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Screenshot zeigt Grafik des «Spiegel» und wurde manipuliert

Nach einer Panne des ZDF bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg verbreitet sich nun ein neuer Vorwurf rund um die Wahl in Rheinland-Pfalz. In einem Balkendiagramm mit dem Ergebnis einer Hochrechnung ist der Balken für die AfD zu klein dargestellt. Er passt nicht zu den angegebenen 20 Prozent der Stimmen und im Verhältnis auch nicht zu den Werten und Balken der anderen Parteien. Aber handelt es sich wirklich um einen erneuten Fehler in der Wahlberichterstattung des Senders, wie Social-Media-Nutzer andeuten?

Bewertung

Nein. Zum einen stammt die Grafik nicht vom ZDF, sondern vom «Spiegel». Zum anderen wurde sie bearbeitet, um den Anschein eines Fehlers zu erwecken. Für einen tatsächlichen Fehler des «Spiegels» gibt es keine Belege.

Fakten

Der Vorwurf zerfällt bei genauerem Hinsehen gleich in zwei Teile. Erstens: Die Grafik kommt gar nicht vom ZDF. Sie war am Wahlabend auf der Website des «Spiegel» zu sehen. Schrift, Farben und Gestaltung passen eindeutig zu den dort üblichen Darstellungen und stimmen mit der weiterhin abrufbaren Grafik überein.

Möglicherweise gehen die Social-Media-Beiträge, die von einem Fehler des ZDF sprechen, auf ein Missverständnis zurück: In der Grafik vom Wahlabend ist in der rechten oberen Ecke die Aufschrift «ZDF» zu sehen. Viele Medien, so auch der «Spiegel» und die Deutsche Presse-Agentur, greifen kurz nach Schließung der Wahllokale zunächst auf Zahlen der öffentlich-rechtlichen Sender zurück.

Neben der ARD veröffentlicht auch das ZDF bei Landtagswahlen ab 18 Uhr zunächst Prognosen und dann Hochrechnungen. Der «Spiegel» hat also ZDF-Zahlen verwendet – nicht umgekehrt.

Bildfehler deuten auf nachträgliche Bearbeitung hin

Zweitens: Die Zahlen in der Grafik entsprechen einer ZDF-Hochrechnung von 18.22 Uhr. Mit dem vorläufigen Wahlergebnis veränderten sich die Prozentwerte der Parteien noch einmal leicht, die AfD erhielt letztlich 19,5 Prozent der Stimmen. Klar ist aber: Beim ZDF ist diese Grafik nicht erschienen, sondern wenn überhaupt, dann beim «Spiegel», der ZDF-Zahlen verwendete.

Hat also der Spiegel eine fehlerhafte Grafik mit einem zu kleinen AfD-Balken veröffentlicht? Auch dieser Vorwurf ist falsch. Bei genauer Betrachtung fällt auf, dass am AfD-Balken eine Bildbearbeitung vorgenommen wurde.

Oberhalb der blauen Farbe sind weitere farbige Punkte zu sehen. Vermutlich wurde der obere Teil des Balkens weiß überdeckt oder digital «radiert». Dazu passt, dass der obere Abschluss des Balkens – anders als bei den anderen Parteien – keine abgerundeten Ecken hat.

«Spiegel» spricht von Manipulation

An einer zweiten Stelle wurde das Bild wohl ebenfalls bearbeitet. Bei echten «Spiegel»-Grafiken mit Hochrechnungen kann man zwischen den Zahlen von ARD und ZDF auswählen, wie ein anderer Screenshot vom Wahlabend zeigt. Im manipulierten Bild fehlt die Aufschrift «ARD» jedoch. Dafür sind auch hier farbige Punkte als Rückstand der Bildbearbeitung zu sehen.

Auf dpa-Anfrage teilte ein «Spiegel»-Sprecher mit, dass man ebenfalls von einer Bildmanipulation ausgehe. Es gibt also im Zusammenhang mit der Wahl in Rheinland-Pfalz weder für einen Grafikfehler des ZDF noch für einen des «Spiegel» einen Beleg.

Rund zwei Wochen zuvor hatte das ZDF allerdings tatsächlich eine fehlerhafte Wahlgrafik veröffentlicht. Am Tag nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg war die neue Sitzverteilung im Landtag zweimal falsch dargestellt worden. In der Grafik fiel der AfD-Anteil zu klein aus, wie der Sender in einer Richtigstellung schreibt.

(Stand: 23.3.2026)

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Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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