Nein, Pap-Abstriche erhöhen das Krebsrisiko durch Ethylenoxid nicht - Featured image

Nein, Pap-Abstriche erhöhen das Krebsrisiko durch Ethylenoxid nicht

Der Pap-Abstrich wird seit Jahrzehnten sicher zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs eingesetzt. In sozialen Medien behaupten Influencerinnen und Influencer jedoch, die bei dem Test verwendeten Abstrichtupfer setzten Personen gefährlichen Mengen der Chemikalie Ethylenoxid aus, die routinemäßig zur Sterilisation medizinischer Produkte eingesetzt wird. Damit würden die Tests selbst Krebs verursachen. Auf diese Weise sterilisierte Medizinprodukte sind für den Menschen sicher, erklärten Experten gegenüber der AFP.

Gebärmutterhalskrebs gilt als eine der wenigen Krebsarten, die sich durch regelmäßige Früherkennung und eine Impfung verhindern lässt. Doch manche Influencerinnen und Influencer warnen fälschlich vor den Testkits zur Früherkennung. „Junge Frauen werden aufgefordert, alle drei Jahre einen Pap-Abstrich zu machen, um Gebärmutterhalskrebs vorzubeugen“, lautet ein Sharepic, das am 30. Juli 2026 auf Instagram geteilt wurde. Weiter: „Aber die Bürste, die zum Abstrich der Gebärmutter verwendet wird, wird mit einer krebserregenden Chemikalie namens Ethylenoxid sterilisiert.“ Dies sei ein Beispiel für „todbringende Schulmedizin“, hieß es am 25. Juli 2026 auf Facebook.

Diese Behauptung wurde auch auf Englisch, Finnisch und Niederländisch verbreitet.

Instagram-Screenshot der Behauptung, oranges Kreuz von AFP hinzugefügt: 25. August 2026

Doch dabei handelt es sich um Fehlinformation. Expertinnen und Experten betonten gegenüber AFP, dass der Pap-Abstrich sicher ist.

Tests können Gebärmutterhalskrebs verhindern

Der  Pap-Abstrich wurde nach dem griechischen Arzt  Georgios Papanicolaou benannt. Der Test wurde Ende der 1940er- und in den 1950er-Jahren als Methode zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs anerkannt und Mitte der 1970er-Jahre breiter eingeführt. Der Test verwendet einen Tupfer oder eine Bürste, um Zellen vom Gebärmutterhals zu entnehmen und anschließend zu analysieren.

„Es ist eine völlige Fehlinformation zu glauben, dass sich auf diesen Geräten oder diesen Instrumenten zur Entnahme von HPV-Proben Chemikalien befinden, die Krebs verursachen“, sagte Deanna Kepka, Professorin am College of Nursing der Universität Utah. „Es ist definitiv eines der sichersten Instrumente, die wir für die Gesundheit von Frauen haben. Sein Erfolg zeigt sich im bemerkenswerten Rückgang der Gebärmutterhalskrebsfälle in den USA in den vergangenen 50 bis 60 Jahren“, sagte sie am 12. Juni 2026 gegenüber AFP.

Laut den zuletzt verfügbaren Krebsdaten erkrankten im Jahr 2023 in  Deutschland etwa 4300 Frauen an Gebärmutterhalskrebs –  weltweit sind es circa 600.000 Frauen jährlich. In Österreich waren Stand Januar 2026 laut  Statistik Austria 380 Fälle von Gebärmutterhalskrebs bekannt.

Warum Ethylenoxid zur Anwendung kommt

Ethylenoxid ist ein Gas, das Bakterien und Pilze abtötet. In der EU ist der Stoff als Pflanzenschutzmittel und in Lebensmittelnverboten, weil er Krebs erzeugen kann.

Doch bei Medizinprodukten wird Ethylenoxid erlaubterweise verwendet, um das Material zu  sterilisieren. So auch in Österreich, „insbesondere bei hitze- oder strahlungsempfindlichen Produkten wie Abstrich-Tupfern oder Kathetern“. Das teilte das  Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (Basg) am 27. August 2026 AFP schriftlich mit.

Toxikolo gin Lucy Fraiser erk lärte AFP am 2. Juni 2026 in einer E-Mail, dass Hersteller, die Ethylenoxid zur Sterilisation medizinischer Produkte verwenden, einem internationalen Standard unterliege n. Dieser legt die Restmenge der Chemikalie fest, die auf einem Produkt verbleiben darf.

Alleeuropäischen Herstellermüssen diese Standards ebenfalls einhalten.Ein Medizinprodukt zur In-vitro-Diagnostik (IVD), wie beispielsweise die Bürste für Pap-Abstriche, darf nur dann auf dem europäischen Markt in Verkehr gebracht werden, wenn es den geltendeneuropäischen Rechtsvorschriftenentspricht.

Die Berechnung zur Festlegung des Grenzwerts gehe davon aus, „dass das Produkt bis zu 24 Stunden mit Gewebe in Kontakt kommt“ und damit deutlich länger als bei einem Pap-Test, bei dem innerhalb weniger Sekunden eine Probe entnommen wird. Dadurch sei der Standard „äußerst vorsorglich“, so Fraiser.

Keine Hinweise auf Krebsrisiko durch Pap-Abstrich

Sterilisierte Medizinprodukte müssen auf dem EU-Markt die CE-Kennzeichnung erlangen. Dabei handelt es sich um eine Erklärung des Herstellers, dass das Produkt bestimmte EU-Anforderungen erfüllt. Sogenannte  benannte Stellen werden von EU-Mitgliedern gewählt, um die Einhaltung von Sicherheitsnormen zu überwachen.

Die EU listete für Deutschland mehrere solcher Prüfstellen aus, unter anderem den TÜV Süd. Ein Sprecher der Prüforganisation teil te AFP a m 28. August 2026 mit: „ Nach dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Regulierung ergibt sich kein Hinweis auf ein relevantes Gesundheitsrisiko für Patientinnen, wenn Pap‑Abstrich‑Spatel bestimmungsgemäß verwendet werden und die geltenden gesetzlichen Anforderungen eingehalten sin d.“

M aßgeblich sei, dass das Produkt eine „sehr kurze Kontaktzeit“ mit Schleimhäuten benötigt. Zudem gebe es laut EU‑Medizinprodukteverordnung „strenge Grenzwerte für Ethylenoxid-Rückstände. Die Produkte werden durch  Konformitätsbewertung und Marktüberwachung systematisch überprüft. „Produkte, die die Anforderungen nicht erfüllen, dürfen nicht mit einer CE‑Kennzeichnung in Verkehr gebracht werden“, sagte der Sprecher.

In Österreich werden die EU-weit geltenden  Anforderungen in der ÖNORM festgehalten. Laut dem Basg beinhalten diese Regelungen, dass „Risiken durch Rückstände von Stoffen aus Herstellungs- oder Sterilisationsverfahren auf ein vertretbares Maß reduziert werden und die Sicherheit der Patientinnen und Patienten während der bestimmungsgemäßen Anwendung gewährleistet ist“.

Dem Basg seien „keine Hinweise bekannt, dass ordnungsgemäß sterilisierte und rechtmäßig in Verkehr gebrachte Test-Kits aufgrund der Ethylenoxid-Sterilisation für Patientinnen ein Gesundheitsrisiko für Gebärmutterhalskrebs darstellen“.

Aus dem Landesamt für Gesundheit und Soziales in Berlin hieß es auf AFP-Anfrage am 27. August 2026 ebenfalls, dass keine Risiken bezüglich des Pap-Tests bekannt sind. Ethylenoxid müsse„nach dem Kontakt mit dem Medizinprodukt wieder rückstandslos entfernt werden, bevor das Medizinprodukt wieder zur Anwendung kommt“, gab eine Sprecherin des Amtes bekannt.

Ein Sprecher des TÜV Süd teilte zudem mit: „Der weltweite Routineeinsatz solcher Produkte im Rahmen der gynäkologischen Vorsorge erfolgt seit vielen Jahren, ohne dass sich unter Einhaltung der regulatorischen Vorgaben ein epidemiologisch belegtes Risiko ergeben hätte.“ Er erklärte, dass die Einstufung von Ethylenoxid als krebserregend sich „insbesondere auf chronische Expositionen, beispielsweise im beruflichen Umfeld oder durch längerfristige Inhalation“ beziehe. „Die bloße Einstufung eines Stoffes als gefährlich bedeutet jedoch nicht, dass Medizinprodukte, die mit diesem Stoff hergestellt oder behandelt wurden, bei bestimmungsgemäßer Anwendung automatisch ein Gesundheitsrisiko darstellen.“

Verfügbare Studien, die zeigen, dass eine Ethylenoxid-Exposition das Krebsrisiko erhöht, „betrafen fast ausschließlich die Exposition durch Einatmen“, sagte auch Fraiser. Verbleibende Ethylenoxid-Rückstände, die aus der Pap-Test-Bürste entweichen könnten, seien jedoch „viel zu gering, um Luftkonzentrationen zu verursachen, die potenziell Krebs auslösen könnten“, sagte sie.

Gesundheitsbehörden empfehlen regelmäßige Untersuchungen

Gebärmutterhalskrebs wird fast immer durch Humane Papillomviren (HPV) verursacht. Die HPV-Typen 16 und 18 gelten als jene mit dem größten  Risiko, Krebs zu verursachen. In Österreich  empfiehlt die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) allen Frauen über 18 Jahren, sich jährlich mithilfe des Pap-Abstrichs untersuchen zu lassen. Als Kombination mit einem HPV-Test übernimmt etwa die deutsche Krankenkasse DAK zusätzlich alle drei Jahre die Kosten für Frauen ab 35 Jahren in Deutschland.

Die Impfung gegen HPV kann das Risiko für Gebärmutterhalskrebs und Genitalwarzen um bis zu 90 Prozent vermindern, wie das österreichische Gesundheitsministerium auf seiner Website schreibt. Zwischen dem 9. und 21. Ge burtstag kann sie kostenfrei in Anspruch genommen werden. Auch in Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommision (Stiko) die Impfung ab dem Alter von neun Jahren. Da das Infektionsrisiko für Frauen und Männer gleich hoch ist, wird wird allen Geschlechtern vor den ersten sexuellen Kontakten zu der Impfunggeraten.

AFP untersuchte mehrere Falschbehauptungen zum Thema HPV und über mit Ethylenoxid sterilisierte Corona-Tests.

Fazit: Die Behauptung, Pap-Abstrich-Bürsten würden Patientinnen durch Ethylenoxid einem Krebsrisiko aussetzen, ist falsch. Fachleute und Gesundheitsbehörden betonen, dass die bei der Sterilisation verwendeten Mengen streng reguliert sind und keine Hinweise darauf vorliegen, dass ordnungsgemäß zugelassene Testkits ein Risiko für Gebärmutterhalskrebs darstellen. Der Pap-Abstrich gilt als sicheres und wirksames Instrument zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs.

Fact Checker Logo

Gesundheit

Autor(en): Marisha GOLDHAMER / Elena CRISAN / AFP Österreich / AFP Vereinigte Staaten

Ursprünglich hier veröffentlicht.

Nach oben scrollen