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Polarlichter bis zu den Alpen – und falsche Erklärungen im Netz

Sowohl in der Nacht vom 19. auf den 20. Januar als auch in der darauffolgenden Nacht waren in weiten Teilen Deutschlands Polarlichter zu sehen. Verantwortlich dafür war ein sogenannter geomagnetischer Sonnensturm. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) teilte mit, dass wegen der Stärke des Sonnensturms die Lichter in der Nacht von Norddeutschland bis zu den Alpen zu sehen waren. In den sozialen Medien wurden zahlreiche Bilder des Phänomens geteilt.

Einige Nutzerinnen und Nutzer behaupteten jedoch, dass es in «unseren Breitengraden keine Polarlichter» gebe und stattdessen «toxische Barium- und Aluminiumwolken in der oberen Atmosphäre gezündet wurden, um künstliche Polarlichter zu erzeugen und Plasma-Strömungen sichtbar zu machen». Dies geschehe angeblich im Rahmen militärischer Interessen. Stimmt das?

Bewertung

Die Behauptung, bei den beobachteten Lichtern handle es sich um künstlich erzeugte Polarlichter durch toxische Substanzen oder militärische Experimente, ist unbelegt und wissenschaftlich nicht haltbar. Die Erscheinungen lassen sich vollständig durch einen starken geomagnetischen Sonnensturm erklären, wie er auch bestätigt wurde.

Fakten

Polarlichter entstehen, wenn nach Sonnenstürmen Wolken elektrisch geladener Teilchen Richtung Erde rasen. Diese werden vom Erdmagnetfeld zu den Polen gelenkt und dringen dort in die Erdatmosphäre ein. In der oberen Atmosphäre treffen die geladenen Teilchen auf Luftmoleküle und regen sie an, Licht auszusenden – sichtbar als bunte, bewegte Lichter am Himmel.

Experiment mit Barium

Wird Barium in der Atmosphäre freigesetzt, können sich Wolken bilden, die je nach Höhe unterschiedliche Formen annehmen. Elektrisch neutrales Barium emittiert blassgrünes Licht, ionisiertes – also elektrisch geladenes – Barium hingegen violettes Licht.

Am 23. März 2023 startete um 19:23 Uhr MEZ (18:23 UTC) eine Forschungsrakete mit Barium vom nordschwedischen Raumfahrtbahnhof Esrange. Die dabei entstandenen leuchtenden Wolken waren für etwa eine halbe Stunde (18:25-19:00 UTC) von Mittelfinnland über Schweden bis nach Nordnorwegen sichtbar.

Ist das gefährlich?

Insgesamt wurden bei dem Experiment laut eigenen Angaben, etwa 64 Kilogramm Barium über einem Gebiet von rund 3.000 Quadratkilometern freigesetzt – eine deutlich geringere Menge, verteilt auf ein wesentlich größeres Gebiet, als üblicherweise bei Feuerwerken zu Feiertagen.

Ziel der Forschung ist es, das Verständnis von Polarlichtern zu verbessern, um genauere Vorhersagen zur Sonnenaktivität und deren Auswirkungen auf kritische Infrastrukturen auf der Erde sowie auf Satelliten zu ermöglichen.

HAARP-Forschungseinrichtung

Auch der im Facebook-Beitrag verlinkte futurezone-Artikel befasst sich mit Polarlichtforschung. In Alaska befindet sich das High Frequency Active Auroral Research Program (HAARP), eine US-amerikanische Forschungseinrichtung. Laut eigener Website handelt es sich dabei um «den leistungsfähigsten Hochfrequenzsender der Welt zur Erforschung der Ionosphäre».

In verschwörungstheoretischen Kreisen wird HAARP immer wieder mit Wetter- oder Gedankenkontrolle in Verbindung gebracht – trotz fehlender Beweise. Auf die Frage, ob HAARP künstliche Polarlichter erzeugen könne, erklärt die Einrichtung selbst, dass zwar schwache optische Emissionen möglich seien, HAARP jedoch nicht in der Lage sei, die für echte Polarlichter typischen Phänomene hervorzurufen. Die dabei erzeugte Energie sei deutlich geringer als jene eines Sonnensturms.

(Stand: 28.1.2026)

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Wissenschaft

Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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