Seitdem das US-Justizministerium Ende Januar 2026 mehr als drei Millionen Dokumente zum Fall Jeffrey Epstein veröffentlicht hat, kursieren online Bilder, die angeblich Prominente aus aller Welt mit dem verurteilten Sexualstraftäter zeigen sollen. Ein solches Bild von Bundeskanzler Friedrich Merz machte auch in deutschen sozialen Medien die Runde. Mehrere Tools zeigten jedoch auf, dass das Bild mittels Künstlicher Intelligenz manipuliert wurde. Ein Regierungssprecher von Merz sagte auch, dass das Bild eine Fälschung sei.
„Friedrich Merz ist dabei!“, lautet ein Beitrag auf Facebook vom 6. Februar 2026, der fast 1000 Mal geteilt wurde. Dazu wird ein Foto verbreitet, auf dem zu sehen ist, wie Kanzler Friedrich Merz (CDU) im Anzug neben dem lächelnden Sexualstraftäter Jeffrey Epstein steht und ihn an der Schulter hält. „Merz erwischt“, wird in Blockbuchstaben eingeblendet. Diese angebliche „Eilmeldung“ verbreitete sich auf mehreren Facebook-Seiten und generierte auf X 100.000 Aufrufe. Auf Threads war die Falschbehauptung ebenso zu lesen.
Auch ein zweites Foto wurde auf Facebook geteilt. Darauf ist Merz von der Seite neben Epstein zu sehen. In den Kommentaren riefen Nutzerinnen und Nutzer den Bundeskanzler deshalb zum Rücktritt auf.
Beide Fotos wurden auch auf Websites publiziert, die vorgeben, seriöse Nachrichtenunternehmen zu sein. Doch ein fehlendes Impressum deutet etwa darauf hin, dass es sich dabei um keine vertrauenswürdigen Quellen handelt.

Die Bilder sind nicht echt. Sie wurden mit hoher Wahrscheinlichkeit mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und finden sich zudem nicht in den zuletzt veröffentlichten Dokumenten der US-Behörden.
Der Name von Friedrich Merz taucht zwar in den veröffentlichten Akten auf, doch der Treffer liefert keine Hinweise auf eine angebliche Verstrickung.
Bilder wurden gefälscht
Eine umgekehrte Bildsuche führte jeweils zu echten Bildern, die Epstein neben anderen bekannten Personen zeigen. Das erste Bild wurde im Jahr 1997 von der Fotoagentur Getty Images veröffentlicht. Darauf posiert laut Bildbeschreibung US-Präsident Donald Trump mit Epstein in Palm Beach im US-Bundesstaat Florida. Trump wurde in dem Bild durch Merz ersetzt.
Dass dieses Bild in der Fotomontage mit Merz verwendet wurde, belegen der identische Gesichtsausdruck von Epstein und seine Kleidung. Das Originalfoto erschien in mehreren Medienberichten im Laufe der Jahre.
AFP fand auch Hinweise, die auf eine Fälschung mithilfe von KI hindeuten. Eine Abfrage mit dem SynthID Detector-Tool von Google ergab, dass das Bild mit der KI von Google generiert wurde, wie im folgenden Screenshot zu sehen ist. SynthID, das 2023 vom Deepmind-KI-Labor von Google eingeführt wurde, identifiziert Bilder und versieht sie mit Wasserzeichen, wenn sie mit der KI von Google bearbeitet wurden.
Zudem ergab eine Analyse mit dem frei zugänglichen Tool ImageWhisperer, das Verifikationsexperte Henk van Ess erstellte und derzeit weiterentwickelt, dass das kursierende Bild Anzeichen von Manipulation aufzeigt.

Dem zweiten gefälschten Bild von Merz und Epstein liegt ebenfalls ein altes Foto des verstorbenen US-Straftäters von Getty Images zugrunde, welches mit dem Jahr 2000 datiert ist. Aus dem Originalfoto ist abzuleiten, dass Merz in der Montage den Platz des Musikers Michael Bolton einnimmt. Das Foto wurde in Medienberichten immer wieder verwendet, etwa in einem Artikel des Magazins „Rolling Stone“ aus dem Jahr 2025.
Eine Abfrage mit SynthID ergab ebenfalls, dass das Bild mithilfe der KI von Google bearbeitet wurde. Eine Analyse mit InVID WeVerify, an dessen Entwicklung AFP beteiligt ist, deutete mit einer Wahrscheinlichkeit von 65 Prozent auf eine Bearbeitung mittels KI hin.

Herkömmliche Detektoren analysieren lediglich rein mathematische Pixelmuster, anstatt wie Menschen auf visuelle Logikfehler zu achten. Das kann mitunter zu unschlüssigen Ergebnissen führen.
Ein Sprecher von Friedrich Merz schrieb am 11. Februar 2026 auf AFP-Anfrage: „Bei diesen Fotos handelt es sich um montierte Fälschungen, die Zusammenhänge sind frei erfunden.“ Er sprach von „Falschbehauptungen“, die „jeglicher Grundlage entbehren“ würden und verneinte „persönliche Kontakte zwischen dem Bundeskanzler und Jeffrey Epstein“.
Epstein-Dokumente sind im Kontext zu betrachten
Der Fall Epstein belastet hochrangige Prominente weltweit. Die bloße Erwähnung einer Person in den Dokumenten lässt jedoch nicht automatisch auf ein Fehlverhalten schließen, wie AFP bereits berichtete. Dennoch belegen die veröffentlichten Unterlagen zumindest Verbindungen zwischen dem Sexualstraftäter Epstein oder seinem Umfeld mit bestimmten Persönlichkeiten, die solche Kontakte oft heruntergespielt oder geleugnet haben.
AFP fand einen Treffer zu Friedrich Merz in den öffentlich zugänglichen Epstein-Akten. Dabei handelt es sich um eine Auflistung in einem Blogpost von mehreren europäischen Politikerinnen und Politikern sowie weiteren Persönlichkeiten, die darin als Teil der „Illuminati Families and Their Associates“ (zu Deutsch: Illuminati-Familien und ihre Verbündeten) bezeichnet werden. In einem Artikel des Faktencheck-Teams von Correctiv vom 11. Februar 2026 wird darauf näher eingegangen.

Epstein wurde 2019 vor seinem Prozess wegen Sexualverbrechen erhängt in seiner New Yorker Gefängniszelle aufgefunden. Sein Tod befeuerte zahllose Verschwörungserzählungen, wonach er etwa ermordet worden sei, um einflussreiche Persönlichkeiten zu schützen. Aus einem Bericht des US-Justizministeriums aus dem Jahr 2023 geht hervor, dass die Autopsie eines Gerichtsmediziners ergab, dass Epsteins „Todesursache Erhängen und die Todesart Suizid“ war – eine Tatsache, die Beamte seither wiederholt bekräftigt haben.
Auch das Faktencheck-Team von Correctiv legte in seinem Artikel zu diesem Thema dar, dass „die aktuellen Epstein-Files keinerlei Hinweis dafür“ liefern würden, „dass Merz mit den Straftaten Epsteins zu tun hatte“.
AFP überprüfte bereits mehrere Behauptungen zu diesem Fall und zum Thema KI.
Fazit: Online kursierende Bilder, die Bundeskanzler Friedrich Merz mit Jeffrey Epstein zeigen sollen, wurden gefälscht. Die Originalfotos zeigen den verurteilten Sexualstraftäter etwa mit US-Präsident Donald Trump und einem Musiker. Mehrere Tools bestätigen zudem Hinweise auf eine Manipulation mittels Künstlicher Intelligenz. Ein Regierungssprecher nannte die Behauptung außerdem „frei erfunden“.
