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Leere Masten an Siegessäule, doch Dienstgebäude zeigen Flagge

Mit einem Foto von leeren Fahnenstangen an der Berliner Siegessäule verbreitet der frühere «Bild»-Chefredakteur Julian Reichelt die Aussage, am Tag der Deutschen Einheit sei in Berlin «keine einzige deutsche Flagge gehisst» gewesen. Auch der Berliner AfD-Politiker Julian Adrat behauptet wahrheitswidrig, die Bundesregierung sei nicht in der Lage, «zum Tag der Deutschen Einheit Deutschlandfahnen zu hissen».

Bewertung

An der Siegessäule bleiben die Masten zwar leer. Die Behauptung, in ganz Berlin sei «keine einzige» Nationalflagge gehisst, ist jedoch falsch. Manche offiziellen Gebäude wie der Reichstag sind sogar ständig beflaggt.

Fakten

Wie eine Webcam am Brandenburger Tor zeigt, sind auf dem Reichstag Deutschlandflaggen gehisst. Über eine Archivsuche ist ersichtlich, dass dies auch am 3. Oktober der Fall war.

Nach der Flaggenordnung des Bundestages ist jeder der vier Türme des Reichstagsgebäudes ständig beflaggt: drei mit der schwarz-rot-goldenen Bundesflagge, einer mit der Europaflagge. Diese Regelung geht auf eine Entscheidung des Ältestenrates aus dem Jahr 1996 zurück. Zudem wehen vor den Eingängen zum Reichstag Bundes- und Europaflaggen sowie an weiteren Dienstgebäuden des Bundestages.

Am Tag der Deutschen Einheit werden Flaggen bundesweit gehisst

Nach dem Erlass der Bundesregierung über die Beflaggung der Dienstgebäude des Bundes von 2005 sind am Tag der Deutschen Einheit «bundesweit die Dienstgebäude aller Behörden und Dienststellen des Bundes zu beflaggen» – also auch in der Hauptstadt. Dies gelte genauso für die Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts, die der Aufsicht von Bundesbehörden unterstehen.

In der Berliner Beflaggungsverordnung ist zudem festgelegt, dass generell am Tag der Deutschen Einheit auch alle Gebäude, die dem Land Berlin unterstellt sind, «hoheitlich zu beflaggen» sind.

Großer Stern bei Staatsbesuchen beflaggt

Weder der Erlass der Bundesregierung von 2005 noch die Berliner Beflaggungsordnung decken die Siegessäule am Großen Stern ab, denn das Denkmal ist kein staatliches Dienstgebäude.

Aus Denkmalschutzgründen gibt es an der Siegessäule keine festen Fahnenmasten, sondern nur Hülsen im Boden, die bei besonderen offiziellen Anlässen für Fahnenmasten genutzt werden.

Der Große Stern gehört zur sogenannten Protokollstrecke. Bei Staatsbesuchen werden auf Veranlassung des Auswärtigen Amtes 24 Fahnenmasten bestückt. Abwechselnd sind dabei die Europaflagge, die Flagge des Gaststaats und die Bundesflagge zu sehen, wie etwa bei einem Staatsbesuch aus Israel im September 2022.

Neben dem offiziellen Staatsdiplomatie-Protokoll wird der Große Stern aber auch regelmäßig als prominente Kulisse für andere Flaggen- und Symbolaktionen genutzt: etwa während des Berlin-Marathons oder der Technologiemesse IFA.

Was der Berliner Senat zur Beflaggung sagt

Die Zuständigkeit für die hoheitliche Beflaggung im öffentlichen Raum in Berlin obliegt nicht der Bundesregierung, sondern dem Land Berlin.

Auf Anfrage des Faktencheck-Teams der Deutschen Presse-Agentur teilt Senatssprecherin Christine Richter am 8. Oktober 2026 mit, das Land Berlin genehmige «in Abstimmung mit dem Auswärtigen Amt und der Wirtschaftsförderorganisation Berlin Partner» Beflaggungen unter anderem am Großen Stern «zu besonderen Anlässen».

Die Sprecherin stellt zudem klar: «Am Tag der Deutschen Einheit werden gemäß der Beflaggungsverordnung die Dienstgebäude des Landes Berlins hoheitlich beflaggt.»

Eine regelmäßige Beflaggung des Großen Sterns mit der Deutschlandfahne anlässlich des Tages der Deutschen Einheit in den vergangenen Jahren ist nicht bekannt.

(Stand: 9.10.2026)

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Politik, Gesellschaft

Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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