Bewertung
Falsch. Nirgendwo im Werk Homers werden Helena blonde Haare zugeschrieben. Zudem ist sie ein fiktionaler Charakter und keine historische Person.
Fakten
Tech-Milliardär Elon Musk ätzte Ende Januar 2026 gegen Regisseur Nolan: Dieser habe «seinen Anstand verloren» – offensichtlich weil er es wagen konnte, die dem Mythos nach schönste Sterbliche ihrer Zeit nicht mit einer weißen und blonden Frau zu besetzen, wie es etwa im Blockbuster «Troja» (2004) mit der Deutschen Diane Kruger der Fall war.
Homer beschreibt Helena nur vage
Wer in Homers Werken nach detaillierten Zeugnissen von Helenas Schönheit sucht, wird bitter enttäuscht. Lediglich vereinzelte Zuschreibungen wie «weißarmig» (Ilias, 3. Gesang, Vers 121) oder schlicht «schön» sind verbürgt. Von «blond» steht dort nichts, wie etwa anhand der Datenbank der homerischen Beiwörter (Epitheta) zu erkennen ist (längere Datenbank-Ladezeit).
Zudem seien solche homerischen Beiwörter «keine verlässlichen ethnischen Merkmale», erklärt die Professorin für Klassische Philologie an der Universität Potsdam, Katharina Wesselmann.
«Es ist unwahrscheinlich, dass Helena in der Vorstellung der Antike schwarz war», so Wesselmann. «Aber wirklich genauso unwahrscheinlich ist es, dass sie so blond war wie Diane Kruger.» Nach Ansicht der Altphilologin ist die aktuelle Diskussion um Nyong’o «eindeutig rassistisch und auch uninformiert» – zumal frühere blond-weiße Besetzungen kaum kritisiert worden seien.
Wegen Helena stachen dem Mythos nach tausend griechische Schiffe in See, um Krieg gegen Troja zu führen. Der trojanische Prinz Paris hatte die Königin aus Sparta entführt. Historisch belegt sind diese Beschreibungen nicht. «Die Fiktionalität der Figuren erlaubt alles», sagt Wesselmann. Helena sei eine komplett erfundene Figur. «Mit ihr darf man machen, was man will.» Richtig sei aber, dass es in der Antike Vorlieben für hellhäutige Frauen gegeben habe.
Helena immer verschieden dargestellt
Homer lässt viel Raum, der über die Jahrhunderte mit den jeweiligen Moden der Zeit gefüllt wurde: Auf antiken griechischen Gefäßen wird Helena mit schwarzem Haar dargestellt, in einem kürzlich freigelegten Fresko in Pompeji ist es rot. In antiken Tragödienaufführungen wurde sie vorrangig von einem Mann verkörpert. Der italienische Maler Guido Reni machte sie zu einer Brünetten, der Engländer Frederick Sandys zu einer viktorianischen Rothaarigen.
Mal spielte Filmikone Elizabeth Taylor im Film «Doktor Faustus» eine dämonisch-dunkle Version. Mal war es die Schwarze Eartha Kitt, die 1950 in einer «Faust»-Inszenierung von Orson Welles als Helena auf der Bühne stand. Damals gab es Jubelstürme – auch in Deutschland.
Ethnische Debatten auch bei anderen Filmen
Dass ein Film dem Vorwurf ausgesetzt ist, seine literarische Vorlage nicht adäquat umzusetzen, ist bei weitem nicht neu. Besonders herablassend aber wird in jüngerer Zeit kommentiert, wenn Schwarze oder andere People of Colour Figuren darstellen, die sich vielen als vermeintlich Weiße ins Gedächtnis gebrannt haben.
Zuletzt etwa gab es rassistische Hetze auch gegen Neuverfilmungen von Disney-Klassikern, weil die Hauptfiguren mal von einer schwarzen US-Sängerin (Halle Bailey in «Arielle»), mal von einer US-Amerikanerin mit lateinamerikanischen Wurzeln (Rachel Zegler in «Schneewittchen») gespielt wurden.
Kontrovers wird aber auch die Besetzung der Verfilmung von Emily Brontës Roman «Wuthering Heights» diskutiert, die Mitte Februar 2026 in den Kinos startet. Die Rolle des ethnisch uneindeutigen Heathcliff übernimmt darin der weiße Schauspieler Jacob Elordi, was zu heftiger Kritik von Brontë-Experten führte. Denn Heathcliff, der im Roman als «dunkelhäutig» beschrieben wird, sei wegen seiner Herkunft im Buch rassistischen Beleidigungen ausgesetzt.
(Stand: 6.2.2026)
