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Schwesigs ZDF-Amt erklärt die Umfrage nicht

Ein Facebook-Beitrag stellt die Ergebnisse eines ZDF-Politbarometers zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern infrage. Auf einer dazu verbreiteten Grafik steht: «Lügen, Lügen, Lügen. Sie sitzt nämlich mit im Vorstand des ZDF.» Gemeint ist Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Ein Nutzer bezweifelt außerdem, dass die SPD binnen weniger Tage deutlich zulegen könne. Hat Schwesig über ein Amt beim ZDF Einfluss auf die veröffentlichten Umfragewerte?

Bewertung

Fehlender Kontext: Schwesig gehört dem ZDF-Verwaltungsrat an, doch dieser erstellt weder Wahlumfragen noch entscheidet er über einzelne redaktionelle Beiträge. Für das Politbarometer ist die Forschungsgruppe Wahlen verantwortlich.

Fakten

Manuela Schwesig ist seit dem 1. Juli 2023 Mitglied des ZDF-Verwaltungsrats. Sie gehört dem Gremium als eine von vier Vertreterinnen und Vertretern der Länder an. Die Formulierung, sie sitze «im Vorstand des ZDF», ist jedoch ungenau: Das ZDF hat keinen Vorstand. Der Verwaltungsrat ist eines der beiden Aufsichtsgremien des öffentlich-rechtlichen Senders.

Verwaltungsrat kontrolliert vor allem Finanzen

Der zwölfköpfige Verwaltungsrat überwacht die Tätigkeit des Intendanten vor allem in Haushalts, Finanz- und Investitionsfragen. Er beschließt über den vom Intendanten vorgelegten Haushaltsplan und den Jahresabschluss, stimmt bestimmten Verträgen zu und ist an der Berufung leitender Beschäftigter beteiligt. Die einzelnen Mitglieder sind dabei nicht an Weisungen gebunden. Die Erstellung von Wahlumfragen und Entscheidungen über einzelne Nachrichtenbeiträge gehören nicht zu den ausgewiesenen Aufgaben des Gremiums.

Für die Aufsichtsgremien öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten gilt zudem das Gebot der Staatsferne. Das Bundesverfassungsgericht entschied 2014, dass staatliche und staatsnahe Mitglieder höchstens ein Drittel der Sitze besetzen dürfen. Ein bestimmender Einfluss staatlicher oder parteipolitischer Akteure soll dadurch verhindert werden. Im ZDF-Verwaltungsrat werden acht Mitglieder vom Fernsehrat gewählt; vier Vertreterinnen und Vertreter werden von den Ländern berufen.

Forschungsgruppe Wahlen erhob die Daten

Die im Facebook-Beitrag angezweifelten Werte wurden nicht von Schwesig oder dem Verwaltungsrat ermittelt. Das ZDF beauftragte damit die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen. Für das Politbarometer Extra befragte sie vom 14. bis 17. September 2026 insgesamt 1.395 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte in Mecklenburg-Vorpommern telefonisch und online. Die Projektion sah die SPD bei 37 Prozent und die AfD bei 36 Prozent. Gegenüber der vorangegangenen Erhebung stieg die SPD damit um drei Prozentpunkte, nicht um sechs; die AfD verlor einen Punkt.

Das ZDF wies bei der Veröffentlichung ausdrücklich darauf hin, dass die Werte lediglich ein aktuelles Stimmungsbild und keine Vorhersage des Wahlergebnisses darstellten. Bei einem Anteilswert von rund 40 Prozent betrug der angegebene statistische Fehlerbereich gut drei Prozentpunkte. Zudem waren sich 21 Prozent der Befragten noch nicht sicher, wen oder ob sie wählen würden. Kleine Veränderungen oder ein knapper Abstand zwischen zwei Parteien lassen daher nicht zuverlässig erkennen, welche von ihnen bei der Wahl tatsächlich vorn liegen wird.

Kein Beleg für Einfluss Schwesigs

Die Forschungsgruppe Wahlen berät und betreut die Wahlsendungen des ZDF wissenschaftlich. Die Qualitätsstandards der Markt- und Sozialforschung verlangen unter anderem eine nachvollziehbare Planung, Datenerhebung, Auswertung und Berichterstattung. Eine Verbindung zwischen Schwesigs Mitgliedschaft im Verwaltungsrat und der Erhebung oder Berechnung der Umfragewerte ist nicht belegt. Aus den unterschiedlichen Zuständigkeiten ergibt sich vielmehr, dass ihr das Mandat im Aufsichtsgremium keine Kontrolle über die Ergebnisse des Politbarometers verschafft.

Bei der Landtagswahl am 20. September erreichte die AfD schließlich 38,2 Prozent, die SPD 35,5 Prozent.

(Stand: 24.9.2026)

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Wahlen, Politik

Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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