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Khelif bezeichnet sich weiterhin als Frau.
Fakten
In jüngsten Gesprächen mit der französischen Sportzeitschrift «L’Équipe» und dem US-Nachrichtensender CNN bekräftigt Khelif, eine Frau zu sein:
«Ich bin ein Mädchen, eine junge arabische Muslimin, eine Boxerin», sagt sie den «L’Équipe»-Journalisten in einem Anfang Februar erschienenen Interview (kostenpflichtig). «Ich bin keine Transsexuelle. Mein Unterschied ist natürlich. Ich bin einfach so. Ich habe nichts unternommen, um zu ändern, wie mich die Natur geschaffen hat.»
Auch in einem CNN-Interview von Ende Januar sagt sie: «Ich habe nichts mit Transgender zu tun. Ich kenne mich. Ich bin weiblich geboren. Ich wurde als Mädchen großgezogen, ich bin als Mädchen zur Schule gegangen. (…) Ich war immer eine Frau.» Das US-Medium verbreitet dazu Fotos, die Khelif als junges Mädchen zeigen sollen.
Wenn das Internationale Olympische Komitee (IOC) für die Teilnahme an den Spielen in Los Angeles 2028 einen Geschlechtstest verlange, werde sie sich dem unterziehen, sagt Khelif. «Natürlich würde ich alles tun, was für eine Teilnahme an den Wettkämpfen erforderlich ist.»
Was es mit dem SRY-Gen auf sich hat
Auf die Frage der «L’Équipe»-Journalisten, ob sie einen weiblichen Phänotyp habe [das sind die äußerlich erkennbaren Merkmale eines Individuums], aber das sogenannte SRY-Gen besitze, antwortet Khelif: «Ja, und das ist natürlich. Ich habe weibliche Hormone.» Sie habe ihren Testosteronspiegel für Wettkämpfe bereits gesenkt. «Ich habe Hormonbehandlungen genommen, um meinen Testosteronspiegel zu senken.»
Was heißt das biologisch? Das sogenannte SRY-Gen sitzt normalerweise auf dem Y-Chromosom und sorgt dafür, dass beim frühen Embryo die Entwicklung von Hoden und männlichen Merkmalen beginnt. Typischerweise besitzen Mädchen und Frauen das Chromosomenpaar XX, Jungen und Männer XY.
Medizinisch erforscht sind aber auch Ausnahmen: Es gibt Fälle, bei denen das SRY-Gen von einem Y-Chromosom auf ein X-Chromosom übertragen wurde und daher bei Frauen vorkommt, und andere, bei denen das Gen so verändert ist, dass sich trotz Y-Chromosom weibliche Körpermerkmale entwickeln.
Das bloße Vorhandensein des SRY-Gens ist nach Angaben des Reproduktionswissenschaftlers Andrew Sinclair kein zuverlässiger Indikator zur Bestimmung des biologischen Geschlechts. Er hat das Gen 1990 entdeckt und forscht bis heute daran.
Ein SRY-Test gebe lediglich Auskunft darüber, ob das Gen vorhanden sei oder nicht, schreibt Sinclair in seinem Artikel vom August 2025. Es gebe keine Auskunft darüber, «ob sich ein Hoden gebildet hat, ob Testosteron produziert wird und, falls ja, ob es vom Körper verwertet werden kann».
(Stand: 20.2.2026)
