Satireseite kopierte jahrealte Weihnachtsmann-Illustration - Featured image

Satireseite kopierte jahrealte Weihnachtsmann-Illustration

Religi├Âse Traditionen sind immer wieder Ziel sowohl von Politisierung als auch Satire. Besonders im Internet sind die Grenzen da oft flie├čend. Aktuell kursiert beispielsweise der Screenshot eines Facebook-Posts, in dem angeblich eine Antifa-Gruppierung Weihnachten als diskriminierend bezeichnet. Doch ist das wirklich ernst gemeint?

Bewertung

Der Post stammt von einer Satire-Seite und ist mehrere Jahre alt. Urspr├╝nglich wurde die Illustration f├╝r eine Demonstration gegen Weihnachts- und Silvesterfeiern in der T├╝rkei entworfen.

Fakten

Das im Netz geteilte Bild zeigt einen Weihnachtsmann, der von einem Mann mit Kinnbart geschlagen wird. Darunter ist zu lesen: ┬źWir sagen NEIN zu Weihnachten! Es diskriminiert muslimische Mitmenschen und grenzt diese aus.┬╗ Der Post stammt von der Facebook-Seite ┬źInternationalsozialistische Antifa┬╗ und ist dort an Heiligabend 2019 erschienen.

Laut Steckbrief bezeichnet sich die Gruppierung als ┬źBunt, offen, vielf├Ąltig, maximal tolerant und pro Islam in all seinen Facetten.┬╗ Auf der Seite finden sich ├╝berspitzt oder provokant formulierte ├äu├čerungen. In Verbindung mit dem Namen der Seite liegt es nahe, dass es sich um Satire handeln muss.

Auch der Verfassungsgerichtshof Nordrhein-Westfalen urteilte 2018 in einer Wahlpr├╝fungsbeschwerde, dass die Seite zweifelsohne nicht von Antifa-Aktivisten stammt. Dort w├╝rden ┬źvermeintlich linke Positionen absurd ├╝berspitzt┬╗. Es sei zudem unwahrscheinlich, dass eine linksgerichtete Gruppierung, die sich als antifaschistisch bezeichnet, den Zusatz ┬źinternationalsozialistisch┬╗ w├Ąhle.

Der Hintergrund der Illustration

Die in dem Post verwendete Illustration geh├Ârt zu einem Plakat f├╝r eine Demonstration der Anatolian Youth Association (AGD) im Jahr 2013 gegen Weihnachts- und Neujahrsfeiern. Die AGD, die der konservativen und religi├Âs orientierten Saadet Partisi (SP, dt. Partei der Gl├╝ckseligkeit) nahesteht, protestierte damals auf dem Beyazit-Platz nahe der Universit├Ąt Istanbul. Dort verk├╝ndete die Gruppe unter anderem, dass Br├Ąuche wie Weihnachten und Silvester zu ┬źkultureller Zerst├Ârung und Identit├Ątskrisen in der Gesellschaft┬╗ f├╝hrten.

Konservative Lager in der T├╝rkei sprechen sich immer wieder gegen Weihnachtsfeierlichkeiten aus, da dies angeblich nicht mit dem Islam vereinbar sei, teilte die t├╝rkische Faktencheck-Organisation Teyit der dpa per Mail mit. So hat beispielsweise auch das Pr├Ąsidium f├╝r Religionsangelegenheiten Diyanet ─░┼čleri Ba┼čkanl─▒─č─▒ (DIB) in der offiziellen Freitagspredigt vom 23. Dezember 2022 (Download-Link) Silvester als ┬źkulturelle Entfremdung┬╗ bezeichnet und angemahnt, keine Br├Ąuche anzunehmen, die nicht mit der Geschichte und Kultur des Islam einhergingen.

(Stand: 3.1.2022)

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Gesellschaft

Autor(en): dpa

Urspr├╝nglich hier ver├Âffentlicht.

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