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Keine Belege für angebliche «Erstplatzierungen» in Wahlkreisen

Während die AfD in vielen Meinungsumfragen gleichauf mit der Union liegt, verbreiten Nutzer in den sozialen Netzwerken im November 2025 eine Karte, die große Teile Deutschlands blau eingefärbt zeigt. Bei genauer Betrachtung sieht man, dass hier die Wahlkreise zur Bundestagswahl abgebildet sind – ähnlich wie bei der Darstellung von Erststimmenergebnissen bei der Bundestagswahl. Einige Nutzerinnen und Nutzer schreiben dazu: «Aktuelle Erhebung zu den 299 Wahlkreisen in Deutschland – Erstplatzierungen». Auch ein AfD-Politiker verbreitet die Karte. Liegt seine Partei also in Umfragen in den gezeigten Wahlkreisen vorne?

Bewertung

Dafür gibt es keine Belege. Die Karte kursierte erstmals im September 2025 – doch weder damals noch heute wird eine Quelle für die angeblichen «Erstplatzierungen» genannt. Entsprechende Umfrageergebnisse auf Wahlkreisebene finden sich keine.

Fakten

Zu der Karte fehlen wesentliche Informationen. Es wird nur angegeben, wie viele Wahlkreise angeblich auf welche Partei entfallen. Nach der Union mit 172 kommt demnach die AfD mit 101 auf den zweiten Platz. Handelt es sich dabei um Umfrageergebnisse oder um Wahlergebnisse? Von wann ist die Darstellung der Verteilung der Wahlkreise? Dazu gibt es keine Informationen, und auch Bildersuchen im Netz führen zu keinen Treffern, die mehr Kontext liefern.

Vermutlich bezieht sich die Darstellung auf Bundestagswahlen, denn dabei finden sich die genannten 299 Wahlkreise in Deutschland. Bei der vergangenen Bundestagswahl im Februar gab es jedoch andere Ergebnisse – sowohl bei den Erst- als auch bei den Zweitstimmen. Dieses Wahlergebnis kann also nicht gemeint sein.

«Sonntagsfragen» beziehen sich auf ganz Deutschland

Bei Umfrageinstituten gibt es aus dem Zeitraum seit der Bundestagswahl lediglich allgemeine Erhebungen zu Wahlabsichten der Bevölkerung – die sogenannte Sonntagsfrage («Welche Partei würden Sie wählen, wenn nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre?»). Diese Umfragen sind in der Regel repräsentativ. Das bedeutet, dass die Ergebnisse aus der Stichprobe der Befragten auf die Gruppe der Wahlberechtigten – in ganz Deutschland, also vergleichbar mit einem Zweitstimmenergebnis – übertragbar sind.

Woher aber Umfrageergebnisse stammen sollen, die sich auf die einzelnen Wahlkreise beziehen, ist nicht bekannt. Dieselbe Darstellung mit derselben Verteilung der Wahlkreise kursierte bereits im September. Aber auch damals gab es keine Belege für die vermeintlichen Wahl- oder Umfrageergebnisse.

(Stand: 27.11.2025)

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Wahlen, Politik

Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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