Iran-Krieg: Dieses Video stammt aus Syrien und zeigt keinen Angriff auf einen US-Stützpunkt in der Türkei - Featured image

Iran-Krieg: Dieses Video stammt aus Syrien und zeigt keinen Angriff auf einen US-Stützpunkt in der Türkei

Als Reaktion auf die Angriffe Israels und der USA greift der Iran seit 28. Februar 2026 Israel, mehrere Golfstaaten sowie US-Einrichtungen in der Golfregion an. Daraufhin kursierte eine Falschbehauptung, wonach ein Video angeblich einen iranischen Angriff auf einen US-Stützpunkt in der Türkei zeige. Doch die Aufnahme stammt aus Syrien und zeigt Aleppo während Zusammenstößen zwischen der syrischen Armee und kurdischen Kräften im Januar 2026. Der Journalist im Video bestätigte ebenfalls, dass der Clip nicht mit der Türkei in Verbindung steht.

„Erste Aufnahmen von Angriffen auf den US-Luftwaffenstützpunkt Incirlik in der Türkei“, lautet die Beschreibung eines Facebook-Posts vom 2. März 2026. Dazu teilte ein User ein 47-sekündiges Video, das einen Journalisten zeigt, der auf seiner Jacke eine türkische Flagge trägt. Er scheint den Clip selbst aufzunehmen, während im Hintergrund Rauch aufsteigt.

Der Clip kursierte auch der Plattform Telegram und auf Griechisch.

Facebook-Screenshot der Behauptung, rotes Kreuz von AFP hinzugefügt: 4. März 2026

Der Clip zirkulierte nach einem gemeinsamen US-israelischen Angriff auf den Iran, bei dem am 28. Februar 2026 der oberste Führer Ayatollah Ali Chamenei getötet wurde.

Seit Beginn der Angriffe der Vereinigten Staaten und Israels seien insgesamt 1045 Menschen im Iran getötet worden, erklärte die staatliche Nachrichtenagentur Irna am Mittwoch unter Berufung auf die Stiftung für Märtyrer und Veteranen. Diese Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Der Iran schlug zurück, indem der Staat Israel und andere Golfstaaten angriff, in denen sich US-Stützpunkte befinden.

Am 2. März 2026 trafen iranische Drohnen den britischen Luftwaffenstützpunkt Akrotiri im Süden Zyperns. Eine Quelle der zyprischen Regierung teilte AFP mit, dass der Angriff vermutlich vom nahegelegenen Libanon aus gestartet worden sei, wahrscheinlich durch die pro-iranische Hisbollah-Miliz.

Am selben Tag kündigte Griechenland an, zwei Fregatten und zwei F-16-Kampfjets – später auf vier Flugzeuge erhöht – nach Zypern zu entsenden. Das griechische Verteidigungsministerium erklärte, dies solle Zypern dabei unterstützen, „Bedrohungen und illegalen Handlungen auf seinem Territorium entgegenzuwirken“.

Das in sozialen Medien geteilte Video wurde jedoch in Syrien aufgenommen und kursierte bereits vor dem Kriegsausbruch im Iran.

Video wurde in Syrien gefilmt

Eine umgekehrte Bildsuche mit Screenshots aus dem Video führte zu einem Instagram-Post vom 10. Januar 2026. Dabei handelt es sich offenbar um ein Video, das ursprünglich vom darin gezeigten türkischen Journalisten Mehmet Altunışık gepostet wurde.

Laut seiner Instagram-Bio arbeitet er für den privaten Nachrichtensender Haber Global. Der Name des Unternehmens ist auch auf dem Mikrofon zu sehen, das er im Video hält.

Der Beitrag trägt folgende Bildunterschrift auf Türkisch: „Şeyh Maksud’ta çatışma şiddetlendi..“, was so viel wie „Die Zusammenstöße in Scheich Maksud haben sich verschärft“ bedeutet. Der Post ist mit den Hashtags #syria und #aleppo versehen.

Seit dem 6. Januar 2026 hatten syrische Regierungstruppen in der syrischen Stadt Aleppo gegen kurdische Kräfte gekämpft, die sich einen Autonomiestatus gegen Assad und gegen Islamisten wie die Terrororganisation „Islamischer Staat“ im Nordosten Syriens erkämpft haben.

Dabei wurde das mehrheitlich kurdische Viertel Scheich Maksud von der syrischen Armee angegriffen, die die Bewohnerinnen und Bewohner aufforderte, das Gebiet vor erneuten Angriffen zu evakuieren.

Vergleich zwischen der auf Facebook geteilten Behauptung mit dem Video (links) und dem Originalbeitrag auf Instagram (rechts). Rotes Kreuz und gelbe Markierungen von AFP hinzugefügt: 3. März 2026

Der Journalist Altunışık dementierte selbst in mehreren X-Beiträgen, dass das Video in der Türkei aufgenommen worden sei.

In einem der Beiträge schrieb er, die Behauptung sei „völlig haltlos“ und bestätigte, dass die Aufnahmen in Syrien entstanden seien und eine Operation im Viertel Aschrafijeh zeigten. „Es hat nichts mit der Türkei zu tun“, merkte er an.

AFP fand mehrere Videos des Journalisten, der im Januar 2026 über die Lage in Aleppo berichtete.

Im Video ist Aleppo zu sehen

Durch Geolokalisierung fand AFP den im Video gezeigten Ort auf Google Street View. Im Hintergrund ist die Ar‑Rahman‑Moschee in Aleppo zu sehen.

Vergleich zwischen der auf Facebook geteilten Behauptung mit dem Video (links) und einem Screenshot von Google Street View. Rotes Kreuz und gelbe Markierungen von AFP hinzugefügt: 3. März 2026

De Gebäude auf der gegenüberliegenden Seite der Moschee sowie eine breite Hauptstraße erscheinen ebenfalls identisch.

Vergleich zwischen der auf Facebook geteilten Behauptung mit dem Video (links) und einem Screenshot von Google Street View. Rotes Kreuz und gelbe sowie blaue Markierungen von AFP hinzugefügt: 3. März 2026

Das von dem Journalisten Altunışık erwähnte Viertel Aschrafijeh liegt weniger als zwei Kilometer von der Moschee entfernt.

Das Gebiet wurde Anfang Januar 2026 während der Zusammenstöße zwischen der syrischen Armee und kurdischen Kräften getroffen, wie Fotos der Bildagentur Anadolu zeigen, die von AFP verbreitet wurden.

Keine bestätigten iranischen Angriffe auf US-Stützpunkte in der Türkei

Bis zur Veröffentlichung dieses Faktenchecks am 5. März 2026 gab es es keine gesicherten offiziellen Berichte über einen Angriff des Iran auf den US‑Stützpunkt Incirlik oder auf andere US-Militärbasen in der Türkei.

Obwohl der Iran seit dem 28. Februar 2026 Raketen und Drohnen im gesamten Nahen Osten abgefeuert hat, gibt es keine bestätigten iranischen Angriffe auf die Türkei, obwohl dort mehrere sensible Standorte mit US‑Präsenz liegen.

Expertinnen und Experten erklärten gegenüber AFP am 2. März 2026, dass die Risiken eines direkten militärischen Vorgehens des Iran gegen die Türkei „für Teheran sowohl politisch als auch militärisch extrem hoch wären“ und ein Angriff „eine symmetrische Reaktion Ankaras auslösen könnte“.

AFP hat weitere Falschbehauptungen über den Krieg im Nahen Osten überprüft.

Fazit: Ein Video, das angeblich einen iranischen Angriff auf einen US-Stützpunkt in der Türkei zeigen soll, stammt aus Syrien und zeigt Aleppo während Zusammenstößen zwischen der syrischen Armee und kurdischen Kräften im Januar 2026. Der Journalist im Video bestätigte ebenfalls, dass es nicht mit der Türkei in Verbindung steht.

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USA, Politik

Autor(en): Elena CRISAN / Magdalini GKOGKOU / AFP Österreich / AFP Griechenland

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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