 391 Liter Blut verlieren würde. Doch auch bei dem unrealistischen Wert von 150 Milliliter pro Zyklus kommt das nicht hin: Bei 521 Zyklen wären das insgesamt 78.150 Milliliter, also knapp über 78 Liter.
Die deutlich höhere Menge resultiert aus einem Denkfehler: Auf 391 Liter kommt man, wenn man statt der Anzahl der Zyklen die Gesamtzahl der Menstruationstage mit 150 Millilitern multipliziert.
Wenn man mit dem realistischen Wert von 40 Millilitern pro Zyklus rechnet, lautet das Ergebnis für 521 Zyklen 20.840 Milliliter, also knapp 21 Liter Blut.
Die Aussage danach ist dann wieder korrekt: Ein Durchschnittsmann hat ungefähr 6 Liter Blut im Körper. Die letzte Behauptung, dass es das Blut von 65 Männern brauche, um den Blutverlust einer Frau gleichzukommen, ist wegen der falschen Berechnung und der falschen Zahlen zuvor entsprechend wieder inkorrekt.
(Stand: 2.7.2026)
