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Privat-Terminal auf Rügen versorgt Ukraine mit US-Flüssiggas

Die Debatte um die Füllstände in deutschen Gasspeichern entspinnt sich fast jährlich. Am 24. Februar 2026 behauptet die AfD-Vorsitzende Alice Weidel: «Die Gasspeicher in Deutschland sind fast leer.» Trotzdem habe sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) dazu entschieden, «das verbliebene Gas in die Ukraine zu leiten».

Bewertung

Falsch. Die Ukraine wird nicht aus dem vorhandenen deutschen Speicher beliefert. Sie erhält Flüssiggas aus den USA über einen privat finanzierten und betriebenen Terminal, der in Deutschland liegt. Experten zufolge reicht der Füllstand der Gasspeicher für den aktuellen Winter.

Fakten

Die deutschen Gasspeicher sind nicht leer. Am 24. Februar 2026 lag der Füllstand nach Angaben der Bundesnetzagentur bei 20,5 Prozent. Zum gleichen Zeitpunkt ein Jahr zuvor waren es 36,5 Prozent.

Eine im Frühjahr 2027 auslaufende Verordnung schreibt vor, dass die meisten Speicher am 1. Februar – also mehr als drei Wochen zuvor – zu mindestens 30 Prozent gefüllt sein müssen. Diese Zielvorgabe wurde nach Angaben des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) im Jahr 2026 erreicht. Dem Verein zufolge reicht der aktuelle Gasspeicher (Stand: 28.2.2026) noch über den 30. April hinaus. Nach der Heizperiode werden die Speicher für den folgenden Winter wieder aufgefüllt.

Zudem ordnete Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller bereits Ende Januar im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) die Relvanz der Gasspeicher ein: «Die Erdgasspeicher sind weiterhin wichtig, aber sind nicht mehr der allein entscheidende Indikator.» Daneben stünden schwimmende Terminals für Flüssiggas zur Verfügung. «Sie geben Deutschland noch mal ein zusätzliches Maß an Sicherheit», so Müller.

Auch die Bundesregierung argumentiert, wegen freier Kapazitäten bei der Einfuhr von LNG seien die geringen Gasvorräte kein Problem.

Ukraine erhält Gas aus den USA, nicht aus Deutschland

Zudem ist Weidels Behauptung falsch, dass «das verbliebene Gas in die Ukraine» geleitet werde.

Am 24. Februar wird die Ukraine erstmals über das LNG-Terminal auf Rügen mit Gas versorgt, das zuvor als Flüssigerdgas (LNG) mit Tankern aus den USA angeliefert wurde. Es handelt sich dabei nicht um Gas aus oder für Deutschland. Im Hafen von Mukran wird das LNG wieder in gasförmigen Zustand umgewandelt und anschließend über eine Pipeline durch Polen in die Ukraine gebracht, wie der staatliche ukrainische Energiekonzern Naftogaz mitteilt.

Die Lieferung des Gases via Deutschland in die Ukraine ist auch kein Auftrag von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) oder der Bundesregierung. Sie erfolgt über das privat finanzierte schwimmende Flüssiggas-Terminal «Deutsche Ostsee» des privaten Betreibers Deutsche Regas. Der geschäftsführende Gesellschafter Ingo Wagner sagt: «Besonders stolz sind wir darauf, dass wir als einziges privat finanziertes und betriebenes Terminal einen direkten Beitrag zur Energiesicherheit in der Ukraine leisten.» Das Unternehmen arbeitet nach eigenen Angaben mit «langfristigen Verträge[n] mit Großkunden».

Der Gasexperte Sebastian Gulbis vom Beratungsunternehmen Enervis nannte Deutschland im Herbst 2025 «wieder ein deutlich wichtigeres Transitland», da «Österreich, Tschechien, die Schweiz und zum Teil auch Ungarn, die Slowakei und Slowenien über Deutschland versorgt werden».

Auch die BSW-Politikerin Sahra Wagenknecht stellt fälschlicherweise einen Zusammenhang zwischen den Gasspeicherständen in Deutschland und den Lieferungen über einen privaten deutschen Terminal.

(Stand: 2.3.2026)

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Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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