Bewertung
Dies ist eine unseriöse Grafik. Als Quelle wird «PrognosUmfragen» angegeben – dabei handelt es sich allein um einen anonymen X-Account. Es gibt kein anerkanntes Umfrageinstitut dahinter. Transparenzstandards der Meinungsforschung werden nicht erfüllt.
Fakten
Die angeblichen Umfrageergebnisse von «PrognosUmfragen» werden nur auf einem gleichnamigen X-Account veröffentlicht. Der X-Account verweist auf kein Impressum, der Nutzer ist damit nicht identifizierbar. Eine Webseite von «PrognosUmfragen» ist nicht auffindbar.
«PrognosUmfragen» gibt an, «Wahlprojektionen auf Grundlage von Umfragen und Analysen» zu erstellen – allerdings ohne mitzuteilen, wie diese erstellt werden. Als Projektionen bezeichnet man Umfrageergebnisse, die unter anderem mit langfristigen politischen Einstellungen verrechnet werden. So sollen Umfragen die Wahlergebnisse noch genauer voraussagen. Die dargestellten angeblichen Werte weichen teils deutlich von den Umfragewerten seriöser Meinungsforschungsinstitute ab.
Wer hinter dem X-Account steht, ist unklar. Auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) via X für einen früheren Faktencheck wollte sich der Betreiber dazu nicht äußern. Laut eigenen Angaben beschäftigt er oder sie mehrere Mitarbeiter, die mindestens Masterabschlüsse im sozialwissenschaftlichen Bereich haben.
Intransparente Finanzierung
Genaue Angaben, wie die Finanzierung und das Geschäftsmodell der angeblichen Projektionen aussehen, machte der Betreiber des Profils nicht. Laut eigenen Angaben erhält «PrognosUmfragen» keine öffentlichen Fördergelder, die Finanzierung stützt sich auf «inländische Quellen». Nach Angaben des Account-Inhabers befindet sich der Hauptsitz von «PrognosUmfragen» in Baden-Württemberg. Ein Eintrag im Handelsregister, der diese Angabe bestätigen würde, findet sich jedoch nicht.
All diese fehlenden Details zeigen, dass es sich nicht um seriöse Umfragen oder Projektionen handelt. Meinungsforschung sollte gewissen Transparenz-Standards entsprechen.
Kritik an «PrognosUmfragen» schon vor Jahren
Die hat der Rat der Deutschen Markt- und Sozialforschung in einem Statement zu «PrognosUmfragen» vom September 2023 dargelegt. Demnach müssen bei Umfragen unter anderem Angaben zur Stichprobengröße, Methode, zum angewandten Erhebungsverfahren und Untersuchungszeitraum veröffentlicht werden. All dies gibt «PrognosUmfragen» nicht an.
Auf dpa-Anfrage erklärt der Vorstandsvorsitzende des Rates, Raimund Wildner bereits 2024: «Grundsätzlich ist nicht erkennbar, ob die Umfrage seriös ist oder nicht. Die Art der Darstellung ist es jedenfalls nicht.»
Daher forderte der Rat der Deutschen Markt- und Sozialforschung den Account auf, sich an den Branchenkodex zu halten und «derart unseriöse „Umfragezahlen“ nicht weiterzuverbreiten».
Keine Verbindung zur Schweizer Prognos AG
Die dpa veröffentlichte bereits 2019 einen Faktencheck über «PrognosUmfragen» und weitere in den folgenden Jahren, da die unseriösen Umfragen immer wieder aufgegriffen werden.
Auffällig ist die Namensähnlichkeit zwischen dem X-Account und der Prognos AG, einem Schweizer Wirtschaftsforschungsinstitut. «Die Person hinter dem Account ist uns nicht bekannt und steht in keiner Beziehung zur Prognos AG», erklärte die Prognos AG bereits im Jahr 2019 in einer Stellungnahme. «PrognosUmfragen» fügte anschließend in die X-Vita den Hinweis ein: «nicht Prognos AG».
Im Dezember 2012 veröffentlichte «PrognosUmfragen» erstmals angebliche Umfragewerte auf X, damals Twitter. Seither postete der anonyme Nutzer tausende Beiträge, unter anderem mit Zahlen zu Europa-, Landtags- und Bundestagswahlen.
(Stand: 24.2.2026)
