Bewertung
Die 37 Grad an diesem Tag wurden nicht an einer offiziellen Messstation verzeichnet. Heiße Tage gibt es zudem inzwischen deutlich häufiger als in der 1970er Jahren. Das Bild ist außerdem nicht authentisch. Die echte «Bild»-Titelseite zeigte zwar diese Schlagzeile, sah aber anders aus.
Fakten
Ein Blick ins Archiv des Deutschen Wetterdienstes (DWD) (hier und hier) zeigt, dass der behauptete Wert Anfang August 1975 gar nicht gemessen wurde. Die Höchsttemperatur im gesamten August 1975 in der damaligen Bundesrepublik wurde in Bremen mit 35,2 Grad erreicht.
Wie aber kam es zu der Schlagzeile? Dazu muss man zunächst nach der vollständigen – beziehungsweise echten – «Bild»-Titelseite suchen. Denn diese sah am 5. August 1975 anders aus, auch wenn die größte Schlagzeile tatsächlich «37 Grad» lautete und sich auf der Seite auch ein Bericht über den Fußballer Gerd Müller befand.
Im Netz findet sich die abfotografierte echte «Bild»-Ausgabe. Sie zeigte ein anderes Foto sowie am oberen Rand weitere Texte und Werbeanzeigen. Beim aktuell kursierenden Bild handelt es sich vermutlich um eine KI-generierte Verfremdung der Originalseite.
«Bild» schrieb vom «Häusermeer» der Großstädte
Doch dadurch ist wichtiger Kontext verloren gegangen: Im Text unter der Überschrift lässt sich entziffern, wo es laut «Bild» so warm geworden sein soll. «Im Häusermeer deutscher Großstädte stieg die Temperatur gestern auf 37 Grad», heißt es im ersten Satz. Eine genaue Ortsangabe oder eine Messstation des Deutschen Wetterdienstes wird nicht genannt.
Wetterstationen sollen repräsentative Werte für die Umgebung liefern und werden deswegen zum Beispiel nicht im Zentrum einer Großstadt aufgestellt, heißt es in einer Erklärung des DWD. Urbane Gebiete heizen sich unter anderem wegen der dichten Bebauung und der asphaltierten Straßen schneller und stärker auf. Bei diesem Phänomen spricht der DWD auch von städtischen Wärmeinseln.
Heiße Tage haben zugenommen
Der gezeigte Wert ist also unpräzise und durch die verfremdet dargestellte Zeitungsseite zusätzlich irreführend. Zwar hat es auch in der Vergangenheit vereinzelt sehr hohe Sommertemperaturen gegeben. Die Zahl der sogenannten Heißen Tage mit 30 Grad und mehr nimmt aber seit Jahrzehnten zu, wie DWD-Zahlen zeigen. Die Marke von 40 Grad wurde in Deutschland erstmals im Jahr 1983 überschritten, dann erst wieder im Jahr 2003. Seither gibt es solche Höchsttemperaturen immer häufiger.
Klimawissenschaftler der Organisation World Weather Attribution schreiben über die aktuelle Hitzewelle im Juni 2026, dass sie ohne den Effekt des Klimawandels nahezu ausgeschlossen wäre. Sowohl die aktuellen Tageshöchsttemperaturen als auch die Nachttemperaturen wären zu dieser Jahreszeit vor 50 Jahren «praktisch unmöglich» gewesen, heißt es in einem Bericht.
(Stand: 26.6.2026)
