Bewertung
Teilweise falsch. Im Vergleich mit der ersten Trump-Amtszeit stimmt das durchaus. In der zweiten Amtszeit brüstet sich das Heimatschutzministerium des Republikaners jedoch selbst mit Rekordzahlen.
Fakten
Eines der zentralen Wahlversprechen Trumps mit Blick auf seine zweite Amtszeit ist es, die «größte Abschiebungsaktion in der Geschichte unseres Landes» umzusetzen. Im Wahlkampf sagte der Republikaner, er wolle «wahrscheinlich 15 Millionen und vielleicht sogar 20 Millionen» abschieben lassen. Später präzisierte der heutige US-Vizepräsident JD Vance: «Fangen wir mit einer Million an.»
Manche meinen im Zuge der aktuellen Diskussion um die Einsätze gegen Nicht-US-Bürger, Obama habe mehr Menschen abgeschoben, als Trump es auch nur ansatzweise versucht habe.
Vergleich der Zahlen schwierig
Das Problem: Das Heimatschutzministerium (DHS) veröffentlicht in ihren Jahresberichten die Abschiebezahlen nicht mehr so, dass eine Vergleichbarkeit mit den Vorjahren adäquat möglich ist. Der letzte Jahresbericht der DHS-Statistikbehörde OHSS (Office of Homeland Security Statistics), in dem ausführliche Zeitreihen zu Abschiebungen enthalten sind, stammt von 2022. In den Jahresberichten 2023 und 2024 heißt es dazu nur noch: «coming soon» («in Kürze»).
In den USA sind Abschiebungen eigentlich in zwei Hauptkategorien unterteilt: Rückführungen («returns») und Ausweisungen («removals»). Bei «returns» werden Personen ohne formelle Ausweisungsverfügung zurückgeschickt, oft auf freiwilligen Wunsch. «Removals» hingegen sind formelle Abschiebungen, bei denen Personen rechtlich zur Ausreise aus dem Land aufgefordert werden.
Das DHS unter Trump nutzt aktuell die Begriffe «deportations» («Abschiebungen») und «self-deportations» («Selbst-Abschiebungen»). Inwieweit damit deckungsgleich «returns» und «removals» gemeint sind, wird nicht erläutert.
Abschiebungen im ersten Jahr der zweiten Trump-Präsidentschaft
In seiner ersten Amstzeit (2017-2020) hat Trump tatsächlich weniger Menschen außer Landes verwiesen als Obama (2009-2016): Nach OHSS-Zahlen zu «removals» waren es bei dem Demokraten im Schnitt knapp 1.050 pro Tag, bei Trump etwa 820. Doch das ändert sich nun mit der zweiten Amtszeit des Republikaners.
Das US-Heimatschutzministerium (DHS) berichtet am 20. Januar 2026 von «mehr als 675.000 Abschiebungen» («deportations») im ersten Jahr der zweiten Trump-Präsidentschaft. Hinzu kommen demnach 2,2 Millionen Migranten, die unter anderem freiwillig ausgereist sein sollen («self-deportation»). Damit hätten «fast drei Millionen illegale Ausländer die USA aufgrund des harten Vorgehens der Trump-Regierung gegen illegale Einwanderung verlassen», heißt es vom DHS.
Nach einer Analyse der «New York Times» auf Basis von Bundesdaten hat die Trump-Regierung im gleichen Zeitraum rund 500.000 Menschen abgeschoben («deported»). Zur Zahl der freiwilligen Ausreisen schreibt die Zeitung in dem Artikel nichts.
Obama galt als «Deporter in Chief»
«Deporter in Chief» («oberster Abschieber») wurde Obama einst von Aktivisten wegen seines rigiden Migrationskurses genannt, weil er mehr Menschen des Landes verweisen ließ als seine Vorgänger.
«Während seiner achtjährigen Amtszeit wies seine Regierung mehr als drei Millionen Nicht-US-Staatsbürger offiziell aus», heißt es in einer Forschungsarbeit (hier der kürzere Abstract) der Juristischen Fakultät der Universität von San Francisco von 2018. Unter seinem republikanischen Vorgänger George W. Bush (Amtszeit 2001-2009) waren es demnach zwei Millionen, unter dem Demokraten Bill Clinton (1993-2001) etwa 900.000. Diese Angaben decken sich in etwa mit den Zahlen der OHSS-Statistik zu Ausweisungen («removals»).
Den höchsten OHSS-Jahreswert an «removals» gab es während der Obama-Regierung im Geschäftsjahr 2013 (das «fiscal year» dauert vom 1. Oktober des Vorjahres bis 30. September des genannten Jahres). Damals wurden gut 430.000 «removals» registriert. Das sind ein Drittel weniger als Trumps aktuell mehr als 675.000 «deportations».
Zählt man auch «returns» dazu, kommt Obama in keinem der Geschäftsjahre seiner Amtszeit an die «fast drei Millionen illegale Ausländer» heran, die nach DHS-Angaben in den vergangenen zwölf Monaten die USA angeblich verlassen haben sollen.
Verschiedene Ansätze unter Obama und Trump
Nach Angaben der Law Enforcement Immigration Task Group, einem Zusammenschluss mehrerer Polizeivertreter in den USA, haben Obama und Trump bei der Durchsetzung der Einwanderungsgesetze unterschiedliche Personengruppen ins Visier genommen.
Demnach hat die Obama-Regierung sich auf Menschen konzentriert, die entweder eine Gefahr für die nationale oder öffentliche Sicherheit darstellen, oder die kurz zuvor illegal eingereist sind. Die Trump-Regierung hingegen habe schon in der ersten Amtszeit «alle Einwanderer ohne Papiere» für eine Abschiebung in Betracht gezogen.
(Stand: 30.1.2026)
